Sponsored Post Was ist das?

Warum es Zeit ist, sich die Überheblichkeit gegenüber Menschen vom Land abzugewöhnen

Wird man eigentlich schlauer, wenn man täglich auf ein Alpenpanorama blickt? Oder macht frische Luft zumindest innovativer? Immer mehr Menschen zieht es in Deutschland aufs Land. Doch, was wollen die alle da?

© pexels

Theodor Fontane schwor auf die Mark Brandenburg, Wassily Kandinsky und andere Künstler der Neuen Künstlervereinigung München bzw. vom Blauen Reiter verbrachten immer wieder Zeit im oberbayrischen Murnau, und Einstein liebte sein Haus in Caputh nahe des Templiner und des Schielowsees. Uns hingegen schaudert es heute oft unweigerlich beim Gedanken daran, die Stadt gegen das Land zu tauschen. Kommt man überhaupt klar ohne Bars, Spätis und Flohmärkte? Worauf soll man denn auf der Straße blicken, wenn es keine Streetart gibt? Muss man auf dem Dorf nicht jeden Abend puzzlen?

Doch genau in dieser Sichtweise liegt das Problem. Wir denken unsere Gesellschaft vom Zentrum aus: Berlin, Hamburg oder Köln sind oft das einzig Wahre. Alles, was außenrum liegt, ist die Peripherie. Und für die haben wir allzu oft nur wenig übrig.

Die Arroganz dem Land gegenüber überwinden

Vielleicht ist es an der Zeit, Peripherie und Zentrum neu zu denken. Immerhin leben in Deutschland mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in Orten mit weniger als 100.000 Einwohnern. Und die können doch nicht alle provinziell eingestellt sein. Außerdem scheint der Run auf die Metropolen auch gerade zurückzugehen: Zum ersten Mal seit 20 Jahren ist die Wachstumsbilanz der deutschen Großstädte negativ. Das heißt, es ziehen neuerdings mehr Leute weg als zu. Forscher*innen prophezeien den ländlichen Räumen auch weiterhin Zulauf. Manch eine*r spricht sogar schon von der “Glokalisierung”, einer Wortneuschöpfung aus “lokal” und “Globalisierung”, und meint damit, dass die Zukunft den Menschen gehört, die global vernetzt sind, aber regional handeln. Und das kann man besonders gut auf dem Land.

Drang nach Erholung, Gemeinschaft und Ruhe

Warum neuerdings so viele der Stadt entfliehen wollen? Nun, das hat wohl viel mit Be- und Entschleunigung zu tun. Wer täglich mit einem Schwung Menschen in die U-Bahn, aus der U-Bahn ins Büro und nach einem 8-Stunden-Tag wieder zurück nach Hause geschwemmt wird, beginnt zu grübeln. So schön das Leben in der Metropole auch ist, es bedeutet auch Verkehr, Baustellen, Krach und schlechte Luft. Hinzu kommen teils horrende Mieten und Lebenshaltungskosten. Das Land hingegen bietet vielen Ausgleich und Erholung. Es lockt mit kurzen Wegen, mehr Freizeit, Ruhe und – mit etwas Glück – dem täglichen Blick auf Bergpanorama und grünes, grünes Gras. Wer sich von seinem Umfeld die Seele streicheln lassen kann, ist nicht nur entspannter, sondern womöglich auch kreativer und innovativer.

Fraunhofer_Logo_Vektor

Dass die Denkprozesse geölter ablaufen, wenn man entspannter ist, wissen Wissenschaftler*innen schon länger. Denn Stress kann die Hirn- und Gedächtnisleistungen negativ beeinflussen. Entspannte Denker*innen sind die besseren Denker*innen.

Einer von ihnen ist Sebastian Schriegel, der sich nach einem Studienaufenthalt in Singapur ganz bewusst für das Leben und Arbeiten in einer ländlich geprägten Region entschieden hat und heute im ostwestfälischen Lemgo für die Fraunhofer-Gesellschaft forscht. Ostwestfalen-Lippe ist die bundesweite Spitzenclusterregion für Intelligente Technische Systeme und beheimatet zahlreiche Hidden Champions und Marktführer. Am Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) sucht er am Institutsteil für industrielle Automation (INA) nach Lösungen für die Probleme der Stadtbewohner*innen: Lärm, Stress und schlechte Luft. Sein Thema ist neben der Smart Factory auch die Smart City, die digitale Stadt. Er will die Prozesse in der Stadt so optimieren, dass sie besonders reibungslos ineinander greifen. So können wir nicht nur eine ganze Menge Energie einsparen – also im Idealfall mühelos das Klima retten – sondern den Prozessen auch richtig viel wertvolle Lebenszeit abringen.

Mehr Entspannung in der smarteren City

Gemeinsam mit Kolleg*innen will er zukünftig Lemgo zum digitalen Mitmachlabor machen. In einem neuen Forschungsprojekt soll es etwa zu hohem Verkehrsaufkommen und Luftverschmutzung an den Kragen gehen, und zwar mit der Entwicklung eines stadtweiten Parkleitsystems: Sensoren werden dann den Belegungsgrad aller Parkplätze der Mittelstadt erfassen, sodass Fahrer*innen darüber informiert werden können, wie viele Parkplätze noch frei sind: “Bereits am Stadtrand können die Fahrer*innen dann wissen, ob es sich überhaupt lohnt, ins Zentrum zu fahren. Das vermeidet ewiges Parkplatzsuchen, spart wichtige Lebenszeit und Nerven, ist gut für die Umwelt und führt zu einer besseren Luftqualität in der Innenstadt.” Wenn es Sebastian Schriegel und seinen Kolleg*innen gelingt, die Sensorik der Parkplätze zu optimieren, könnten die Ergebnisse des Pilotprojekts schon bald auch andernorts Anwendung finden und die Lebensqualität in Städten deutlich erhöhen.

Stadt und Land profitieren von angewandter Forschung

“Die Digitalisierung hat das Potenzial, unser Leben dynamischer, produktiver und flexibler zu machen”, sagt Schriegel, “sowohl in der Stadt als auch auf dem Land, wenngleich die Bedürfnisse jeweils ganz unterschiedlich sind.” In der Stadt kann es sinnvoll sein, eine App zu haben, die die Abfahrtszeiten der U-Bahn kennt und günstige Routen plant. Auf dem Land, wo es mit ÖPNV oft mau aussieht, nutzen mittlerweile viele Rentner*innen eine App, mit der sie sonntägliche Mitfahrgelegenheiten zur Kirche organisieren können. In beiden Fällen hilft die Technik aber dabei, Prozesse zu optimieren und zu vereinfachen. Prozessoptimierung, wie sie Sebastian Schriegel betreibt, führt also über kurz oder lang nicht nur zur Smart City, sondern vielleicht auch angepasst zur Smart Countryside oder zum Smart Country Deutschland.

Wer weiß, wie viel attraktiver das Landleben noch für uns wird. Die fortschreitende Digitalisierung wirft jedenfalls schon ihre langen Schatten in Form von flächendeckendem Internet und Home-Office-Tagen voraus. Bald schon könnten sich noch wesentlich mehr Kreative und Denker auf der Wiese vor ihrem Haus tummeln und sich von der Muse küssen lassen. Eins steht aber jetzt schon fest: Wir Städter*innen können uns ganz getrost die überhebliche Haltung gegenüber den ländlichen Räumen abgewöhnen.

Fraunhofer_Logo_Vektor

Willst du zu den Themen Stadt und Land forschen? Sehnst du dich nach Innovationen? Willst du helfen, unseren Lebenswandel zu optimieren? Die Fraunhofer-Gesellschaft, die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa, sucht dich als Nachwuchswissenschaftler*in. In über 60 Instituten auf dem Land und in der Stadt kannst du einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Komplexität unserer Welt zu entschlüsseln. Informiere dich hier über deine Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten bei der Fraunhofer-Gesellschaft.