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So verliert Anna bei der Jobsuche nicht den Mut

Nach langer Suche fand Anna endlich einen tollen Job in Berlin, der sich nach einiger Zeit wieder zerschlagen hat. Nun geht die Jobsuche weiter, doch wie bleibt man in dieser Phase motiviert?

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Anna ist nach zurückgenommener Zusage für einen Job nun wieder auf Jobsuche. Foto: Anna

Bis Oktober letzten Jahres verfolgte Anna begeistert ihr Studium der Politikwissenschaft. Nach ihrem Masterabschluss fand sie einen Job als Projektassistentin in Berlin. Wegen interner Prozesse wurde dieser allerdings zurückgezogen und für Anna ging die Job-Jagd weiter. Mittlerweile hat sie viele Bewerbungsgespräche hinter sich und merkt während dieser langen Suche, wie schwer es ist, die Motivation aufrechtzuerhalten. Hinzu kommen Geldsorgen, Zukunftsängste und all der Stress, den ein Bewerbungsprozess mit sich zieht.

Im Interview erzählt uns Anna, woran es liegt, dass Sozialwissenschaftler*innen es auf dem Arbeitsmarkt so schwer haben, wie sie trotzdem nicht die Hoffnung aufgibt und optimistisch bleibt.

ze.tt: Hallo, Anna. Warum hast du dich für das Studium der Politikwissenschaft entschieden?

Anna: Mich haben Politik und gesellschaftliche Themen schon immer interessiert. Mein Vater sagte immer: „Du musst Zeitung lesen, sonst kannst du nicht mitreden.“ So hat sich das Interesse bei mir herausgebildet.

Hattest du im Studium oder danach bereits eine Vision dessen, was du gerne beruflich machen würdest?

Ich habe mir vorgestellt, vielleicht als Referentin zu arbeiten, zum Beispiel im Bereich Rechnungspolitik oder Demokratieforschung. Dadurch, dass das Studium sehr breit gefächert war, habe ich nicht direkt auf ein Berufsbild hingearbeitet, auch wenn ich viele Praktika gemacht habe. In der politischen Kommunikation zu arbeiten, konnte ich mir beispielsweise ebenso vorstellen.

TK TIPP: Werde dir deiner Wünsche bewusst!

Eine Jobsuche kann frustrierend sein. Es hilft, sich darüber im Klaren zu sein, welchen Beruf man ausüben möchte und was zu einem Job dazu gehört: Möchte ich in einem Team arbeiten? Welche Fähigkeiten möchte ich einbringen? Gerade im Fall von Anna, die ein sehr interdisziplinäres Studium absolviert hat, ist es wichtig, sich die eigenen Wünsche bewusst zu machen. Derartige Planung hilft, sollte aber nicht unflexibel machen. Das sieht auch Diplom-Psychologe und Coach Jürgen Hesse von Hesse/Schrader so: „Planung ist sehr wichtig, aber auch eine gewisse Flexibilität im Sinne von Chancen zu ergreifen, die sich ergeben. Das bedeutet nicht, dass man nach jedem Strohhalm greifen soll. Gerade deshalb braucht es eine wohl überlegte Planung und ein Konzept dessen, was man machen will, aber auch, was man anzubieten hat. Wichtig: Man sollte über den Tag, den Monat, das Quartal hinausdenken und überlegen, was die Aufnahme einer Tätigkeit für die berufliche Entwicklung bedeuten kann. Dabei sind zentrale Fragen: Was kann ich dazulernen und was macht mich für den Arbeitsmarkt wertvoller?“

Du hast bei einem Unternehmen die Stelle als Projektassistentin bekommen. Warum wurde sie zurückgezogen und was wären deine Aufgaben gewesen?

Ich hatte die Stelle sicher, doch sie wurde aufgrund interner Prozesse gestrichen, was sehr spät kommuniziert wurde. Ich wäre in einem Arbeitskreis tätig gewesen, wo es um den digitalen Wandel und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft ging. Ich hätte dort Newsletter erstellt, Datenbank- und Literaturrecherche betrieben, kleinere Texte geschrieben und korrigiert, was die wissenschaftlichen Mitarbeiter geschrieben haben.

Meinst du, dass dich deine Kompetenzen aus dem Studium dorthin geführt haben? Oder wurden für die Stelle auch Sozial- und Geisteswissenschaftler*innen allgemein vorgesehen?

Der digitale Wandel und die Digitalisierung sind schon sehr politische Themen, aber die Stelle war auch für Geistes- und Sozialwissenschaftler ausgeschrieben. Da sah ich mich wieder mit einem sehr breiten Pool an Menschen konfrontiert.

Ganz wichtig ist, die Jobsuche nicht zum bestimmenden Thema werden zu lassen.

Anna

Du bist nun seit Oktober auf Jobsuche. Welche Auswirkungen hat das auf dein Wohlbefinden?

Vor allem seit der Job sich zerschlagen hat, ist es für mich sehr frustrierend. Der Bewerbungsprozess war mit drei Gesprächen sehr aufwendig und anstrengend, sodass ich mich nach der Zusage nicht weitergehend bei anderen Stellen beworben habe. Zudem sind die Berufschancen für Sozialwissenschaftler nicht gerade gut. Da entwickeln sich bei mir natürlich Sorgen, wenn ich sehe, wie schwierig es ist, Jobs in dem Bereich zu finden. Mein Freund macht beispielsweise Business Development, da ist es viel einfacher. Gerade im wirtschaftswissenschaftlichen oder naturwissenschaftlichen Bereich werden die Absolventen oft an der Uni abgeworben. Dabei denke ich, dass es vielen Unternehmen und Organisationen guttun würde, mehr Sozialwissenschaftler einzustellen.

TK TIPP: Mit Achtsamkeit gegen die Zukunftsangst

Wenn man um die eigene Zukunft bangt, ist es wichtig, den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren. Achtsamkeit ist hier ein wichtiges Stichwort. Dem pflichtet der Diplom-Psychologe Hans-Georg Willmann bei: „Besonders wenn wir merken, dass wir uns durch das Grübeln über die Vergangenheit (‚War mein Studium vielleicht doch die falsche Entscheidung?‘) oder die Sorgen über die Zukunft (‚Werde ich je einen Job finden?‘) blockieren, holen uns Achtsamkeitsübungen in die Gegenwart zurück und machen uns wieder handlungsfähig. Zusätzlich hilft es auch, sich in Phasen der Orientierungslosigkeit über Möglichkeiten und Wege auf den Arbeitsmarkt zu informieren und dabei eventuell auch Unterstützung in Anspruch zu nehmen.“

Was könntest du einem Unternehmen geben, was zum Beispiel ein*e Wirtschaftswissenschaftler*in nicht könnte?

Sozialwissenschaftler sehen Probleme nicht nur aus einem Blickwinkel. Wenn ich eine Sache interdisziplinär betrachte, dann erziele ich mehr Gewinn, als wenn ich das Ganze einseitig angehe. Dazu kommt natürlich das konkrete Wissen, das ich in meinen Schwerpunkten erhalten habe. Bei mir waren das Internationale Politik und Entwicklung und Policy, Staatstätigkeit- und Governanceanalysen. Man lernt wissenschaftliches Arbeiten, Schreiben und die Recherche.

TK TIPP: Finde heraus, was dich einzigartig macht

Anna weiß bereits vor ihrem ersten Job, welche Qualitäten sie mitbringt. Sie kann genau definieren, was sie von anderen Bewerber*innen unterscheidet. Das erleichtert ihr die Jobsuche. Jürgen Hesse bekräftigt diese Herangehensweise: „Man sollte sein Alleinstellungsmerkmal definieren können und im Vorstellungsgespräch die Überzeugungskraft haben, dem potenziellen Arbeitgeber zu erklären, warum man sich für sie entscheiden sollte. Viele Bewerber wissen nämlich nicht zu antworten, was sie an besonderen Fähigkeiten oder Merkmalen neben ihrem Studienabschluss anzubieten haben.“

Dennoch haben Absolvent*innen der Sozialwissenschaften wie du es sehr schwer auf dem Arbeitsmarkt. Wo siehst du die größten Probleme?

Ich denke, das Problem liegt vor allem darin, dass es weniger Stellen gibt und diese nicht explizit ausgeschrieben sind. Eine Stelle ist oftmals für Politik-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler gleichzeitig ausgeschrieben. Da konkurriert man mit einem sehr breiten Pool an Fachleuten.

Wenn ich wirklich in dem Bereich arbeiten möchte, dann brauche ich noch ein Volontariat, das ist aber grundsätzlich sehr unterbezahlt.

Anna

Außerdem wird es Berufsanfängern unnötig schwer gemacht. Stellen werden oft für Leute ausgeschrieben, die schon zwei bis drei Jahre Berufserfahrung haben. Berufsanfängern werden zwar Volontariate und Traineeships angeboten, was prinzipiell eine gute Sache ist, aber auch dafür muss man genug Berufserfahrung gesammelt haben. Ich habe zwar Praktika in der politischen Kommunikation, im Auswärtigen Amt in Berlin, in der Kulturabteilung des Goethe-Instituts in Uruguay und bei einer politischen Stiftung gemacht, wenn ich aber wirklich in dem Bereich arbeiten möchte, dann brauche ich noch ein Volontariat, das ist grundsätzlich sehr unterbezahlt. Vor allem, wenn man einen sehr guten Masterabschluss in der Tasche hat.

Wie gehst du mit dem Druck, den Absagen und der langen Suche um?

Es ist zwar sehr frustrierend, aber man darf es nicht persönlich nehmen. Ich betrachte es so, wie es ist: Man darf nicht vergessen, dass ein geeigneter Bewerber für eine Stelle gefunden werden soll. Es geht darum, zu schauen, welche Qualifikationen und Erfahrungen man mitbringt. Das hat nicht unbedingt etwas mit einem selbst zu tun. Wenn man in dem Bereich eben noch nicht genug Erfahrungen mitbringt, wird es eben auch im Job schwierig. Als Berufsanfänger hat man einfach noch nicht so viele Qualifikationen erwerben können wie Berufserfahrene. Der Anfang ist sehr hart, doch ich kann mir vorstellen, dass es einfacher wird, wenn man den Einstieg schon geschafft hat.

Dir gelingt es also schon, dich davon zu distanzieren und es nicht persönlich zu nehmen?

Ich versuche es zumindest. Entmutigen lasse ich mich nicht. Finanziell ist es zwar auch schwierig, aber ich stelle mir vor, wie ich mich in fünf Jahren daran erinnere, dass diese Phase sehr schwierig war und sich doch positiv entwickelt hat.

TK TIPP: Lass dich nicht entmutigen!

Anna versucht, sich von Absagen nicht entmutigen zu lassen und es nicht persönlich zu nehmen. Hans-Georg Willmann erklärt, weshalb realistische Einschätzungen wichtig sind: „Annas Umgang mit den Absagen ist prima. Denn genauso verhält es sich auf dem Arbeitsmarkt. Ein Unternehmen sucht den Bewerber, der am besten auf eine Stelle passt. Wenn sich auf eine Stelle sehr viele Bewerberinnen und Bewerber bewerben, dann ist die Konkurrenz groß und der- oder diejenige mit den besten Voraussetzungen wird eingeladen und eingestellt. Um einen Bewerbungsprozess aktiv abzuschließen, kann man nach Erhalt einer Absage noch einmal Kontakt zum Unternehmen suchen und nach spezifischen Gründen fragen. Manchmal erhält man da interessante Tipps, wie man seine Bewerbungen optimieren kann, welche Fähigkeit man noch entwickeln sollte oder für welche Arbeitsfelder man besser passt. Und ein Gedanke kann auch helfen: Sich zu bewerben ist anstrengend, aber endlich. Denn eine der vielen Bewerbungen wird zu einem Arbeitsvertrag führen.“

In solch einer Phase der Jobsuche dreht sich wahrscheinlich alles darum. Wie gelingt es dir, dich davon mal abzulenken?

Nach der Absage war ich zwar schon sehr entmutigt, aber ich achte schon darauf, die Jobsuche nicht zum bestimmenden Thema werden zu lassen. Ich treffe mich mit Freunden, versuche die Zeit für mich zu nutzen und etwas Schönes zu machen. Denn eigentlich habe ich ja frei, was etwas Tolles ist. Kürzlich habe ich beispielsweise eine Reise nach Portugal unternommen.

Hast du Tipps für unsere Leser*innen, wie man mit den Auf und Abs der Bewerbungsphase umgeht?

Ich denke, man sollte sich breit aufstellen und sich nicht auf einen bestimmten Bereich oder Job fixieren, in dem man unbedingt arbeiten möchte. Außerdem kann es helfen, Freunde, Bekannte oder frühere Arbeitgeber zu fragen. Ganz wichtig ist, die Jobsuche nicht zum bestimmenden Thema werden zu lassen. Wenn es mit dem ersten Job eine lange Zeit nicht klappt, dann kann man sich auch einen Übergangsjob in einem anderen Bereich suchen, um nebenbei etwas entspannter und finanziell unabhängiger nach dem Traumjob suchen zu können. Außerdem würde ich mich in anderen Orten bewerben. Bisher habe ich mich nur in Berlin beworben, aber jetzt geht mein Freund für eine Stelle nach New York und so eröffnet sich für mich auch dort der Arbeitsmarkt.

TK TIPP: Baue dir dein Netzwerk auf

Neben den üblichen Stellenanzeigen, erkundigt Anna sich ebenfalls im Bekanntenkreis nach Jobs: Kann ein Netzwerk bei der Jobsuche von Vorteil sein? „Unbedingt“, meint Hans-Georg Willmann. „Man spricht da auch vom ’sozialen Kapital‘ und das ist Gold wert. Über viele, wirklich sehr viele Jobs wird in beruflichen Netzwerken gesprochen. Ohne Kontakte würde man nie über diese Jobs erfahren. Deshalb lohnt es sich bereits während des Studiums, zielführende Kontakte aufzubauen: Auf Kongressen, Karriere-Events, über soziale Netzwerke, durch Praktika; Möglichkeiten gibt es genug. Ein berufliches Netzwerk baut man sich am besten auf, bevor man es braucht.“

Die Techniker Krankenkasse und ze.tt stellen euch an dieser Stelle in den nächsten Wochen zehn Protagonist*innen vor, die ihren ersten Job nach der Uni angefangen und ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Wir begleiten sie bei ihren ersten 100 Tagen im Job und finden heraus, wie das so für sie war, plötzlich im Arbeitsleben zu stecken. Auf der deutschlandweiten Veranstaltungsreihe „Die ersten 100 Tage im Job“ könnt ihr unsere Protagonist*innen auch persönlich treffen. Termine und Anmeldung unter www.zeit.de/100tage. Wollt ihr mehr zur Aktion erfahren? Dann schaut hier rein!