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Unser Bildungssystem ist ungerecht. So ändern wir es

Wer studieren will, braucht auch Zugang zu finanziellen, sozialen, emotionalen und gesellschaftlichen Ressourcen. Doch die sind in Deutschland nicht gerecht verteilt. Was müssen Hochschulen anders machen, um alle Menschen mitzunehmen?

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Bildungsgerechtigkeit: Wir brauchen Hochschulen, an denen alle die besten Voraussetzungen haben. Foto: Andres rfstudio / Pexels | CC0

Wenn Reinhilde Tutu, Mentorin an der Hochschule Ruhr West, ihr E-Mail-Postfach öffnet, kann sie die Anfragen häufig in zwei Kategorien einteilen: „Da gibt es die Studierenden, die sehr spezifisch nachfragen oder eigentlich bereits die Antwort kennen und sie nur bestätigt haben wollen. Und dann gibt es diejenigen, die komplett orientierungslos sind.“ Reinhilde, die sich selbst Hilda nennt, überrascht das nicht. Denn häufig sind die Studierenden, die sich aufgeschmissen fühlen, Erstakademiker*innen.

In Deutschland entscheidet immer noch die kulturelle und soziale Herkunft erst über den Studienzugang und dann über den Studienerfolg, das zeigen auch die Ergebnisse einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) : 79 von 100 Kindern aus Akademiker*innenfamilien studieren, 63 von ihnen absolvieren erfolgreich den Bachelor. Von 100 Kindern, deren Familien keine Hochschulerfahrungen haben, studieren nur 27. Von ihnen schließen 15 Studierende den Bachelor ab. Ungerechtigkeit wirkt ganz unterschiedlich und muss sich dabei nicht einmal ähneln. Du spürst sie beispielsweise, wenn du als Nichtakademiker*in viele Fragen hast, die passenden Anlaufstellen nicht kennst. Wenn du als Mensch mit Migrationsgeschichte gerne studieren möchtest, aber dich sprachlich nicht sicher genug fühlst und es deswegen gar nicht erst versuchst. Wenn du als Frau oder Mann das Gefühl hast, in einer bestimmten Studienrichtung aufgrund deines Geschlechts belächelt zu werden. Dann wird sichtbar, wie dringend wir ein Hochschulsystem brauchen, das fair und inklusiv ist, das Hürden abbaut, auch traditionell marginalisierte Gruppen mitdenkt und allen Studienbeginner*innen hilft, die eigenen Fähigkeiten zu erkennen und über sich hinauszuwachsen.

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Hilda Tutu unterstützt Studierende an der HRW als Mentorin. Foto: HRW

Diese Maßnahmen bringen mehr Gerechtigkeit an Hochschulen

Melina Müther hat als Frau in einem vermeintlichen „Männerberuf“ viele dumme Sprüche gehört und hat diese Diskriminierung satt: „Als Chemikantin arbeitete ich in einer sehr männerlastigen Domäne. Es hat mich schockiert, dass ich als Frau ständig um Anerkennung kämpfen musste. Und ich wusste, dass sich daran mit dem Beginn meines Maschinenbaustudiums nichts ändern würde.“ Um ihr volles Potenzial ausschöpfen zu können, hat sich Melina darum bewusst für einen Frauenstudiengang entschieden: Vier Semester lang studieren die Studentinnen des Maschinenbaustudiums an der Hochschule Ruhr West (HRW) unter sich, erst danach werden sie mit dem gemischten Studiengang Maschinenbau zusammengelegt. So will die  Hochschule mehr Frauen für MINT-Berufe begeistern, ihr Selbstvertrauen stärken und ihnen den Einstieg in technische Berufsfelder erleichtern. Denn auch 2019 waren nur knapp 15 Prozent der Beschäftigten in MINT-Berufen in Deutschland weiblich – das geht aus dem MINT-Frühjahrsreport 2020 hervor.

Der Sonderstatus Frau ist meiner Meinung nach völliger Blödsinn. Wo ein neues Projekt entsteht, gibt es immer kritische Stimmen.

Melina Müther, Studentin im Frauenstudiengang Maschinenbau an der Hochschule Ruhr West

Für Melina geht es dabei vor allem um eine positive Lernumgebung, die es ihr und den Kommilitoninnen ermöglicht, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. „Viele Frauen trauen sich ein technisches Studium nicht zu. Oft sind sie von männlichen Kommilitonen eingeschüchtert. Die HRW bemüht sich dahingehend, Frauen mehr Selbstvertrauen zu geben. So wissen sie nach einigen Semestern ganz selbstbewusst, was sie können“, erklärt Melina.

Keine Sonderbehandlung, sondern bewusster Verzicht auf doofe Sprüche

Aber manifestiert man dabei nicht das Bild, dass Frauen eine Sonderbehandlung brauchen? „Der Sonderstatus Frau ist meiner Meinung nach völliger Blödsinn. Ich bin wirklich überzeugt von diesem Studiengang. Und wo ein neues Projekt entsteht, gibt es immer kritische Stimmen“, sagt Melina. Sie hat sich auch für den Frauenstudiengang entschieden, weil sie das Begleitprogramm so überzeugend fand: Es gibt Schulungen und Vorträge für Frauen in Führungspositionen, Selbstbehauptungsseminare und Präsentationsübungen. Abgesehen davon sind die Inhalte aber vollkommen identisch mit denen im gemischten Studiengang Maschinenbau: „An uns werden die gleichen Anforderungen gestellt. Auch die Prüfungen sind bei allen gleich, nur wir haben den Bonus, dass wir unter Frauen lernen.“

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Studieren ohne dumme Sprüche: Im Frauenstudiengang Maschinenbau bleiben die Studentinnen in den ersten Semestern unter sich. Foto: HRW

Sie hat das Studium gewählt, das am besten zu ihr und ihren Anforderungen passt. „Viele denken, dass wir uns bewusst ausgrenzen. Das ist aber nicht der Fall. Freundschaften gibt es auch mit Leuten aus dem gemischten Studiengang. Der einzige Unterschied ist, dass wir uns eine andere Lernatmosphäre ausgesucht haben“, sagt sie. Eine Studienumgebung ohne doofe Sprüche, die wichtige Energie rauben.

Ich hatte auch einen Anfang. Ich weiß, wie sich das anfühlt.

Hilda Tutu, Studentin und Mentorin an der Hochschule Ruhr West

Melina wusste zum Beginn ihres Studiums ziemlich genau, was sie wollte und auch, was sie nicht wollte. Das ist nicht selbstverständlich. Hilda, 22 Jahre alt, erlebt das in ihrer Tätigkeit als Mentorin oft auch anders. Besonders zu Beginn eines Studiums hätten viele Studierende Fragen und Schwierigkeiten, wirklich im Studium anzukommen. Hilda kann diese Unsicherheiten gut nachvollziehen: „Ich erinnere mich noch gut daran, wie verloren ich mich am Anfang gefühlt habe. Wenn ich anderen dieses Gefühl nehmen kann, so komplett verloren zu sein, dann wäre das richtig gut.“

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Der HRW-Campus in Mülheim: Hier legen Mitarbeitende und Studierende viel Wert auf ein inklusives Klima. Foto: HRW / Christa Lachenmeier

Deswegen engagiert sich Hilda neben ihrem BWL-Studium Internationale Wirtschaft – Emerging Markets im Mentoring-Programm „HRW Navi“. Seit Anfang 2020 ist sie via E-Mail für alle Studierenden erreichbar, die Fragen haben. Dabei geht es hauptsächlich um Grundlegendes: Wie erstelle ich meinen Stundenplan? Wie funktioniert die Prüfungsanmeldung? „Wir sind dafür da, den Einstieg zu erleichtern, und da ähneln sich die Fragen schon.“ Manchmal bekommt Hilda aber auch Anfragen, die sie nicht so leicht beantworten kann, zum Beispiel dann, wenn Ämter oder Behörden involviert sind.

Inklusive Hochschulen können Menschen helfen, über sich hinauszuwachsen

Die Hochschule Ruhr West ist eine vergleichsweise junge Hochschule. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, ein Studium auch für diejenigen möglich zu machen, die nicht die besten Voraussetzungen haben: Menschen mit Migrationsbiografien oder -hintergrund zum Beispiel. Die Hochschule sieht deren gewaltiges Potenzial und möchte sie beim Studienbeginn bestmöglich unterstützen. Denn viele trauen sich ein Studium anfangs gar nicht zu, wachsen dann aber während der ersten Semester buchstäblich über sich hinaus.

„Es gibt an der HRW verschiedene Integrationsprogramme und Sprachkurse, die dabei helfen sollen, dass sich die Studierenden sicher fühlen“, erklärt Hilda, die selbst noch aus ihrer Schulzeit weiß, wie sich diese Unsicherheiten anfühlen. Dass das, was ihr passiert ist, rassistisch war, wurde ihr erst später bewusst. An der HRW hatte sie gleich das Gefühl, dass durch die verschiedenen Programme die Themen Diversität und Antidiskriminierung ernst genommen werden. In ihren Rollen als Erstakademikerin und Mentorin versteht sie sich als Teil eines Systems, das Hochschule für alle fairer machen will: „Mentorinnen und Mentoren sind ein guter Mittelweg, um beispielsweise nicht direkt einen Professor fragen zu müssen. Wir sind unvoreingenommen und verteilen keine Noten. Wir helfen einfach – ganz neutral.“

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Gute Stimmung und gegenseitige Unterstützung: Selbst wer sich am Anfang das Studium gar nicht zugetraut hat, studiert nach einigen Semestern ganz souverän an der HRW. Foto: HRW

Damit spricht Hilda einen wichtigen Punkt an: Menschen, die in ihrem Umfeld die ersten sind, die studieren, so wie Hilda selbst, haben oft keine Anlaufstelle für all die Fragen, die sie sich stellen. Denkt eine Hochschule wie die HRW diese Problematik gleich mit, kann sie von Anfang an Unsicherheiten und Hürden abbauen und das Ankommen im Studienalltag erleichtern. Studieneingangsangebote auf verschiedenen Sprachen sowie Integrations- und Sprachkurse helfen, weitere Hemmungen abzubauen und fördern das Selbstbewusstsein der neuen Akademiker*innen. Frauenstudiengänge und Kinderbetreuungsangebote an der Hochschule erleichtern auch Frauen den Zugang zum Studium.

Für Hilda geht es als Mentorin immer darum, einen sensiblen Dialog zu schaffen. Studierende, die Hilfsangebote annehmen, studieren erfolgreicher. Aber was ist für einen Bildungserfolg noch wichtig? „Unabdingbar ist der Fleiß und die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren“, sagt Prof. Dr. Ioannis Iossifidis. „Aufseiten der Lehrenden gewähren wir jede erdenkliche Hilfe. Meine Studierenden haben meine mobile Telefonnummer und können mich auch per WhatsApp kontaktieren, wenn es um die Lösung von Aufgaben geht.“ Er lehrt an der HRW zur theoretischen Informatik und kognitiven Systemtechnik und findet, dass für ein faires Bildungssystem auch die Schule Verantwortung trägt: „Die Schulbildung muss von der jeweiligen Herkunft der Kinder entkoppelt werden.“ Dazu gehöre auch, dass Hausaufgaben und Schulprojekte während der Schulzeit und unter Aufsicht abgeschlossen werden können.

Meine Studierenden haben meine mobile Telefonnummer und können mich auch per WhatsApp kontaktieren, wenn es um die Lösung von Aufgaben geht.

Prof. Dr. Ioannis Iossifidis, Informatik-Professor an der Hochschule Ruhr West.

Damit spielt er darauf an, dass man nicht davon ausgehen kann, dass alle Kinder zu Hause gleich gefördert werden. Er selbst ist als Kind griechischer Gastarbeiter*innen von einer griechischen Schule auf eine deutsche Realschule gekommen und musste die Defizite im Lernstoff alleine kompensieren: „Hier hätte mir eine entsprechende Unterstützung das Leben sicher erleichtert.“ Dass Prof. Dr. Ioannis Iossifidis studieren wollte, stand für ihn trotzdem schnell fest, seit mehr als 20 Jahren forscht und arbeitet er jetzt bereits im Hochschulsektor.

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Professor Iossifidis hatte als Kind von Gastarbeiter*innen selbst nicht die besten Startchancen. Als Lehrender an der HRW steht er für eine offene Fragekultur – auch per Whatsapp. Foto: HRW

Dabei hat er auch gelernt, dass sich seine Rolle nicht nur auf das Halten von Vorlesungen beschränkt: „Als Lehrende tragen wir die Verantwortung, die Anforderung und die Vermittlung des Lehrstoffs am aktuellen Stand der Technik und Wissenschaft zu orientieren. Sowohl in der Vermittlung der Theorie, aber auch bei der Anwendung der Lerninhalte durchziehen wir das Studium mit Projekten, die eng von den Lehrenden betreut werden.“

Integrationsprogramme, Sprachkurse, Frauenstudiengänge, Mentoring-Programme, eine engmaschige Betreuung und ausgebaute Anlaufstellen und einer offenen Fragekultur zwischen Student*innen und Dozent*innen – all diese Maßnahmen scheinen zu fruchten. Ein ermutigend hoher Anteil der HRW Student*innen macht nach dem Bachelor einen Master. Und es gibt einige, die dann noch promovieren, obwohl die HRW über kein Promotionsrecht verfügt. Diese Zahlen sind um so aussagekräftiger, wenn man weiß, dass etwa 50 Prozent der Studierenden an der HRW am Anfang des Studiums noch unsicher sind, ob sie es überhaupt schaffen. Nach einigen Semestern aber studieren sie selbstbewusst, haben einiges an neuem Wissen akquiriert und eine andere Haltung zu sich und ihrer Rolle in der Gesellschaft entwickelt. So funktioniert echtes Empowerment.

In der Schule so lala, in der Hochschule glänzen

Die HWR ist eine gute Anlaufstelle, wenn man auf der Suche nach einer (zweiten) Chance ist. Denn nicht immer sind Notengebungen in der Schule fair. Und wer schwierige Startbedingungen hatte, dem*der gelingt auch der Einser-NC nicht so leicht. „In der Schule wird man nach bestimmten Kriterien bewertet. Wer die nicht erfüllt, hat es schwer. Dabei bist du nicht dein NC. Ich kenne viele, die in der Schule durchschnittlich waren und jetzt hier im Studium glänzen“, sagt Hilda.

Vielleicht ist das auch so, weil die Studierenden sich hier gegenseitig empowern und unterstützen. Erstakademiker*innen wie Milena und Hilda sind selbst Vorbilder für die neuen Erstsemester. Sie zeigen ihnen, dass man es schaffen kann. Allein deswegen ist Diversity-Management an Hochschulen so wichtig, weiß Frank-Rafael Boullón, Leiter des Hochschulmarketings der HRW: „Wir wollen ein Biotop schaffen, in dem sich auch Menschen, die nicht privilegiert oder prädestiniert für ein Studium sind, durchsetzen können.“

Studieren Studium Gleichberechtigung Empowerment Geflüchtete

Welche Rahmenbedingungen brauchen wir an unseren Schulen und Hochschulen, um alle mitzunehmen? Wo sind unsere derzeitigen Strukturen diskriminierend? Und wie können wir ein Bildungssystem schaffen, das Menschen mit schwierigeren Startbedingungen nicht behindert, sondern beflügelt? Die Hochschule Ruhr West zeigt, dass ein Wandel  funktionieren kann – mit ein wenig Aufwand und dem Herz am rechten Fleck. Du möchtest mehr über das Studium an der HRW erfahren? Dann informiere dich hier.