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Studieren während einer Pandemie: Diese Fragen machen euch Sorgen

Wer diesen Herbst ein Studium beginnen möchte, lebt derzeit mit vielen Fragezeichen – das kann verunsichern. Wir haben euch  gefragt, welche Fragen euch dazu beschäftigen und sie an drei Hochschulen gestellt.

Abitur Corona Hochschule Studium
Kopf hoch: Dein erstes Semester wird bestimmt auch trotz Corona eine tolle Erfahrung. Foto: Carlos Lindner / Unsplash I CC0

Im Herbst beginnt das Wintersemester und damit für viele Schüler*innen, die im Corona-Jahr ihr Abitur bestanden haben, ein neuer Lebensabschnitt. Den haben sich viele aber anders vorgestellt: Wie sollen aus Sitznachbar*innen in der Vorlesung neue Freundschaften entstehen, wenn die Vorlesung auf deinem Sofa stattfindet? Was ist, wenn du beim Lehrstoff nicht mehr mitkommst und Angst hast, zu versagen? Und wie soll man im Ausland studieren, wenn die Grenzen dicht sind?

Einige Abiturient*innen empfinden nicht nur Vorfreude für ihr erstes Wintersemester, sie machen sich auch Sorgen und wissen nicht, wie und wo sie Antworten finden können. Deswegen haben wir euch gefragt, welche Ängste und Bedenken ihr so mit euch herumschleppt, wenn ihr an euer anstehendes Studium denkt – und eure Fragen Vertreter*innen der Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU), der Freien Universität Bozen und der Hochschule Neubrandenburg gestellt:

Ich werde als erste in meiner Familie studieren. Wenn alles gut geht, studiere ich ab Herbst Informatik und Mathematik. Ich habe jetzt schon Angst, dass ich niemandem meine Fragen stellen kann. Und ich habe mich auf gemeinsame Lerngruppen gefreut. Was ist, wenn ich es allein nicht schaffe? 

Prof. Dr. Ekkehard Köhler, Professur für Mathematik und Grundlagen der Informatik an der BTU: „Ich kann solche Ängste und Befürchtungen sehr gut nachvollziehen. Aber mit der Realität hat das bei uns an der BTU nichts zu tun, denn unsere Institute Mathematik und Informatik leben vom engen Miteinander. Die älteren Studierenden ebenso wie die Lehrenden kümmern sich mit viel Engagement um die Studierenden und natürlich ganz besonders um die Erstsemester. Durch unsere kleinen Jahrgänge können wir diese persönliche Betreuung von Anfang an absichern und auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Darüber hinaus biete ich meinen Erstsemestern zum Semesterstart immer an, dass wir etwas Gemeinsames unternehmen. Dabei lernen wir uns kennen und es bilden sich Freundschaften, die oft über das Studium hinausgehen. Wie ich das in diesem Herbst machen werde, das weiß ich jetzt noch nicht, aber mir wird sicher etwas Schlaues einfallen. Bis dahin ist auch noch etwas Zeit und wir werden immer kreativer, wie wir mit der Pandemie umgehen können.“

Online-Studium ist ja schön und gut. Aber wie soll ich Anschluss an meine Kommiliton*innen finden, wenn ich die ganze Zeit bei mir daheim auf der Couch sitze?

Nicola Pifferi, Studienberater, Uni Bozen: „Veranstaltungen wie beispielsweise derzeit das Sustainability Festival unseres Studierendenvereins K!kero werden, wenn dann noch erforderlich, online angeboten. Unser Sprachenzentrum organisiert Online-Tandems und Quiz Nights, bei denen sich die Studierenden kennenlernen und austauschen können. Für Studieneinsteiger*innen bietet die Studienberatung eine Reihe von Orientierungsveranstaltungen an – auch online. Und nicht zuletzt ist es über unsere Social-Media-Kanäle –beispielsweise über unsere Ersties-Facebook-Gruppen– möglich, sich mit Kommiliton*innen zu vernetzen. Geplant sind auch Online-Aperitivi und weitere Angebote dieser Art.

Wir wissen, dass in diesem Jahr die Situation nicht ideal und alles irgendwie neu ist, wir hoffen aber, dass man bald wieder am Bozner Obstplatz die Aperitivi offline trinken kann und Wandern und Skifahren in den Südtiroler Bergen wieder möglich sein werden. Wir sind zuversichtlich, dass ab dem Sommersemester 2021 das Studium wieder regulär an unseren drei Campus in Bozen, Brixen und Bruneck ablaufen kann. Bis dahin rechnen wir damit, dass an der Freien Universität Bozen im Wintersemester ein reduzierter Lehrbetrieb möglich sein wird, jedoch weiterhin Online-Vorlesungen bis auf Weiteres parallel angeboten werden.“

Ich weiß noch überhaupt nicht, wie ein Studium funktioniert und bei welchen Fragen ich mich an welches Institut wenden soll. Wie bekomme ich dafür einen Überblick? 

Prof. Dr. Matthias Koziol, Vizepräsident für Lehre und Studium der BTU: „Für die vielen Fragen, die Studieninteressierte bewegen, haben wir an der BTU nicht nur die klassische Studienberatung mit engagierten Kolleg*innen, sondern es gibt bei uns auch ein Zentrum zur Studienvorbereitung, das College. Beide Stellen informieren und beraten rund ums Studium: Sie vermitteln einen Überblick, helfen mit konkreten Ansprechpartner*innen oder stellen einen direkten Kontakt zu Studiengangsleiter*innen her. Unser College bietet neben diesen eher organisatorischen Hilfen auch studienvorbereitende kostenfreie Kurse an. In kleinen Gruppen werden Inhalte aus den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern und Lernkompetenzen vermittelt, sodass der Studienstart gut gelingen kann. Diese Kurse werden auch in diesem Jahr im September angeboten.“

Im ersten Semester werde ich im Studentenwohnheim wohnen. Das war eine bewusste Entscheidung, um in der neuen Stadt schnell Anschluss zu finden. Ich gehöre aber auch zu einer Risikogruppe. Wie werden Hygiene-Standards in den Wohnheimen eingehalten? Und was kann ich machen, wenn Menschen die Hygiene-Regeln nicht ernst nehmen?

Nele Reidenbach, verantwortlich für die interne und externe Kommunikation im Studierendenwerk Greifswald: „In unseren Wohnheimen versuchen wir aus der aktuellen Lage das Beste zu machen. Bewohnerinnen und Bewohner wurden über zusätzliche Hygienemaßnahmen aufgeklärt. Alle neu einziehenden Studierenden werden aktuell gebeten, einen kurzen Fragebogen auszufüllen, damit wir in der Wohnheimverwaltung vor dem Einzug wissen, wo sich die Studierenden aufgehalten haben und ob eventuell eine freiwillige Quarantäne zum Schutz der anderen Bewohner*innen nach den aktuell geltenden Empfehlungen nötig ist. Wichtig ist uns auch eine enge Meldekette. Alle Studierenden sind darüber informiert worden, dass Verdachtsfälle nicht nur dem Gesundheitsamt, sondern auch der Wohnheimverwaltung und der Hochschule gemeldet werden müssen, damit wir schnellstmöglich reagieren können. Grundsätzlich haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich die Studierenden an die vereinbarten Regeln halten und es eine gelebte Solidarität zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern gibt. Sollte es dennoch Konflikte innerhalb der Wohngemeinschaften geben, haben wir in unseren Wohnheimen sogenannte Wohnheimtutor*innen. Diese sind auch studentische Bewohner*innen des Wohnheimes und nehmen eine Vermittlungsfunktion zwischen den Studierenden und uns als Wohnheimverwaltung ein. In vielen Fällen können die Probleme mithilfe der Wohnheimtutor*innen geklärt werden. Sollte das nicht der Fall sein, beziehen die Tutor**innen die Wohnheimverwaltung mit in die Klärung ein.“

Mein Wunsch-Studiengang erfordert viele Praxisphasen, die ich eben nicht im Homeoffice absolvieren kann. Wie regeln das die Unis?

Gitte Zeipelt, Koordinatorin Hochschule / Schule der Hochschule Neubrandenburg: „Ich kann diese Verunsicherung sehr gut nachvollziehen. Wer an einer Fachhochschule studieren möchte, tut das meist, weil er*sie Lust auf praktisches Arbeiten im Studium hat. Auch an der HS Neubrandenburg haben alle Studiengänge einen sehr hohen Praxisanteil, der für das Studium essentiell ist. Um diesen weiterhin gewährleisten zu können, haben unsere Professor*innen und fachpraktischen Mitarbeiter*innen Möglichkeiten geschaffen, um die Praxispräsenzen der einzelnen Studiengänge an der Hochschule durchführen zu können. Einige praktische Einheiten werden durch Ersatzleistungen abgedeckt. Andere unbedingt erforderlichen Praxisveranstaltungen werden nach dem theoretischen Teil der Online-Lehre im Block durchgeführt. Für diese Praxiseinheiten haben wir einen Hygieneplan erstellt, der beispielsweise erforderliche Abstände zwischen den Studierenden und auch das Tragen gewisser Schutzbekleidungen während des Praktikums regelt. Um die Teilnehmerzahl an einzelnen Veranstaltungen zu begrenzen, bieten wir zudem mehrere Praktikums-Durchläufe an.“ 

Ich wollte unbedingt im Ausland studieren. Das ist jetzt ja auf absehbare Zeit überhaupt nicht mehr möglich. Wie soll ich das jetzt überhaupt planen? Nehmen Unis überhaupt Bewerbungen aus anderen Ländern an?

Mario Burg, Leiter der Studienberatung: „Die Freie Universität Bozen nimmt in diesem Jahr natürlich weiterhin Bewerbungen aus Europa an, Frist ist der 9. Juli 2020. Für das akademische Jahr 2020/21 sind bereits viele Bewerbungen eingereicht worden, auch aus Deutschland. Es ist derzeit natürlich nicht absehbar, ob die unibz ab Oktober bereits in allen Hörsälen Vorlesungen anbieten kann, jedoch wird ein reduzierter Lehrbetrieb sicherlich möglich sein. Da die Uni bereits zu Beginn der Krise Anfang März innerhalb einer Woche den Großteil der Lehrveranstaltungen online anbieten konnte, ist ein Studienstart im Wintersemester garantiert. Auch die Bewerbung wird ausschließlich online durchgeführt, alle Aufnahmeverfahren sowie die Sprachprüfungen an dieser dreisprachigen Universität können von zu Hause aus abgelegt werden.“

UniBozen

Wird es überhaupt Präsenzveranstaltungen geben? Wenn ja, wie? Wie können Vorlesungen und Seminare unter Berücksichtigung von Social Distancing überhaupt stattfinden?

Prof. Dr. Christiane Hipp, amtierende Präsidentin der BTU: „Natürlich wäre ein normaler Vorlesungsbetrieb wünschenswert, aber wir werden darauf wohl eher noch eine Weile verzichten müssen und eine innovative Kombination aus On- und Offline kreieren. Wie sich das am 1. November beginnende Wintersemester gestalten wird, hängt von vielen Faktoren ab, die zum jetzigen Zeitpunkt keiner vorhersagen kann. Wir gewinnen aber in der Zwischenzeit mit unserem jetzigen Online-Semester so viele wichtige Erfahrungen, dass ich optimistisch für den Herbst bin. Und zwar insofern, dass wir mit intelligenten und flexiblen Lösungen einen Unibetrieb ins Leben rufen beziehungsweise weiterentwickeln, der immer dann Präsenz ermöglicht, wenn sie zwingend notwendig ist. Hierfür werden wir Schutzmaßnahmen treffen müssen. Dabei hilft uns, dass wir als relativ kleine Technische Universität in den letzten Jahren viel Erfahrung mit eLearning und Online-Tools gewonnen haben. Und nicht zuletzt kommen uns unsere enge Vernetzung unter einander sowie die kompakten Strukturen zugute.“

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Klar, nicht jede Frage wurde beantwortet und eventuell stehst du noch vor ganz anderen, individuellen Herausforderungen. Mit deinen Fragen kannst du dich jedoch jederzeit gerne an die Studienberatungen der BTU Cottbus, Uni Bozen und der Hochschule Neubrandenburg wenden –  sie helfen dir gerne weiter.