Arthur Ortega zeichnet alte, japanische Häuser – obwohl er noch nie in Japan war

Mit elf Jahren sah der Künstler den Film The Fast and the Furious: Tokyo Drift. Seitdem fasziniert ihn die japanische Kultur.

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Der Illustrator Arthur Ortega im japanischen Viertel São Paulos. Foto: Arthur Ortega

Die Häuser, die Arthur Ortega zeichnet, verbreiten einen eigentümlichen Charme. Sie sind grau. Der Putz bröckelt ab. Wirre Stromleitungen und rostige Regenrinnen ziehen sich an den Mauern entlang. Schmutzige Werbeanzeigen mit japanischen Zeichen hängen an Strommasten und Häuserfronten. Arthur Ortega illustriert japanische Architektur. Doch statt dem modernen Großstadtflair, mit dem man Japan sonst gerne verbindet, faszinieren ihn alte, rostige Häuserbauten.

Der 24-jährige Brasilianer war selbst noch nie in Japan. Doch seine Begeisterung für das Land ist schon über ein Jahrzehnt alt. „So witzig es klingt: Es war der Film The Fast and the Furious: Tokyo Drift, der dazu geführt hat, dass ich mich in Japan verliebt habe“, erzählt er. Mit elf Jahren habe er den Film das erste Mal gesehen. „Ich erinnere mich daran, dass mich alles an Tokio beeindruckt hat: die vielen Lichter, die dicht gedrängten Gebäude, die überfüllten Plätze.“

Mit dem Zeichnen begann er erst 2016 so richtig. Vor einem gemeinsamen Trip nach Los Angeles in den USA schenkte seine Freundin ihm ein Set Wasserfarben. In den USA begann er damit, Gebäude in sein Skizzenbuch zu zeichnen. Zu Hause in São Paulo suchte er nach neuen Motiven – und fand sie bei einem digitalen Google-Streetview-Spaziergang durch Tokio. „Mir fielen all die alten Häuser auf, die so einzigartig waren, so schmutzig, so voller Geschichte. Also probierte ich, sie zu zeichnen“, erzählt Arthur, der eigentlich Informatik studiert hat.

In São Paulo kann man überall Spuren japanischer Kultur sehen.

Arthur Ortega

Auch seine Heimatstadt hat Arthur beeinflusst. In Brasilien lebt mit 1,8 Millionen Menschen die größte japanische Gemeinschaft im Ausland, die meisten von ihnen im Bundesstaat São Paulo. Insbesondere der Bezirk Liberdade ist als Epizentrum der japanischen Kultur Brasiliens bekannt. „In São Paulo kann man überall Spuren japanischer Kultur sehen“, erzählt Arthur. „In Liberdade findet man japanische Architektur, Küche und alles, was man sich so vorstellen kann. Brasilianische und japanische Kultur vermischen sich dort.“

Arthurs Zeichnungen kommen gut an. Auf Instagram folgen ihm bereits über 2.000 Menschen, obwohl er erst 21 Zeichnungen veröffentlicht hat. „Ich hätte nie gedacht, dass meine Bilder jemanden interessieren“, sagt Arthur. „Es hat mich überrascht, so viel Liebe und positives Feedback zu bekommen. Das hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben, weiterzumachen.“ Sein Traum: Endlich selbst mal nach Japan zu reisen und die Häuser live zu sehen, die er zeichnet.