Sponsored Was ist das?

Fair Fashion braucht ein Lieferkettengesetz – so kannst du helfen

Auch bei bewussten Kaufentscheidungen können wir uns noch lange nicht darauf verlassen, dass die Produkte unter guten Bedingungen produziert werden. Eine Petition könnte helfen, das zu ändern.

Lieferkettengesetz Petition Produktionsbedingungen Fair Fashion Nachhaltigkeit
Auch wenn der Pulli aus Bio-Wolle ist, heißt das noch lange nicht, dass er auch fair produziert wurde. Foto: Dmitriy Frantsev / Unsplash | CC0

Bewusster Konsum funktioniert nur, wenn Fragen gestellt werden, die das große Ganze berücksichtigen. Wissen wir, woher unsere Kleidung kommt? Haben wir eine Ahnung, auf welchen Äckern unsere Lebensmittel wachsen? Können wir Lieferketten immer nachvollziehen? Die meisten von uns müssen diese Fragen sicher mit Nein beantworten. Und das ist schade. Denn selbst wenn man sich der Umwelt zuliebe für ein vermeintlich ökologischeres Produkt entscheidet, einen Pullover aus Baumwolle zum Beispiel, der im Vergleich zu einem Produkt aus Kunstfaser besser recycelt werden kann, weiß man nicht immer, unter welchen Voraussetzungen er gefertigt wurde. Und selbst wenn man es weiß, dann hat man meist noch immer keine Ahnung, unter welchen Bedingungen die Baumwolle geerntet, verarbeitet und gefärbt wurde oder wie genau das verwendete Garn entstanden ist. Wir können uns also nicht darauf verlassen, dass unser Pulli unter guten Bedingungen produziert wurde.

Warum eigentlich nicht? Und was kannst du dagegen tun? Wir haben für dich alle wichtigen Fragen gestellt, sie beantwortet – und sogar einen Lösungsvorschlag parat: Die Petition für das Lieferkettengesetz. Mit deiner Unterschrift kannst du einfordern, dass es ein Gesetz geben soll, mit dem sich Unternehmen zu mehr Verantwortung verpflichten.

3_Lieferkettengesetz_Petition_Banner

Warum kann ich mir nicht sicher sein, dass meine Produkte unter guten Bedingungen produziert wurden?

Unternehmen, die ihren Hauptsitz in Deutschland haben und hier tätig sind, sind nicht dazu verpflichtet, zu überprüfen und zu dokumentieren, ob ihre Zulieferer im Ausland die international anerkannten Menschenrechte achten und Umweltstandards einhalten.

Was heißt das konkret, hast du ein Beispiel?

Na klar! Stellen wir uns mal folgendes vor: Ein in Deutschland ansässiges Unternehmen verkauft Kleidung. Diese Kleidung wird in Nicaragua von vielen Näher*innen genäht – allerdings unter schlechten Bedingungen. Sie sitzen gebückt auf harten Holzstühlen in der stickigen Halle. Es gibt keine Ventilatoren. Die vorgegebenen Stückzahlen sind so hoch, dass sie kaum geschafft werden können, die Arbeiter*innen stehen unter einem enormen Druck. Und die Bezahlung? Reicht kaum. Das auftraggebende Unternehmen macht sich an den mangelhaft umgesetzten Arbeitsschutzgesetzen der Näherei mit schuldig.

Oder nehmen wir einmal den Bereich Arbeitnehmer*innenschutz. Auch der ist in Unternehmen, die für uns produzieren, selten gewährleistet. Arbeitnehmer*innen, die beispielsweise Arbeitsunfälle haben, können von den Unternehmen entlassen werden, während sie im Krankenstand sind. So ist es beispielsweise Uros Savic geschehen, der sich in einer Schuhfabrik in Serbien während der Arbeit verletzte. Zwar wurde seine Entlassung später aufgehoben, nachdem er sich beschwert hatte. Aber das Erlebte beweist, dass viele Arbeitnehmer*innen erst einmal der Willkür ihrer Arbeitgeber*innen ausgeliefert sind. Beide Beispiele zeigen, dass international anerkannte Menschenrechte, darunter das Recht auf Unversehrtheit, in Zulieferbetrieben im Ausland nicht immer geachtet werden.

Empfohlener Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Du kannst dir hier alle externen Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.(Datenschutzerklärung)

Und dafür muss das auftraggebende Unternehmen keine Verantwortung übernehmen?

Richtig! Unternehmen können natürlich auf freiwilliger Basis Maßnahmen ergreifen und manche machen das auch. Einen gesetzlichen Rahmen gibt es nicht.

Stattdessen überprüft die Bundesregierung, durch das Monitoring des Nationalen Aktionsplans (NAP), ob Unternehmen freiwillig schon genug tun. Konsequenzen gibt es aber nicht, wenn ein Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland im Ausland produzieren lässt und dabei Menschenrechte missachtet werden.

Und was sind die Ergebnisse des Monitorings des Nationalen Aktionsplans?

Die Ergebnisse der ersten Befragungsrunde aus dem Dezember 2019 haben gezeigt, dass weniger als 20 Prozent der freiwillig teilnehmenden Unternehmen den Menschenrechts-Test erfüllt haben. Nur 20 Prozent!

Okay, nochmal kurz zusammengefasst: Wenn in einer Textilfabrik in Serbien oder in einer Erz-Mine in Lateinamerika Menschenrechtsverletzungen und Umweltschädigungen stattfinden, gibt es keine Gesetzesgrundlage, mit der das auftraggebende Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden kann?

Leider nein. Aber genau diesen gesetzlichen Rahmen fordert jetzt eine Petition zum Lieferkettengesetz ein.

Eine Petition für ein Lieferkettengesetz? Was und wer steckt dahinter? 

Mit über 90 Organisationen, die sich zur Initiative Lieferkettengesetz zusammengeschlossen haben, sammelt das Hilfswerk Brot für die Welt in einer Petition Stimmen, damit die Bundesregierung ein Lieferkettengesetz verabschiedet. Darin fordern sie gesetzliche Vorgaben für die Arbeit deutscher Konzerne im Ausland unter Berücksichtigung drei zentraler Begriffe: Sorgfalt, Haftung und Sanktionen.

Was genau ist mit Sorgfalt, Haftung und Sanktionen gemeint?

Gefordert wird eine Sorgfaltspflicht. Diese beinhaltet eine Risikoanalyse, mit der geklärt werden soll, inwieweit eine Gefährdung von Menschenrechten und Umwelt durch die Tätigkeit des Unternehmens im Ausland vorliegt oder künftig vorliegen kann. Dabei soll jedes Unternehmen Maßnahmen definieren, die präventiv greifen und im Schadensfall dafür sorgen, dass Arbeiter*innen und Umwelt geschützt werden – und zwar über die komplette Lieferkette eines Produktes hinweg. Die Konzerne sollen sich am internationalen Recht orientieren und transparent über ihre Maßnahmen berichten. Zusätzlich sollen Unternehmen dazu verpflichtet werden, zu überprüfen, ob die Zulieferer die Maßnahmen einhalten, sich Arbeiter*innen beschweren und gewerkschaftlich engagieren können.

Und wenn sich Unternehmen nicht an die Sorgfaltspflicht halten?

Genau deswegen sind Haftungsregelungen und Sanktionen so wichtig. In den Haftungsregelungen wird festgelegt, dass Betroffene vor deutschen Gerichten klagen können, um eine Entschädigung zu erhalten. Sanktionen legen fest, welche Bußgelder von den Unternehmen gezahlt werden müssen, wenn sie der Sorgfaltspflicht nicht nachkommen. All diese Maßnahmen sind längst überfällig.

Warum ist das Lieferkettengesetz heute wichtiger denn je?

Durch die Corona-Pandemie wird einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, internationale Menschenrechte durchzusetzen. Das Recht auf Unversehrtheit beispielsweise kann nur dann durchgesetzt werden, wenn Hygiene-Standards in den Zulieferbetrieben eingehalten werden. Auch ein Umsatzverlust in den Branchen ist eine Folge der Pandemie, weshalb immer mehr Arbeiter*innen entlassen werden. Wer in Deutschland krank ist, geht nicht zur Arbeit und bekommt dennoch weiterhin seinen Lohn. In anderen Ländern gibt es solche Absicherungen nicht zwingend: Krankentage führen zu einem Einkommensverlust. Ein Lieferkettengesetz könnte hier Arbeiter*innen schützen und absichern.

Okay, ich bin überzeugt. Wie kann ich mitmachen?

Na, der erste Schritt wäre die Unterzeichnung der Petition. Und wenn du dich dann noch mehr mit dem Thema beschäftigen möchtest, erzähl deinen Freund*innen und deiner Familie davon. Auf der Kampagnenseite findest du noch viele weitere Informationen: Ein Dossier, Portraits von Arbeitnehmer*innen, die sich zur Wehr setzen gegen schlechte Bedingungen und Zusatzmaterial. Übrigens ist die Forderung nach einem Lieferkettengesetz gar nicht so neu: Im Koalitionsvertrag 2018 ist festgeschrieben, dass eine solche Regulierung ausgearbeitet werden soll, wenn freiwillige Maßnahmen bis zum Jahr 2020 nicht greifen. Jetzt ist 2020. Zeit, dass was passiert.

Das Hilfswerk Brot für die Welt setzt sich dafür ein, dass, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, ein Lieferkettengesetz verabschiedet wird, damit Arbeiter*innen und Umwelt entlang der kompletten Lieferkette bestmöglich geschützt werden. Du kannst die Petition hier unterzeichnen und die Initiative durch vielfältige Maßnahmen unterstützen.