Aschenbrödel, Der Grinch und Kevin allein zu Haus: Wir haben beliebte Weihnachtsfilme auf Sexismus geprüft

Wir haben uns fünf der größten Klassiker angeschaut und wissen jetzt, welche in Genderfragen punkten – und welche ihr allerhöchstens ironisch gucken solltet.

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Wir haben diese beliebten Filme einem Stereotypen-Check unterzogen. Bilder: Universal / Studio Canal / Disney / Twentieth Century Fox / Filmstudio Barrandov Collage: ze.tt

Vollgefressen und eingemummelt auf der Couch liegen und zum 80. Mal denselben Film anschauen – das gehört zu den Weihnachtstagen einfach dazu. Und weil Weihnachten ist, braucht man es auch mal nicht so genau zu nehmen und kann den Sexismus, der in einigen Filmen verarbeitet ist, verschmerzen, oder? Nein, kann man nicht. Wir haben uns fünf der größten Klassiker angeschaut und sie auf stereotype Rollenbilder, Frauenanteil und Sexismus überprüft:

Der Grinch / How the Grinch stole Christmas

Darum geht’s: Ein Städtchen, das übertrieben auf Weihnachten steht, und ein grünes Monster.

Wahrscheinlich existiert Jim Carrey einzig und allein, um als grüne Weihnachtsspaßbremse in dieser überzeichneten Weihnachtsextravaganza zu brillieren. Die Whos von Whoville lieben Weihnachten. Aber der Grinch hasst es. Denn als Kind wurde er gehänselt, weil er grün ist – deshalb muss er den Whos das Fest dringend vermiesen. Diese Kinderbuchadaption ist in jeglicher Hinsicht überzeichnet und enthält entsprechend auch schmerzhaft überzeichnete Frauenfiguren wie Martha May Whovier. Dafür aber ist die Hauptfigur Cindy Lou Who ein unerschrockenes Mädchen, das neugierig und abenteuerlustig ist und selbstständig die Handlung vorantreibt. Pluspunkte gibt es außerdem für den Nebenaspekt, dass der Grinch zwei Mütter hat – was in Whoville offenbar normal ist und nicht weiter kommentiert wird.

Fazit: Wir wollen kein Grinch sein und sagen: Besteht mit Auszeichnung!

Läuft: Auf ZDFneo am 23. und am 1. Weihnachtstag

Kevin allein zu Haus / Home alone

Darum geht’s: Familie fliegt nach Frankreich und vergisst Kevin zu Hause. Dann kommen Einbrecher.

Handelnde Frauen sind rar in dieser klassischen Weihnachtskomödie. Die Haupthandlung spielt sich zwischen Kevin, den beiden Kleinkriminellen Joe und Daniel und dem Nachbarn Marley ab. Kevins Mutter tritt nur als Mutter-Stereotype auf und ist für die Story nebensächlich. Den Bechdel-Test besteht der Film zwar, aber nur ganz knapp, weil sich Mutter McCallister und Tochter Heather kurz darüber unterhalten, ob Heather auch alle einmal durchgezählt hat. Ansonsten tappt Kevin allein zu Haus in die klassische Kinderfilmfalle: Männliche Charaktere sind für alle da, weibliche nur für Mädchen.

Fazit: Wer auch mal ein Mädchen sehen will, das gute Gerätschaften bastelt, muss stattdessen „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ anschauen.

Läuft: Auf Sat1 an Heiligabend und am 2. Weihnachtstag sowie auf Netflix

Die Eiskönigin – völlig unverfroren / Frozen

Darum geht‘s: Eine Prinzessin begibt sich auf die Suche nach ihrer älteren Schwester.

Wir vergessen einfach den onkeligen deutschen Titel, okay? Frozen ist noch ein sehr junger Weihnachtsklassiker, gehört aber definitiv dazu. Mit dieser Merchandise-Geldmaschine hat sich Disney aus der Falle der Klischee-Prinzessinnen befreit. Millionen Eltern atmeten auf, weil sie ihren Töchtern endlich Rucksäcke und Brotboxen mit einer positiven Frauenfigur kaufen konnten. Eiskönigin Elsa ist eine mächtige Zauberin, sie ist nicht auf der Suche nach einem Prinzen und ihre größte Widersacherin ist keine böse Hexe oder Stiefmutter – sondern sie selbst und ihre Unsicherheiten. Frozen greift die Idee von Wicked auf, weiblichen Bösewichtinnen ihre eigene Geschichte zu geben. Ein Trend, der sich in Maleficent und The Huntsman and the Ice Queen fortsetzt. Allerdings haben wir dann doch zwei Minuspunkte gefunden: Erstens wird Elsa ein bisschen arg sexualisiert dargestellt. Und dann ist da noch der Subtext mit den weiblichen Emotionen, die eine kaum zu kontrollierende Naturgewalt sind… hmm…

Fazit: Schwierig, einerseits fortschrittlich, andererseits… ach wisst ihr was? Let it gooooooo!

Läuft: Am 23. zur Primetime auf RTL. Nicht bei den Streamingdiensten.

Tatsächlich… Liebe / Love Actually

Darum geht’s: Acht parallele, miteinander verwobene Liebesgeschichten in London.

Vorhang auf für den heterosexuellsten Film aller Zeiten. Ja, Tatsächlich… Liebe ist ein schöner Film, er ist witzig, britisch und macht Spaß, und vielleicht sollte man lieber nicht analytisch drüber nachdenken (ihr seid hiermit gewarnt). Aber acht Storylines in einem Film – und dem Autor fällt nichts anderes ein als Boy meets Girl? Schwach. Dazu kommt: Allein drei der Geschichten handeln von Männern und ihren weiblichen Angestellten. Denn wenn ein Regierungschef wie der Premierminister seiner Bediensteten auf den Leib rückt, dann finden wir das ganz reizend. Romantik ist schließlich immer dann, wenn der Mann ein bisschen mehr Macht hat und die Frau die Kekse bringt, putzt oder die Sekretärin ist. Unglücklicherweise ist Tatsächlich… Liebe ein kurzweiliger, gut gemachter Film – so ein bisschen wie eine leckere Süßigkeit mit zu viel Zuckerguss, von der einem schlecht wird, die aber zum Fest einfach dazugehört.

Fazit: Nur als Studie über Sexismus und Heteronormativität betrachten, über die man sich herrlich aufregen kann.

Läuft: Auf ZDFneo am 2. Weihnachtstag spätnachts, jederzeit aber auf Netflix und Amazon Prime Video

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel / Tři oříšky pro Popelku

Darum geht’s: Müssen wir das dazusagen?

Zwar ist es immer noch die Cinderella-Story – aber den diversen Hollywood-Versionen hat diese ostdeutsch-tschechische Produktion von 1973 einiges voraus. Möglicherweise, weil eine Frau diese Variante des Märchens geschrieben hat: Die tschechische Schriftstellerin Božena Němcová, die im 19. Jahrhundert gelebt hat. Němcová soll eine unabhängige, eigensinnige Frau gewesen sein, die sich nicht darum gesorgt hat, was sich für Frauen gehört und was nicht. Und so hat auch ihr Aschenbrödel jede Menge Attitude. Anstatt die ganze Zeit zu putzen und zu singen, reitet sie aus. Nicht Vögel, Mäuse oder Feen bringen ihr, was sie braucht, sie selbst ergreift die Initiative. Und der Prinz verliebt sich nicht etwa in sie, weil sie „so schön“ ist, sondern weil ihm ihr Selbstbewusstsein imponiert. Fun Fact: Aschenbrödel ist nur zufällig ein Weihnachtsklassiker. Die Dreharbeiten mussten aus organisatorischen Gründen in den Winter verschoben werden, daher der ganze Schnee.

Fazit: Drei von drei Haselnüssen! Prädikat wertvoll!

Läuft: Auf allen Regionalprogrammen an den Weihnachtstagen sowie auf Netflix und Amazon Prime Video