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Darum widmet Krankenpfleger Ole sein Leben anderen Menschen

Ole macht als Gesundheits- und Krankenpfleger einen extrem harten und verantwortungsvollen Job. Trotzdem möchte er nichts anderes tun, als Menschen zu helfen.

100 erste Tage im Job Krankenpfleger Pflege helfen

Die ersten 100 Tage im Job: Krankenpfleger Ole hat das Helfen zum Beruf gemacht. Foto: Ole

Ole ist 21 Jahre alt, kommt aus Bielefeld und lernt seit vier Jahren den Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers im dualen Studium. Seit Anfang März arbeitet er in einer Klinik und wird im September mit seinem Bachelor fertig. Auf der Station der Kardiologie lernt er, was es bedeutet, plötzlich Verantwortung für Menschenleben zu übernehmen und bei all dem Stress die eigene Gesundheit nicht zu vergessen. Im Interview erklärt er uns, warum er sich immer wieder für seinen Beruf entscheiden würde.

Hallo Ole, warum hast du dich für den Beruf des Krankenpflegers entschieden?

Ich wurde familiär etwas vorgeprägt. Mein Vater ist im Bereich der Psychiatrie ebenfalls als Gesundheits- und Krankenpfleger tätig. Meine Großmutter war Kinderkrankenschwester und meine Stiefmutter war Gesundheits- und Krankenpflegerin und ist jetzt Lehrkraft in einem Pflegeseminar. Mein Orientierungspraktikum habe ich auch in der Pflege gemacht, denn ich wollte schon immer etwas Soziales machen und das hat mir sehr gut gefallen. In Verbindung mit meinem Fachabitur habe ich ein Jahr in einem Verbundklinikum gearbeitet und das hat letztendlich den Ausschlag gegeben.

Dir hat es nicht gereicht, eine Ausbildung in der Pflege zu machen, sondern du hast dich für das duale Studium der Gesundheits- und Krankenpflege entschieden. Wieso war dir die Mischung aus Praxis und Theorie so wichtig?

Ich habe die Relevanz erkannt. Unser Fachbereich benötigt eine Professionalisierung, um die Patientenversorgung optimal ausgestalten zu können. Die Pflege wird im Gegensatz zur Medizin sehr unterschätzt und viele denken, wir arbeiten der Medizin nur zu, dabei sollen beide einander helfen. Viele Leute können nicht nachvollziehen, wofür Pflege auch ein Studium braucht. Dabei gibt es sehr viel Pflegewissen, das einfach einen schnelleren Zugang zur Praxis finden muss. Was die Pflege diagnostisch leisten kann, ist in den Köpfen der Menschen noch nicht angekommen, weil sie tatsächlich denken, dass wir die Patienten nur pflegen. Doch das ist in der Realität der kleinste Teil unserer Arbeit.

Seit März bist du fest angestellt. Was genau sind deine Aufgabenfelder?

Grob gesagt, managen wir den Alltag im Krankenhaus. Wenn ein Patient beispielsweise einen Herzinfarkt erlitten hat, kommt er auf unsere Station und muss ständig überwacht werden. Wir steuern dann zentral die Versorgung, kümmern uns um den Tagesablauf, stellen sicher, dass es ihm, soweit möglich, gut geht. Das nennt man Behandlungspflege, je nach Fall auch Post-OP-Pflege. Viele Patienten werden live überwacht, das heißt, wir haben mehrere Monitore, auf denen wir den Herzschlag überwachen können. Im Notfall werden wir alarmiert und leisten Hilfe.

Einen großen Teil nimmt auch die psychosoziale Betreuung ein. Patienten, die mit lebensbedrohlichen Ereignissen konfrontiert sind, fragen sich oft: Warum ich? Sie wissen nicht, was mit ihnen passiert, sind verunsichert und haben Angst. Gerade wenn ich Nachtwache habe, führe ich viele wichtige Gespräche mit Patienten.

Wir bilden auch die Schnittstelle zum Entlassungsmanagement, zu Pflegeinstituten, Heimen und Tagespflege. Das heißt, wir planen, wie die individuelle Pflege nach Verlassen des Krankenhauses aussehen kann. Kann sich der Patient selbst versorgen? Wie ist seine soziale Situation? Welche Risikofaktoren gibt es? Gerade in der Kardiologie ist Beratung ein Riesenthema: Man muss den Patienten Strategien mit auf den Weg geben, damit beispielsweise ein zweiter Herzinfarkt verhindert werden kann. 

Wie nimmst du deinen Beruf in der Pflege wahr? Ständig hört man von chronischer Unterbesetzung und Stress pur.

Es ist schon ein anstrengender Beruf. Man steht oft morgens um vier Uhr auf und fragt sich, wieso man das Ganze überhaupt macht. Die Arbeitsbedingungen sind durchaus herausfordernd. Heutzutage gibt es viele anspruchsvolle Patienten. Damit meine ich, dass es heute viel mehr hochbetagte Menschen gibt, die versorgt werden müssen, als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Sie sind nicht nur alt, sondern leiden oft auch an mehreren Erkrankungen. Da kann man dem ganzen Arbeitsaufwand gar nicht gerecht werden. Was uns fehlt, ist die Zeit. Gerade das Soziale kommt zu kurz: Viele Patienten haben einen großen Redebedarf, aber man hat keine Zeit, um sich mit ihnen zu unterhalten, sondern muss sie leider immerzu vertrösten.

Welche Schwierigkeiten sind dir als Berufsanfänger begegnet?

Der Sprung vom Auszubildenden zum examinierten Gesundheits- und Krankenpfleger war sehr hart. Während der Ausbildung hatte man noch einen gewissen Welpenschutz und musste natürlich keine Verantwortung tragen. Das hat sich von heute auf morgen geändert, und ich musste auf einmal versuchen, dem ganzen Workload gerecht zu werden. Es hieß recht schnell: „Mach mal, du warst doch als Schüler schon hier.“ Wenn ich zurückblicke, hätte ich mir eine etwas längere Einarbeitungsphase gewünscht. Denn ich musste mit vielen neuen Medizingeräten umgehen, EKGs schreiben und Monitore überwachen – da gibt es einfach viel, was man auf einmal noch lernen musste.

Während der Ausbildung hatte man noch einen gewissen Welpenschutz und musste natürlich keine Verantwortung tragen. Das hat sich von heute auf morgen geändert.

Ole

Aber versteht mich nicht falsch, ich habe ein tolles Team, das mir den Rücken freihält und dem ich jede Frage stellen kann. Das ist echt super. Was mir Kopfzerbrechen bereitet, ist, dass ich an mich selbst sehr hohe Ansprüche habe. Manche Kollegen sind schon sehr lang in dem Beruf und wissen intuitiv, was einem Patienten gerade fehlt. Dem möchte ich gerecht werden, doch mir fehlt einfach noch die Erfahrung und Routine.

TK TIPP: Man kann als Einsteiger*in nicht alles wissen

Obwohl er gerade erst in seinem Beruf angefangen hat, hat Ole extrem hohe Ansprüche an sich selbst. Dabei kommt die Erfahrung erst mit der Zeit. Der Diplom-Psychologe und Autor Hans-Georg Willmann versteht seine Motive: „Der Antrieb von Ole, alles möglichst perfekt machen zu wollen, ist verständlich. Immerhin geht es um Menschenleben. Umso wichtiger ist es, auf sich zu achten und sich immer wieder vor Augen zu führen, dass niemand als Meister seines Faches geboren wird. Der Weg dahin ist oftmals ein langwieriger und krisenhafter Prozess. Am Anfang handelt man zwar rational, aber wenig adaptiv und flexibel. Erst mit der Erfahrung kommt der routinierte, schnelle und angemessene Umgang mit auch schwierigen Situationen. Der Erfahrungsaustausch mit den Kolleginnen und Kollegen im Team und deren Feedback sind Gold wert, um schnell zu lernen und schnell eine Expertise zu entwickeln.“

Und wie begegnen dir die Patient*innen?

Das ist leider auch ein Problem: Viele Patienten begegnen mir anfangs mit Skepsis, weil ich noch sehr jung bin. Sie sehen mir an, dass ich ein Berufseinsteiger bin, auch wenn ich schon vier Jahre in dem Bereich tätig bin. Natürlich müssen die Patienten erst einmal Vertrauen aufbauen und ich kann diese Skepsis auch ein Stück weit verstehen. Aber es macht meinen Alltag nicht einfacher. Ich erkläre ihnen dann immer, dass ich diese oder jene Behandlung schon ganz oft gemacht habe und spreche mit ihnen die Schritte durch, die ich gleich ausführen werde. Das beschwichtigt sie und nimmt ihnen die Sorgen.

Gibt es etwas, was dich ganz besonders fordert?

Ja, am schwierigsten finde ich die psychosoziale Arbeit, also den Umgang mit Schicksalen. Einerseits müssen wir einfühlsam reagieren, wenn wir jemandem schlechte Nachrichten überbringen – das heißt wir fühlen mit den Patienten oder Angehörigen. Andererseits müssen wir die Schicksale auch hinterher selbst verarbeiten, wir sollten sie also eigentlich nicht so nah an uns ranlassen. Das ist für mich ein schwieriger Spagat. 

Gerade die Arbeit mit Angehörigen ist für mich immer sehr belastend. Wenn man Angehörigen erzählen muss, dass der Patient verstorben ist, oder dass das Kind oder die Eltern bis an ihr Lebensende mit massiven Einschränkungen werden leben müssen, das ist wirklich hart. 

Wie gehst du damit um?

Ja, wie gehe ich damit um? Ich bereite mich immer so gut es geht auf das Gespräch vor. Es gibt Formulierungen, die kommen seitens der Patienten und der Angehörigen sehr oft und da weiß man irgendwann, wie man darauf reagieren muss. Ich bin jetzt auch jemand, der seine Emotionen nicht wirklich versteckt. Natürlich kann man nicht vor den Patienten stehen und heulen, aber man flucht mit den Patienten. Und man spricht auch offen über die eigenen Gefühle, schließlich ist das auch für mich nicht leicht und ich kann mich gut in die Patienten hineinversetzen. Mir persönlich hilft es auch, das Ganze später mit dem Team, die den Patienten auch kennen bzw. kannten, zu reflektieren. 

TK TIPP: Du musst das nicht alleine schaffen!

Ole muss in seinem Job ständig Höchstleistungen erbringen. Da ist es kein Wunder, dass ihn der Stress auf Dauer belastet. Hans-Georg Willmann kennt die Risiken und weiß, was helfen kann: „Wer sich ständig im Defizit erlebt, wer ständig unter Zeitdruck arbeitet und das Gefühl hat, dass etwas zu kurz kommt, der ist in Gefahr, auszubrennen. Um sich davor zu schützen, hilft der Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen. In der Psychologie nennt man das kollegiale Intervision. Zusätzlich hilft auch Supervision, also die Reflexion besonders schwieriger Patientenverläufe und eigenen Defiziterlebens mit einem externen, neutralen Supervisor. Viele Kliniken haben das mittlerweile erkannt und deshalb das Angebot der externen Supervision eingeführt. Gerade Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger in Gesundheitsjobs sollten davon unbedingt Gebrauch machen – und nicht etwa denken, dass sie ’stark sein‘ und das alles alleine schaffen müssen.“

Nimmst du die Schicksale auch mit nach Hause?

Anfangs als Auszubildender war das wirklich eine große Schwierigkeit für mich, doch mit der Zeit lerne ich immer besser, das voneinander zu trennen. Die ersten Menschen, die verstorben sind, während ich Dienst hatte, sind mir noch sehr genau im Gedächtnis. Doch ich weiß nicht mehr, wie viele es danach waren. Dass ich mir nicht mehr alle Patienten merke, ist wohl ein gesunder Schutzmechanismus, den ich mir angewöhnt habe.

Welche positiven Erfahrungen hast du in den letzten Wochen gemacht?

Sehr positiv finde ich, dass ich jeden Tag etwas dazulerne. Ich profitiere jeden Tag weiter von meinen neuen Erfahrungen und werde immer sicherer im Tagesablauf, der Routine und den Strukturen im Krankenhaus. So komisch das klingt, auch der Umgang mit Notfallsituationen bringt mir viel: Hinterher reflektiert man immer, macht sich Gedanken, was man beim nächsten Mal noch anders und besser machen kann. Auch mit meinen Kollegen spreche ich sehr viel und hole mir bewusst Feedback ein. Von der konstruktiven Kritik aus dem Team profitiere ich sehr, zumal meine Kollegen fachlich auch wirklich sehr gut sind!

Spürst du körperliche Auswirkungen des Jobs?

Der Beruf ist natürlich körperlich anstrengend. Wir sind den ganzen Tag auf den Beinen, da kommen viele Kilometer zusammen. Mein Problem ist der Rücken, und der Schichtdienst kann sehr belastend sein. In den Wochen, in denen ich Nacht- oder Frühschichten habe, neige ich dazu, mich ungesund zu ernähren und zu wenig zu schlafen. Während der Prüfungsphasen spüre ich die Mehrbelastung ganz deutlich. Dann fühle ich mich ausgebrannt und oft auch müde.

Ein weiteres – vielleicht banales – Problem ist der ständige Kontakt mit hautreizenden Stoffen. Dadurch, dass wir die Hygienevorschriften einhalten müssen, wäscht man sich etwa hundertmal am Tag die Hände mit Desinfektionsmitteln. Das ist auch etwas, auf das ich sehr empfindlich reagiere. Um die Haut bei der Regeneration zu unterstützen, gibt es im Krankenhaus für Mitarbeiter den sogenannten Hautschutzplan. Den müssen wir strikt einhalten und eine gesunde Hautpflege zu Hause fortführen.

Hast du weitere Strategien, um dich vor diesen Auswirkungen zu schützen?

Ich schaue darauf, bei der Arbeit den Rücken und die Knie nicht zu sehr zu belasten. Außerdem nehme ich regelmäßig beim Rückensport teil und bewege mich in der Freizeit viel. Zudem gibt es Schulungen, die uns beibringen, wie wir die Patienten gut mobilisieren können und gleichzeitig auf uns selbst Rücksicht nehmen. Privat muss ich mich dazu bringen, ausreichend zu schlafen – also wenn es geht, eher ins Bett zu gehen oder auch mal Mittagsschlaf zu machen. Außerdem achte ich auf eine gesunde Ernährung, zu Nachtschichten möchte ich mir etwa leichtere Kost mitnehmen. Außerdem finde ich bei meinen Kollegen sehr viel Unterstützung und habe tolle Freunde sowie meine Familie, bei denen ich Lasten abladen kann.

TK TIPP: So schützt du deinen Körper

Die harte Arbeit auf Station zieht Oles Körper in Mitleidenschaft. Die Diplom-Pädagogin Karolin Sommer-Baum rät zu einem bewussten Umgang mit den eigenen Ressourcen. „Es ist zwar schwierig, immer einen achtsamen Umgang mit dem Körper aufrechtzuerhalten, doch eine aktive Grenzziehung ist wichtig. Wann mute ich mir zu viel zu? Wie viel kann ich aushalten? Überlastung zeigt sich, wenn erste gesundheitliche Beschwerden auftreten. Hier sollte man ganz genau auf den eigenen Körper hören und Warnsignale ernst nehmen. Yoga-Übungen, Meditation und Achtsamkeitstraining können helfen, den eigenen Körper kennenzulernen und Überlastungen zu erspüren. Sie bieten zudem einen Ausgleich zum anstrengenden Berufsalltag und unterstützen die körperliche und mentale Balance.“

Was macht für dich deinen Beruf aus?

Viele verkennen, wie schön der Beruf sein kann. Wenn Patienten sich bedanken, wir gemeinsam lachen, uns Unsinn erzählen – das ist unglaublich viel wert und das weiß man sehr zu schätzen. Wenn man in der Pflege ist, setzt man sich, glaube ich, sein Leben lang damit auseinander, dass man mit der Ausbildungszeit einen Job hätte abgreifen können, der weniger stressig ist und der viel mehr Geld einbringt. Da muss man eben wissen, was einem wichtiger ist. Für mich war es nicht das Gehalt.

Wenn Patienten sich bedanken, wir gemeinsam lachen, uns Unsinn erzählen – das ist unglaublich viel wert und das weiß man sehr zu schätzen.

Ole

Was gibt dir der Beruf des Krankenpflegers zurück?

Die schönsten Momente sind die, in denen ich  sehe, welche Früchte die Arbeit trägt. Wenn man schwerstkranke Patienten so gut aufpäppelt, dass sie wieder ins häusliche Umfeld zurückkehren und weiterleben können. Wir können direkt am Menschen etwas verändern und bewirken. Ich freue mich eigentlich immer, wenn wir einen Patienten entlassen und ihn dann nicht wiedersehen.

Das Größte ist aber für mich, dass ich so der Welt etwas zurückgeben kann. Auch wenn das vielleicht nur ein kleiner Beitrag ist. Das mag jetzt kitschig klingen, aber man erkennt, wie dankbar man für sein gutes Leben sein kann. Irgendwann möchte ich als Pflegekraft zu Ärzte ohne Grenzen gehen und so Menschen helfen, die es noch schlechter getroffen haben. Das ist mein Traum.

Die Techniker Krankenkasse und ze.tt stellen euch an dieser Stelle in den nächsten Wochen zehn Protagonist*innen vor, die ihren ersten Job nach der Uni angefangen und ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Wir begleiten sie bei ihren ersten 100 Tagen im Job und finden heraus, wie das so für sie war, plötzlich im Arbeitsleben zu stecken. Auf der deutschlandweiten Veranstaltungsreihe „Die ersten 100 Tage im Job“ könnt ihr unsere Protagonist*innen auch persönlich treffen. Termine und Anmeldung unter www.zeit.de/100tage. Wollt ihr mehr zur Aktion erfahren? Dann schaut hier rein!