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„Ich finde es wichtig, dass man Fehler ausbessert und sich und andere nicht hängen lässt.“

Holger ist Bauingenieur. In seinem ersten Job nach der Universität arbeitet er als Bauleiter auf einer Baustelle Berlin. In seinen ersten 66 Tagen im Job hat er eine ganze Menge gelernt – auch wie man mit Fehlern umgeht.

Holger-Voland

Holger Voland ist Bauleiter und berichtet im zweiten Teil unserer Reihe über seine Fortschritte auf der "Baustelle Karriere". Foto: Holger Voland

Holger ist 28 Jahre alt und arbeitet seit 66 Tagen als Bauleiter. An dieser Stelle hat er schon einmal von seinem Berufseinstieg berichtet. Doch damals ging es noch darum, wie er an seine Stelle im Bereich Fassade bei Züblin gekommen ist, ob ihn die Uni auf diesen Beruf wirklich vorbereitet hat und welche Sorgen und Ängste Holger am Anfang umtrieben. Heute, nach 66 Tagen, schauen wir noch einmal rein und wollen wissen, wie es ihm in der Arbeit geht.

Holger, wie ist es dir in den letzten Wochen in deiner Arbeit ergangen?

Super. Ich liebe meine Arbeit. Ich habe auf jeden Fall den richtigen Job ergriffen. Und das ist auch etwas, was mir liegt, die Baustelle. Ich will sehen, was ich mache. Ich will den Fortschritt mitbekommen. Und ich will sehen, wie das klappt, was ich koordiniert habe. Das ist mir lieber als ein geregelter 40-Stunden-Job in einem Büro.

Du schaust dir also gern den Fortschritt an?

Ich empfinde eine wirklich große berufliche Bestätigung in dem Job, den ich mache. Man plant beispielsweise vorab, dass ein bestimmter Nachunternehmer in einer bestimmten Woche kommen soll, um diesen oder jenen Arbeitsschritt auszuführen. Das ist dann ein Plan, der eine lange Zeit im Voraus stehen muss. Das heißt, man muss sicher sein, dass alle anderen Gewerke dann schon mit ihren Arbeiten fertig sind, sodass die Handwerker freie Bahn haben und sich nicht gegenseitig behindern.

Ich will sehen, was ich mache. Ich will den Fortschritt mitbekommen.

Wenn dann Wochen nachdem man den Plan freigegeben hat, die Unternehmen wirklich auf die Baustelle kommen mit ihren Materialien und dann alles so ausführen, wie du es koordiniert hast, also wenn dann wirklich alles klappt, das ist so ein gutes Gefühl!

Klappt denn immer alles?

Na, nicht immer. Oft kommen spontane Anfragen von den verschiedenen Gewerken an mich, und ich versuche dann die Probleme schnell zu lösen. Es kann sein, man stellt fest: Oh nein, jetzt kommt noch ein Mensch von der Gebäudeautomation und der braucht noch ein Kabel durch deine Fassade, sonst kann der nicht weiter. Dann müssen alle Prozesse wieder schnell ineinandergreifen. Und man musst das schnell koordinieren: Du machst dies, du machst das, das da muss abgedichtet werden und die Kosten dafür trägt der und der. Das ist dann schon auch aufregend!

Als Anfänger*in macht man ja auch häufiger mal Fehler. Wie wird in der Arbeit damit umgegangen?

Auf der Baustelle wird schon ein gewisses Grundlagenwissen vorausgesetzt. Aber bei Fehlentscheidungen reißt dir keiner den Kopf ab, vor allem dann nicht, wenn es offensichtlich ist, dass du dir die richtigen Gedanken gemacht hast. Manchmal arbeitet man aufgrund von Wissen, das einem so vorgegeben wurde oder man führt Arbeiten einfach weiter, die man von jemand anderem so übernommen hat. Und dann stellt heraus, dass das vielleicht vollkommener Quatsch war. Manchmal müssen auch adhoc Sachen entschieden werden. Auch da können Fehler passieren. Und manche Fehler kosten auch Geld.

[Außerdem bei ze.tt: Mini, Junior Account Managerin aus Berlin: „Es beruhigt mich, dass das, was ich mache, nicht in Stein gemeißelt ist.“]

Die Fehlerkultur ist ja in jedem Unternehmen unterschiedlich. Bei uns im Team werden Fehler immer sehr rational betrachtet. Dann wird gefragt: Was war die Grundlage für eine Entscheidung? Hat er fahrlässig gehandelt? Oder hat er abgewogen, was richtiger ist, das war aber in dem Fall halt einfach aufgrund der Umstände vielleicht doch die falsche Entscheidung?

Ich persönlich finde es wichtig, dass man den Fehler ausbessert und sich nicht hängen lässt.

Aber Fehler passieren halt. Ich persönlich finde es wichtig, dass es nach dem Fehler weitergeht, dass man den Fehler ausbessert und sich nicht hängen lässt. Und vor allem, dass man denjenigen nicht hängen lässt, dem man die Fehlentscheidung zugearbeitet hat. Und dafür ist das auch ein Lernprozess. Dafür bist du ja neu.

Treibt es dich denn persönlich um, wenn du Fehler gemacht hast?

Ich hinterfrage meine Fehler, ja. Aber ich bin dabei eher rational. So wie ich die Entscheidung ehemals getroffen habe, frage ich mich dann wieder: Wieso habe ich die Entscheidung genau so getroffen? Was war maßgeblich für meinen Entschluss? Hätte ich das anders betrachten müssen. Also ich mache da eine gewisse Nachbereitung, um Fehler in Zukunft zu vermeiden.

[Außerdem bei ze.tt: Holger, Bauingenieur aus Leipzig: „Mit meinem Praktikum habe ich mir meine eigene Einstiegsstufe gemauert.“]

Ich finde, gerade die negativen Erfahrungen sind die, aus denen man lernt. Positive hakt man meist einfach ab. Wenn etwas klappt, dann geht man ja nicht noch einmal zurück und fragt sich, warum habe ich das so und so gemacht. Aber bei Fehlentscheidungen macht man das schon und darum lernt man aus ihnen auch am ehesten. Das ist auch ein Lebensprozess.

Als wir das letzte Mal sprachen, kanntest du deine Kolleg*innen noch gar nicht alle. Hast du denn inzwischen alle kennengelernt?

Als ich ankam, kannte ich von den 50 Projektbeteiligten von Züblin nur zwei. Die Restlichen musste ich erst einmal kennenlernen. Das fand ich schon ein bisschen nervenaufreibend, ehrlich gesagt. Und natürlich auch die ganzen Ansprechpartner und Handwerker der anderen Gewerke, mit denen wir zusammenarbeiten.

Auch wenn der Ton auf der Baustelle etwas rauer sein kann, ist es nie böse gemeint.

Um ehrlich zu sein, bin ich damit immer noch beschäftigt, denn es reicht ja nicht, den Namen und das Gesicht zu kennen. Man muss auch erst einmal an die herankommen, herausfinden, mit wem man wie sprechen kann und wer wie tickt. Das sind ganz unterschiedliche Charaktere auf so einer Baustelle, die auch ganz unterschiedlich in Stresssituationen reagieren.

Meinst du damit, dass der Ton auch mal etwas rauer werden kann?

Ja, schon. Das Wichtige ist aber, auf der Baustelle nie etwas persönlich zu nehmen, auch wenn der Ton auf der Baustelle etwas rauer sein kann. Es sind eben ganz unterschiedliche Charaktere da. Viele sind schon lange dabei, manche haben ihre eigene Art und lassen dich spüren, dass du neu bist. Zum Glück kannte ich das schon von meinem Praktikum. Aber man muss sich halt immer wieder ein bisschen daran gewöhnen, wie man damit umzugehen hat.

Hast du denn außerdem schon etwas gelernt?

Ja, mein Vorgesetzter hat zu mir gesagt: „Nimm dir eine Sache vor, die du am Tag schaffen willst und nicht mehr. Du kommst eh nicht dazu.“ Und genau so ist es. Eigentlich kommen über den ganzen Tag verteilt immer ganz viele Anfragen rein, um die man sich dann sofort kümmern muss. Man muss oft schnell Entscheidungen treffen oder Konflikte lösen. Man wird also oft in seiner Arbeit unterbrochen. Wenn man sich zu viel vornimmt, ist man am Ende nur enttäuscht.

Die Techniker Krankenkasse und ze.tt stellen euch an dieser Stelle in den nächsten Wochen drei Protagonist*innen vor, die ihren ersten Job nach der Uni angefangen und ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Wir begleiten Lisa, Holger und Mini bei ihren ersten 100 Tagen im Job. Die drei berichten auch persönlich über ihre Erfahrungen in der deutschlandweiten Veranstaltungsreihe „Die ersten 100 Tage im Job“.  Termine und Anmeldung unter www.zeit.de/100tage. Wollt ihr mehr zur Aktion erfahren? Dann schaut hier rein!