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Immatrikulation, Ersti-Partys, Auslandssemester: Wie geht studieren in Zeiten von Corona?

Viele Abiturient*innen wissen nicht, wie es für sie weitergeht. Sie haben Fragen – zum Beispiel an Hochschulen. Wir haben diese gesammelt und sie drei unterschiedlichen Hochschulen gestellt.

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Abiturient*innen haben derzeit viele Fragen zum Studium - wir haben sie Hochschulvertreter*innen gestellt. Foto: Jeshoots / Unsplash I CC0

Die Stimmung nach dem Abitur? Euphorisch, zukunftsfroh und gespannt auf alles, was kommt. Eigentlich. Wäre da nicht gerade eine globale Pandemie, die viele Abiturient*innen verunsichert zurücklässt. Das ganze Land befindet sich in einem Übergangsmodus und es ist gar nicht so leicht, die Infos zu finden, die man braucht. Deswegen haben wir mit Vertreter*innen der Europa-Universität Viadrina, der HMKW (Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft) und der TU Darmstadt gesprochen und ihnen eure Fragen gestellt. Los geht’s.

 

Bei uns in Baden-Württemberg werden die Abiturprüfungen jetzt verschoben. Es kann sein, dass meine mündlichen Prüfungen erst Mitte-Ende Juli stattfinden. Bewerbungsschluss an den Unis ist aber der 15. Juli. Kann ich mich auch ohne Abi, z.B. mit meiner Vornote an den Unis bewerben? Oder muss ich jetzt ein Semester warten und im Sommersemester starten?

Maria Otte, Leiterin des Sachgebiets Bewerbung und Zulassung der TU Darmstadt: „Die Frage kann ich sehr gut nachvollziehen und ich möchte erst einmal allen diesjährigen Schulabsolvent*innen Mut machen: Ihr kriegt das alles hin! Oft sind die nicht zulassungsbeschränkten Studiengänge gar nicht an diese Frist gebunden, sondern haben eine viel spätere Bewerbungsfrist. Auch bei uns an der TU Darmstadt sind 39 Studiengänge nicht zulassungsbeschränkt. Da habt ihr schon einmal eine große Auswahl. Anders sieht es eigentlich nur für die zulassungsbeschränkten Studiengänge aus, auch NC-Studiengänge genannt. Für diese gilt an allen Hochschulen bundesweit die einheitlich geregelte gesetzliche Bewerbungsfrist zum 15.07.2020. Ich sage eigentlich, denn in diesem Jahr ist alles anders: Derzeit laufen bundesweite Abstimmungen darüber, wie diese Bewerbungsfrist verlängert werden kann, damit alle Abiturient*innen eine Chance haben, sich fristgerecht mit ihrer Abinote auf ihren Wunschstudiengang zu bewerben. Sobald feststeht, wie die genauen Fristen an der TU Darmstadt lauten, könnt ihr sie hier einsehen. Übrigens werdet ihr genug Zeit haben, denn auch der Start des Wintersemester 20/21 verschiebt sich. Es beginnt bei uns an der TU Darmstadt beispielsweise erst am 1.11.2020.“

 

Kann ich überhaupt noch im Ausland studieren, wenn die Grenzen zu sind? 

Petra Weber, Leiterin von Viadrina International Affairs: „Aktuell können wir natürlich keine Studierenden in ein Auslandssemester schicken. Es gibt aber Formen von digitaler Mobilität, die auch wahrgenommen werden. Mit allen, die gerade schon im Ausland sind, sind wir im engen Austausch. Viele haben sich dazu entschlossen, an ihren Gastunis zu bleiben und lernen beispielsweise über Online-Kurse. Manche haben sich aber auch dazu entschlossen, ihren Auslandsaufenthalt abzubrechen, sie sind bereits wieder in Deutschland. Einige wenige können ihr Auslandssemester zum jetzigen Zeitpunkt nicht antreten. Für das kommende Wintersemester nominieren wir ganz normal und hoffen, dass ein Auslandsaufenthalt in den meisten Ländern dann wieder möglich sein wird. Wir haben ein Netzwerk von rund 250 Partneruniversitäten weltweit und beraten und unterstützen unsere Studierenden jederzeit in allen Fragen zu ihrem Auslandssemester.“

 

Wenn ich mehrere Zusagen habe, würde ich mir gerne die einzelnen Unis ansehen, um mich dann gut entscheiden zu können. Aber ich kann zur Zeit ja nicht reisen. Wie kann ich mich trotzdem über Campus, Uni und Studierendenleben informieren?

Franziska Boll, Leiterin der Zentralen Studienberatung bei der Viadrina: „Viele Universitäten und Hochschulen haben bereits ein Angebot auf den eigenen Webseiten, auf denen ihr beispielsweise Videos und Testimonials von Studierenden und Alumni findet. Wer den persönlichen Austausch sucht, erreicht unsere zentralen Anlaufstellen wie die Studienberatung auch weiterhin per Telefon und E-Mail. Hier können konkrete Fragen beantwortet werden. Wie einige andere Unis auch bieten wir Zoom-Meetings oder Instagram-Livestreams an, um uns mit Studienanfänger*innen darüber auszutauschen, was sie gerade beschäftigt. Und was ich auch nur empfehlen kann, ist sich über die sozialen Netzwerke zu informieren, beispielsweise beim AStA. Da bekommt man die Infos gleich aus erster Hand von anderen Studierenden.“

 

 

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Kann ich mein erstes Semester im Homeoffice machen? Gibt es digitale Angebote oder muss ich mir alles alleine erarbeiten? Und wenn ja, wie komme ich dann überhaupt an dafür nötige Bücher?

Stefan Ostler, Studienberater bei der HMKW: „Wir haben den gesamten Lehrbetrieb auf einen Online-Campus umgestellt. Was wir bisher in unseren Seminarräumen in Berlin, Köln und Frankfurt am Main angeboten haben, findet ab sofort in virtuellen Klassenräumen statt. Studierende sind also nach wie vor Teil einer Studiengruppe. Auch die notwendige Literatur ist in vielen Fällen über Online-Bibliotheken und Datenbanken aufrufbar, dafür haben wir uns eingesetzt, und wir stellen den Studierenden die nötigen Login-Daten zur Verfügung.“

 

Wie sollen die Ersti-Wochen aussehen? Es wird ja bestimmt keine Campuspartys geben, oder? Und wie kann ich dann überhaupt neue Leute in der Stadt kennenlernen?

Franziska Boll, Leiterin der zentralen Studienberatung der Viadrina: „Wir sind eine relativ kleine Uni und können spontan einiges auf die Beine stellen. Zum Beispiel eine digitale Einführungswoche für das kommende Sommersemester: Es wird einen zusätzlichen Sprechstundentag geben, bei dem alle offenen Fragen an beispielsweise das Career Center, das Sprachenzentrum oder den AStA telefonisch oder online geklärt werden können. Studierende vom Fachschaftsrat bieten in dieser Woche eine Stundenplanberatung per Instagram-Livestream an und Tutor*innen berichten in einer Videokonferenz über das studentische Leben in Frankfurt (Oder).“

Janina Lehmann, Vorsitzende des Allgemeinen Studentischen Ausschuss (AStA): „Ich empfehle allen neuen Studierenden und Studieninteressierten, den Accounts der Fachschaften zu folgen und sich in Gruppen zu vernetzen. Bei uns zum Beispiel in der Gruppe „Viadrina United! Studierende der Europa-Universität​“.“

 

 

Welche Branchen sind zukunftssicher?

Stefan Ostler, Studienberater bei der HMKW: „Es verwundert keineswegs, wenn wir vor dem Hintergrund der momentanen Corona-Pandemie nach Sicherheit für uns ganz persönlich suchen. Die kurze Antwort: Alle und keine, denn wir wissen es nicht. Die lange Antwort: Wenn wir versuchen, unsere Zukunft zu planen, sollten wir uns davor hüten, uns von den aktuellen Ereignissen leiten zu lassen. Natürlich könnten wir sagen: Lehramt, Medizin oder Informatik sind sicher. Aber wissen wir das wirklich? Nein. Wir sollten uns eher fragen: Welche Fähigkeiten und Kompetenzen brauche ich, wenn nur sicher ist, dass nichts sicher ist? Und was hat das mit mir und meinen Neigungen, Talenten und Interessen zu tun? Meine Empfehlung: Probiere Dinge aus, lerne oder studiere, was dir Spaß macht und nicht, „was Zukunft hat“. Sei neugierig, bleib mutig, freue dich über jeden Fehltritt und Misserfolg. Am Ende wirst du die richtigen Entscheidungen treffen – garantiert. Übrigens, wenn du noch nicht wirklich weißt, was du studieren willst, dann mach doch mal den Studieninteressenstest der HMKW. Dann bist du vielleicht schon bald schlauer!“

 

Ich würde mich gern für einen zulassungsfreien Studiengang einschreiben, der meinem NC-beschränkten Wunschstudiengang ähnelt, und mich dann im kommenden Semester umschreiben und mir die erbrachten Leistungen anrechnen lassen. Geht das?

Dr. Silvia Faßbender Leiterin der Zentralen Studienberatung und -orientierung an der TU Darmstadt: „Die Anerkennung von erbrachten Leistungen ist zwar möglich, allerdings hat hier jede Hochschule ihre eigenen Regelungen. Prinzipiell wird immer geprüft, ob die erbrachte Leistung in Inhalt und Umfang einem Modul im neuen Studiengang entspricht und ob sie dort anerkannt werden kann. In den ersten Semestern belegen Studierende unterschiedlicher Studiengänge oft die gleichen Module und legen die gleichen Prüfungen ab. Sollten dein Wunschstudiengang und dein Alternativstudiengang solche gemeinsamen Module haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese anerkannt werden.

Es gibt allerdings ein paar Wermutstropfen, die deinen Plan gefährden könnten: Erstens gilt die Zulassungsbeschränkung von NC-Studiengängen auch für höhere Fachsemester. Es wird dann noch einmal geprüft, ob du die Voraussetzungen für das Studium gegenüber Mitbewerber*innen am besten erfüllst. Zweitens ist ein Wechsel oft nur zum Wintersemester möglich. Das heißt, du musst eventuell zwei Semester in deinem Alternativstudium bleiben, bevor du wechseln kannst. Zudem gelten Semester, in denen du an einer Hochschule eingeschrieben warst, nicht als Wartesemester. Und wenn du Bafög-Empfänger*in bist, darfst du das Studium auch nur einmal in den ersten vier Semestern wechseln und du musst deinen Wechsel begründen, um deinen Anspruch auf Weiterförderung nicht zu verlieren.

Deshalb mein Tipp: Prüfe zunächst, warum du den Wunschstudiengang gewählt hast! Was möchtest du mit diesem Studiengang erreichen? Ist dies nur mit diesem Studiengang möglich oder bietet ein Alternativstudiengang ähnliche Perspektiven? Gibt es weitere Möglichkeiten, wie beispielsweise eine Ausbildung oder ein Gap Year, die du dir später bei einer erneuten Bewerbung als Wartezeiten anrechnen lassen kannst? Vielleicht wird deine Bewerbung dann erfolgsversprechender. Bei all diesen Themen unterstützt dich die Studienberatung gerne.“

 

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Corona beschert uns seltsame und unsichere Zeiten. Da tut es gut, Fragen stellen zu können und kompetente Antworten zu erhalten – von den  Mitarbeiter*innen der Europa-Universität Viadrina, der HMKW und der Technischen Universität Darmstadt. Bei allen weiteren Fragen könnt ihr euch vertrauensvoll an die jeweiligen Studienberatungen wenden.