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So hat Svenja ihr Hobby zum Beruf gemacht

Von der Groß- in die Kleinstadt. Für ihren Wunschjob ist Svenja von Köln nach Greifswald gezogen. Als Grafikerin macht sie dort genau das, was sie am meisten liebt. Wie ist es, das Hobby zum Beruf zu machen und dafür auch Kompromisse in Kauf zu nehmen?

TK Die ersten 100 Tage im Job

Für ihren Traumjob ist Svenja von der Groß- in die Kleinstadt gezogen und hat es nicht bereut. Foto: Svenja Teitge

Schon als Kind wusste Svenja genau, was sie will: kreativ arbeiten. Um ihr Ziel zu erreichen, und ihr Hobby zum Beruf zu machen, hat sie in Potsdam Kommunikationsdesign studiert. Schließlich hat sie in Köln gelebt, um dort in einer Werbeagentur als freiberufliche Grafikerin zu arbeiten. In dieser Zeit wurde ihr klar, dass eine Marketingagentur nicht das richtige Arbeitsumfeld für sie ist und fand schließlich bei einem Magazin ihren Traumjob.

Nun ist sie für ihren ersten Job als Grafikerin bei einem Magazin nach Greifswald gezogen – eine große Umstellung. Wie ist es, aus der Großstadt in eine Kleinstadt zu gehen, in der man niemanden kennt und sich dort auf eine völlig neue Umgebung einzulassen? Im Interview erzählt uns Svenja, wie sie neue Herausforderungen gemeistert hat und gibt Tipps, wie man herausfindet, was man wirklich will.

ze.tt: Hallo Svenja. Wo arbeitest du jetzt und wie lange hast du nach diesem Job gesucht?

Svenja: Ich bin im Sommer 2018 mit dem Studium fertig geworden und habe im September angefangen, nach einem Job zu suchen. Nebenbei habe ich schon als Freelancerin in Köln gearbeitet. Seit Januar arbeite ich jetzt als Grafikerin beim Katapult Magazin in Greifswald. 

Was macht das Katapult Magazin?

Das Magazin beschäftigt sich mit Politik-und Sozialwissenschaften sowie Kartografik. Wir greifen Studien aus den entsprechenden Themenbereichen auf und setzen sie in Karten- und Infografiken um. So bereiten wir die wichtigen Inhalte populärwissenschaftlich auf und bringen sie einer größeren Menge an Leuten nahe, die sich sonst vielleicht nicht mit den Themen beschäftigt hätten.

Wie kamst du auf den Job?

Ich kannte das Magazin von einer Freundin und bin vorher schon im Studium und im Praktikum für Magazine tätig gewesen. Der klassische Weg für Designer führt oftmals in eine Agentur. Doch ich wollte gerne weiterhin für ein Magazin arbeiten, weil ich mich dort stärker mit Inhalten beschäftigen kann als ich es in einer Marketingagentur könnte.

Bei einer Agentur ist man viel mehr in der Dienstleisterrolle und arbeitet für Kunden, die man vielleicht auch mal nicht so toll findet. Beim Katapult produzieren wir unser eigenes Produkt und stehen hinter den Inhalten, die dort entstehen. Man begleitet das Projekt über eine lange Zeit und beobachtet jede Weiterentwicklung. Aufträge in Agenturen sind ja auch irgendwann mal abgeschlossen und werden dann ad acta gelegt.

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Arbeitsleben aus?

Da muss man unterscheiden zwischen unseren Produktionsphasen und unseren Nicht-Produktionsphasen. An einem typischen Tag in der Produktionsphase erstelle ich Grafiken zu Print-Artikeln, die geschrieben wurden. Ein Tag, der nicht in der Produktionsphase liegt, ist etwas freier gestaltet. Oft bereiten wir dann Social-Media-Posts und Online-Artikel zu aktuellen Themen vor. Ich kann aber auch freie Projekte starten. Vor kurzem wurden beispielsweise ein Kartenspiel und ein Buch herausgebracht. In Zukunft wollen wir mehr solcher Produkte produzieren, woran gerade auch kräftig gearbeitet wird.

Wie hast du deinen Job-Einstieg erlebt?

Der Job war mit einem riesigen Umzug verbunden. Ich bin acht Autostunden weiter nach Greifwald gezogen. Das ist keine Stadt, mit der ich zuvor etwas verbunden hätte. Ein bisschen Angst hatte ich, weil ich dort weder Familie noch Freunde hatte. Und traurig war ich, dass ich meine Mitbewohnerin in Köln zurücklassen musste. Da ich aber bereits eine tolle WG in Greifswald gefunden hatte, habe ich mich auch auf die neuen Mitbewohner gefreut und wusste, dass ich hier erstmal nicht allein sein würde. In meinem Leben bin ich schon oft umgezogen und weiß daher, dass ich immer wieder zurückkommen kann. Außerdem hatte ich gar nicht so viel Zeit zum Nachdenken. Ich bin nach Weihnachten mit allem Nötigen umgezogen und am 02. Januar ging es schon los.

Gab es etwas, was dich überrascht hat?

Beim Magazin zu arbeiten ist für mich an sich nicht neu, denn ich hatte zuvor einige Freelance-Jobs in dem Bereich gemacht. Und auch in meinem Studium, das sehr praktisch orientiert war, habe ich gelernt, wie man Dinge konzeptionell angeht. Mit dem Bereich Magazingestaltung war ich also schon vertraut und habe mich dadurch ganz gut vorbereitet gefühlt.

Aber was beim Katapult-Magazin dazugekommen ist, ist meine redaktionelle Tätigkeit. Da wir ein relativ neues und kleines Team sind, ist mein Aufgabenbereich etwas weiter gefächert. Die Idee dahinter ist, dass jeder, der bei Katapult arbeitet, etwas Neues dazulernt. Für mich heißt das, dass ich in der Produktionsphase nicht nur gestalte, sondern auch redaktionell arbeite.

Das professionelle Schreiben war für mich völlig neu, weil es im Design-Studium überhaupt nicht stattfindet. Anfangs hat mir das auch Probleme bereitet, weil ich dachte, dass ich das überhaupt nicht könnte. Für mich war die Auseinandersetzung mit einem neuen Feld, das in meinem Studium keine Rolle gespielt hat, das größte Hindernis.

Wieso hast du gedacht, dass du das nicht kannst? Und wie lief’s dann?

Im Studium habe ich gar nicht geschrieben. Das höchste der Gefühle war, ab und an Designkonzepte zu verfassen. Bereits beim Schreiben der Bachelor-Arbeit habe ich gemerkt, dass mir das sehr schwerfällt und ich es einfach nicht als mein größtes Talent sehe und somit hatte ich wirklich ein paar Bedenken. Ich habe bei den anderen Redakteuren erfragt, wie lange sie für ihre Artikel brauchen und mir dann die doppelte Zeit eingeplant. Häppchenweise habe ich immer mal daran geschrieben und ein paar Leute drüber schauen lassen. Am Tag der Abgabe war ich schon etwas nervös, aber meine Kollegen waren super nett und ich bin nicht in Kritik erstickt. Letztendlich lief alles besser als gedacht und entstanden ist ein Artikel über Intersexualität. Da ich mal drei Semester lang Gender Studies studiert habe, lag mir so ein Thema am nächsten. Außerdem ist der Bereich im Heft ein wenig unterrepräsentiert gewesen und ich finde es unheimlich wichtig, darüber zu berichten.

TK-TIPP: So meisterst du neue Herausforderungen

Svenja weiß genau was sie kann: Design. Doch im Berufsleben lauern völlig neue Aufgabenbereiche. Diplom-Psychologe und Coach Hans-Georg Willmann rät, sich diesen zu stellen: „Neue Herausforderungen meistern heißt: Raus aus der Komfortzone, dahin, wo man sich noch nicht so auskennt. Das muss man sich erst einmal trauen. Wer den ersten Schritt macht und sich dabei überlegt, welche anderen Herausforderungen er schon in seinem Leben gemeistert hat, wird an den neuen Aufgaben wachsen, dazulernen und sich weiterentwickeln können. Wichtig ist, sich klarzumachen, dass man nicht von Anfang an perfekt sein kann und dass man auch nicht alles alleine machen muss. Svenja hat sich an den Kollegen orientiert und sich Feedback geholt. Das ist ein sehr hilfreiches Vorgehen, um neue Aufgaben zu meistern.“

Wie hast du ins Team gefunden?

Das ging relativ gut, weil wir alle noch relativ jung und ungefähr in einem Alter sind. Die Atmosphäre ist sehr freundschaftlich und entspannt. Das ist für mich eigentlich das Schönste an dem Job, dass man mit allen gut klarkommt, was ja nicht immer die Regel in Unternehmen ist.

Wie hast du das angestellt?

Wie im Rest des Lebens auch, wenn man auf neue Leute zugeht, klappt das eben oder das klappt nicht. Natürlich ist man am Anfang etwas schüchtern. Es hilft auch, dass wir alle in einem Büro sitzen, wir gehen mittags immer zusammen immer essen und auch privat mache ich was mit meinen Kollegen. Dadurch, dass ich hier niemanden kannte, waren sie sowieso meine erste Anlaufstelle.

TK TIPP: So kommst du im Team an

Im Job kommt es nicht nur auf die Tätigkeit an, sondern auch die Menschen, die uns umgeben. Gerade als Jobanfänger*in kann das zu einer Herausforderung werden. Coachin Doris Brenner rät zu einem offenen Umgang: „Das Wichtigste ist sicherlich Offenheit zu zeigen und die Bereitschaft, sich auf neue Menschen einzulassen. Die gemeinsamen fachlichen Themen sind eine erste Basis. Wenn dann noch private Interessen dazu kommen, die passen,  kann das Gefühl der Gemeinschaft recht schnell entstehen. Besonders wenn man durch einen Umzug geradezu gezwungen ist, sich ein neues soziales Umfeld zu schaffen, ist ein nettes Kollegenteam ein guter Startpunkt.

Wie war es denn allgemein für dich, in eine Stadt zu ziehen, in der du niemanden kanntest?

Die größte Sorge war, dass ich hier keinen Anschluss finden und mich deswegen nicht wohlfühlen würde. Natürlich war der Umzug in die Kleinstadt auch eine Umgewöhnung. Ich war in Potsdam, dann in Köln und bin dann in eine 60.000-Einwohner Stadt gezogen, die zudem sehr weit weg von allem liegt was ich kenne. Also weit weg von meiner Heimat und auch von meinen Freunden. Aber ich bin da relativ unkompliziert und war noch nie fest an einen Ort gebunden. Ich bin schon sehr oft umgezogen und komme damit ganz gut klar.

Ich habe gemerkt, dass ich vielleicht doch nicht so ein Großstadtmensch bin, wie ich bisher dachte.

Du hast im Job schnell Freund*innen gefunden. Wie hast du das außerhalb von der Arbeit gemacht?

Ich bin in eine WG mit insgesamt vier Leuten gezogen, sodass ich immer Trubel um mich herum habe. Ich wollte so der Einsamkeit vorbeugen und das hat auch geklappt. Dennoch bin ich an den Wochenenden oft in Potsdam und Berlin, weil ich da meinen großen Freundeskreis habe. Ich fühle mich zwar wohl, aber so richtig angekommen bin ich noch nicht, weil ich meine Freunde aus dem Studium nun nicht mehr jeden Tag um mich habe.

TK TIPP: So kommst du in einer neuen Stadt an

Wenn nicht nur der erste Job zur Herausforderung wird, sondern man gleichzeitig in einer neuen Stadt ankommen muss, türmen sich die Aufgaben. Hans-Georg Willmann kann da Entwarnung geben: „Es dauert immer ein bisschen, bis man irgendwo angekommen ist. Also bloß nicht selbst unter Zeitdruck setzen. Man sollte in der Freizeit aktiv sein und sich die Zeit nehmen, um zum Beispiel in einem Verein oder der Gemeinde tätig zu werden oder durch den Besuch von Veranstaltungen neue Leute und die Stadt kennenzulernen. Ob das der wöchentliche Lauftreff, dir Wandergruppe, ein Kochkurs oder der Besuch von Lesungen ist – wichtig sind zwei Dinge. Erstens: Raus aus dem Haus, auch wenn es manchmal schwerfällt. Und zweitens: Etwas machen, das wirklich Spaß macht.

Würdest du dir wünschen, wieder in einer größeren Stadt zu leben?

Nein, denn ich habe gemerkt, dass mir die Kleinstadt sehr guttut und ich vielleicht doch nicht so ein Großstadtmensch bin, wie ich bisher dachte. Ich kann mir vorstellen, hier länger zu bleiben, weil ich mehr Zeit für mich habe und nicht so abgelenkt bin. Als ich in Berlin beziehungsweise Potsdam und Köln gelebt habe, habe ich das kulturelle Angebot genutzt. Das gestaltet sich hier ein wenig schwieriger, weil das Angebot einfach begrenzter ist, aber natürlich kann man hier andere schöne Sachen machen. Die Freizeitmöglichkeiten verlagern sich einfach ein bisschen.

Lässt dein Job dir dafür viel Freiraum?

Es gibt Phasen in denen es stressig wird und andere in denen ein guter Ausgleich stattfindet. In der Produktionsphase bin ich durchaus länger im Büro.

Wie äußern sich diese stressigen Phasen bei dir und wie findest du Ausgleich?

Bei mir persönlich steigt der Cola-Konsum und auch meine restliche Ernährung ist für den Zeitraum nicht gerade die beste. Dennoch weiß man ja, dass man das für ein tolles Endprodukt macht. Ausgleich finde ich, wenn ich Dinge wirklich nur für mich mache: Das sind meistens auch gestalterische Sachen, aber dann für mein persönliches Portfolio. Außerdem habe ich wieder mit dem Fotografieren angefangen. Im Designstudium wurde man schon darauf vorbereitet, dass man auch nach Feierabend nicht wirklich frei hat, weil man seine Umwelt ohnehin mit anderen Augen wahrnimmt und eine Leidenschaft privat auch nicht wirklich ablegen kann. Das gilt natürlich nicht nur für Designer, sondern auch für alle Berufstätigen, die ihre Sache mit viel Idealismus und Freude betreiben.

TK-TIPP: So findest du Ausgleich vom Job

Svenja hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und beschäftigt sich im Job als auch zum Ausgleich mit Design. Coach und Psychologe Hans-Georg Willmann sieht das kritisch: „Gerade wenn man einen anspruchsvollen Job hat, dessen Grenzen mit den persönlichen Interessen verschwimmen, ist es wichtig, bewusst darauf zu achten, in der Freizeit auch mal etwas ganz anderes zu machen. Bäume pflanzen im Aufforstungsprojekt der Gemeinde oder mitmachen bei einer Strandsäuberungsaktion zum Beispiel. Dadurch kann man besser abschalten und kommt außerdem auch wieder auf neue Gedanken und Ideen.“

Also ist es der Sinn der Arbeit, der dich motiviert?

Auf jeden Fall. Wenn ich jetzt in einer Werbeagentur arbeiten würde, dann wäre ich sicher nicht so motiviert, wie ich es hier bin. Auch wenn es anstrengend ist, gehe ich total gerne zur Arbeit. Ich lerne hier sehr viel, unter anderem auch, weil ich mit Leuten zusammenarbeite, die einen ganz anderen wissenschaftlichen Background haben als ich.

Mir hilft es, mich zu fragen, was ich machen würde, wenn ich finanziell komplett unabhängig wäre

Wie hast du eine Tätigkeit gefunden, die du so sehr liebst?

Bei mir hat sich das schon in der Kindheit angebahnt. Durch meine Mutter, die Kunst studiert hat, bin ich stark geprägt worden. Auch in der Schule hat sich das mit der Möglichkeit fortgesetzt, Kunst überhaupt auf einem gewöhnlichen Gymnasium als Leistungsfach belegen zu können. Mir hilft es, mich zu fragen, was ich machen würde, wenn ich finanziell komplett unabhängig wäre und eigentlich gar nicht mehr arbeiten müsste. Die Antwort darauf ist dann genau die richtige Beschäftigung für dich. Bei mir ist so das Hobby zum Beruf geworden. Manchmal ist die Vermischung von Hobby und Beruf schwierig, meistens aber sehr erfüllend und ich bin dankbar dafür, dass ich beruflich gestalten darf.

TK TIPP: So findest du sinnstiftende Arbeit

Nicht jede*r findet, so wie Svenja, im Hobby ebenso den Traumjob. Coachin Doris Brenner erklärt, dass es auf der Jobsuche darauf ankommt, sich auf sich selbst zu besinnen: „Was als sinnstiftende Arbeit empfunden wird, kann für jeden Menschen sehr unterschiedlich sein. Wichtig ist, auf die eigenen Werte und Interessen zu achten. Svenjas Frage, was sie denn tun würde, wenn sie finanziell unabhängig wäre, ist ein guter Ansatzpunkt. Arbeit soll Freude machen und ein Gefühl der Zufriedenheit verschaffen.“

 

Die Techniker Krankenkasse und ze.tt stellen euch an dieser Stelle in den nächsten Wochen zehn Protagonist*innen vor, die ihren ersten Job nach der Uni angefangen und ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Wir begleiten sie bei ihren ersten 100 Tagen im Job und finden heraus, wie das so für sie war, plötzlich im Arbeitsleben zu stecken. Auf der deutschlandweiten Veranstaltungsreihe Die ersten 100 Tage im Job könnt ihr unsere Protagonist*innen auch persönlich treffen. Termine und Anmeldung unter www.zeit.de/100tage. Wollt ihr mehr zur Aktion erfahren? Dann schaut hier rein!