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Diese Musikschule im Stadion des FC St. Pauli gibt Kindern und Geflüchteten eine Perspektive

Im Hamburger Stadtteil St. Pauli gibt es eine ganz besondere Musikschule. Nicht nur, dass hier die Kinder eine kostenlose Ausbildung erhalten, die sonst nie die Chance dazu bekommen hätten, ein Instrument zu lernen. Nein, das Ganze befindet sich auch noch mitten im Kult-Fußballstadion Millerntor des FC St. Pauli. Wir sind auf Spurensuche gegangen.

An einem sonnigen Nachmittag im August mache ich mich auf nach Hamburg. Ich bin auf der Suche nach einer Geschichte, in der es um Musik gehen soll, aber irgendwie auch um Fußball, um Chancen, um Geflüchtetenhilfe und um Jeans.

Um all dem auf die Spur zu kommen, treffe ich mich mit Dave und zwar vor dem Haupteingang des Millerntor-Stadions im Stadtteil St. Pauli. Hier unter dem großen Logo des FC St. Pauli haben wir uns verabredet, um über eine außergewöhnliche Initiative zu sprechen: das Levi’s Music Project. Eine Musikschule mitten im Fußballstadion, in der Kinder aus der Umgebung, die sonst nicht die Chance dazu gehabt hätten, eine kostenlose musikalische Ausbildung erhalten können.

„Es geht hier vor allem ums Zurückgeben“, sagt Dave Doughmann, Musiker und Projektleiter der Levis’s Music School. Ihn selbst hat es vor Jahren von Ohio nach Deutschland verschlagen. Erst lebte er in Berlin, später dann in Hamburg. In St. Pauli ist er geblieben, nicht zuletzt wegen des Stadions und der guten Vibes, in dem noch immer alternativen Viertel.

Wo bin ich hier? Im alternativsten Fußballclub des Landes?“

Denn St. Pauli ist ein guter Ort, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Das merke ich gleich, als ich das Stadion betrete. Über den Sitzen prangen die Schriftzüge „Kein Fußball den Faschisten“ und „Kein Mensch ist illegal“. Auf dem Stadiondach weht die Regenbogenflagge. Zwischen den Tribünen gibt es einen eigenen Kindergarten. Wo bin ich hier? Im alternativsten Fußballclub des Landes? „Ja, genau“, sagt Dave, der das Stadion als Ort der Begegnung im Kiez, ja quasi als Nachbarschaftszentrum, versteht.

Er zeigt mir die Räume des Levi’s Music Projects. Es ist eine umgebaute VIP-Lounge weit oben, hinter den Sitzreihen. Hierhin kommen die Kinder an Nachmittagen nach der Schule, um gemeinsam zu proben. Angefangen hat alles mit vier Schüler*innen und einer einzigen Klasse. Das war 2016. Heute lernen hier um die 40 Kinder in ganz unterschiedlichen Kursen, von Gitarre, über Schlagzeug und Keyboard, bis hin zu Gesang.

Es gibt keinen festen Lehrplan, sondern ganz individuelle, an die Bedürfnisse der Kinder angepasste Einheiten, damit die Kinder möglichst viel für sich mitnehmen. Sich nicht über- oder unterfordert fühlen. Die Instrumente müssen die Musikschüler*innen nicht bezahlen. Sie dürfen sie zum Üben mit nach Hause nehmen.

 

Levi's music school
Dave Doughman ist Projektleiter an der Levi’s Music School in Hamburg St. Pauli. Foto: Mae Becker

„Die Kinder kommen aus unterschiedlichen, meist aber schwierigen Backgrounds“, erklärt mir Dave. „Viele leben in staatlicher Betreuung. Manche sind auch einfach aus der Nachbarschaft. Fakt ist aber, dass keines der Kinder wohl die Möglichkeit gehabt hätte, eine solche musikalische Ausbildung zu erhalten, wenn es diese kostenlose Möglichkeit nicht gäbe.“ Um so besser, dass es einen Ort für sie gibt, an den sie nach der Schule kommen können, um Freunde zu treffen und etwas für sich selbst zu kreieren und mitzunehmen. „Wir geben ihnen etwas zu tun und eine Möglichkeit, sich auszudrücken.“

„Ist es eigentlich seltsam, dass es eine Musikschule in einem Fußballstadion gibt?“ frage ich ihn. „Nicht in diesem Stadion“, sagt Dave und klärt mich als Nicht-Hamburgerin über die Tradition des Vereins und des Stadteils auf: „Die Gemeinschaft hier ist sehr stark. In den 80er Jahren, als es die Proteste rund um die Zwangsräumungen der besetzten Häuser in der Hafenstraße gab, haben sich die Leute zuerst hier im Stadion getroffen und sind dann gemeinsam zu den Demos gegangen.“ Schon damals positionierte sich der Fußballclub offen gegen Homophobie, Rassismus und Sexismus. Der FC St. Pauli versteht sich als alternativ, links, inklusiv und weltoffen. Hier will man alle mit ins Boot holen. Aus dieser Grundhaltung heraus entstand auch die Idee, gemeinsam mit Levi’s eine Musikschule im Stadion zu errichten.

Wir können Geflüchteten einen Safe Space anbieten, einen Raum, in dem sie musizieren können, in dem sie Beats hören können und an ihren Texten arbeiten können.“

Fußball ist auf St. Pauli politisch. Der Club und seine Fans reden nicht nur, sondern sie engagieren sich seit Jahren für soziale Projekte. Die Initiative Kiezhelden bildet das Dach für das soziale Engagement im Club. Und gemeinsam mit Levi’s setzt sich der Verein im Rahmen der Musikschule auch für Geflüchtete ein.

„Wir haben mithilfe von Asmara’s World e.V. einige Musiker aus der Geflüchteten-Community zu uns eingeladen, damit auch sie unsere Räumlichkeiten nutzen können. Schließlich haben wir die Infrastruktur da und brauchen sie gar nicht immer, zum Beispiel während der Ferienzeit, wenn keine Musikklassen stattfinden.“

Die Musiker*innen haben Interesse an Hip-Hop, auch haben sich schon eigene Gruppen gegründet und Songs wurden aufgenommen. Dave weiß, dass ihnen das politische Klima der Zeit zu schaffen macht: „Diese Leute können teilweise keinen Kilometer laufen, ohne blöd von jemandem angemacht zu werden. Wir können ihnen einen Safe Space anbieten, einen Raum, in dem sie musizieren können, in dem sie Beats hören können und an ihren Texten arbeiten können.“

Aus einem ersten Treffen ist eine neue Idee entstanden, nämlich in Räumlichkeiten im Millerntor-Stadion auch Kurse in Music Production anzubieten. „Wir dachten uns, wäre das nicht toll, wenn wir den jungen Menschen auch ein Handwerkszeug mitgeben könnten, wie sie professionelle Aufnahmen von sich, aber auch von anderen Künstlern machen können? Sie können Aufnahmen von unseren Musikschülern machen, das ist eine gute Übung im Aufnehmen, Schneiden, Abmischen usw. und ihre Fähigkeiten und ihr Wissen dann als Mentoren an die jungen Schüler weitergeben.“

Im Grunde geht es uns hier immer um die Menschen. Es geht darum, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, indem man ihnen die Mittel und die Möglichkeit gibt, sich  für andere zu engagieren.“

So steht der Community-Aspekt auch hier wieder ganz weit im Vordergrund. Denn die gemeinsame Arbeit an Musikprojekten ermöglicht den sozialen Austausch zwischen Musikschüler*innen und Geflüchteten, baut so Vorurteile ab und schafft Gemeinschaft. Außerdem können die jungen Musiker*innen ihre Skills verbessern, wenn sie Aufnahmen von sich hören. Die Geflüchteten, die ja vielmals keine Arbeitserlaubnis in Deutschland haben, bekommen professionelle Fähigkeiten und Kontakte, die ihnen später auf dem Arbeitsmarkt nützlich sein können. Und es entstehen digitale Singles, mit denen sie ihre Bekanntheit im Business steigern können. Insgesamt: Win-win-win.

Dave fasst noch einmal zusammen, was ihn antreibt: „Im Grunde geht es uns hier immer um die Menschen. Es geht darum, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, indem man ihnen die Mittel und die Möglichkeit gibt, sich  für andere zu engagieren.“ Dave und seine Kollegen statten sie mit Wissen aus und das kann ihnen keiner mehr nehmen.

Vor Kurzem konnten sie noch gar kein Instrument spielen und plötzlich haben sie einen Auftritt vor 500 Leuten in einem bekannten Club!“

Und sieht man denn schon Erfolge? Dave lacht: „Natürlich.“ Vor einiger Zeit sind die Kinder aus den unterschiedlichen Klassen zu ihm gekommen und haben gefragt, ob sie denn nicht auch mal zusammen spielen könnten. Seither gibt es jeden Freitag einen zusätzlichen Kurs, die Band-Klasse. Hier können alle zusammen jammen. Und auch das Ergebnis kann sich schon sehen lassen: Acht der jungen Musiker*innen bildeten vor einigen Wochen den Opening Act für eine andere Band im St. Paulier Musik Club Knust. „Da haben sie vor 500 Menschen performt und sogar einen Song gespielt, den sie selbst geschrieben hatten!“, erzählt Dave begeistert. „Da sieht man, was man erreichen kann, wenn man sich anstrengt. Wir bieten ja nur die Instrumente und die Unterstützung. Die Arbeit stecken die Kids aber selbst rein. Und da sehen sie ihre eigenen Erfolge! Das ist toll! Vor Kurzem konnten sie noch gar kein Instrument spielen und plötzlich haben sie einen Auftritt vor 500 Leuten in einem bekannten Club!“

Ist also das Ziel? Ist das Levi’s Music Project eine Talentschmiede? Dave verneint: „Das hier ist nicht ‚Deutschland sucht den Superstar‘. Was wir hier machen ist: Wir geben Menschen Chancen. Wir geben ihnen die Möglichkeit, etwas zu lernen. Wenn sich einer von ihnen entscheidet, irgendwann professionell Musik machen zu wollen: Super! Hier gibt es genug Menschen, die sie sicher unterstützen würden.“

Dave lügt nicht, er hat Connections. Diverse etablierte Musiker*innen sind schon vorbeigekommen, um mit den Kindern zu jammen, ihre Fragen zu beantworten und ihnen gute Tipps zu geben. Bosse hält ebenso viel auf das Levi’s Music Project, wie auch der bekennende FC St. Pauli-Fan Bela B.

„Das schindet schon Eindruck, wenn die Kinder sehen, dass etablierte Künstler in ihrem Alter einmal genauso ‚weit‘ waren wie sie und auch erst das Musikmachen richtig lernen mussten. Das kann schon motivierend sein.“ Für Dave steht dennoch die potenzielle Karriere der Schützlinge weniger im Vordergrund, als vielmehr der „heilende Aspekt der Musik“, wie er es selber nennt. „Wir geben den Kindern etwas zu tun und die Möglichkeit, etwas zu kreieren, sich mithilfe der Musik auszudrücken. Das haben sie mit den Geflüchteten gemein; Musik ist eine Sprache die jeder Mensch auf der Welt versteht, egal woher er kommt. Musik und Lächeln eigentlich. Und von beidem sollte es viel mehr geben. Ja, jetzt klinge ich wie ein Hippie, aber es ist was Wahres dran!“

Das Levi’s Music Project ist ein globales Projekt, um etwas an die Gesellschaft zurückzugeben, Levi’s fördert damit weltweit junge Musiktalente und gibt ihnen eine Möglichkeit, sich durch Musik anderen mitzuteilen. Die Levi’s Music School im Millerntor Stadion auf St. Pauli war die erste ihrer Art in Deutschland. Im September letzten Jahres eröffneten Levi’s und die Jungs von Milky Chance in deren Heimatstadt Kassel eine zweite – im Kulturzentrum Tofufabrik. Möchtest du mehr über das Levi’s Music Project erfahren? Dann schau mal hier rein!