Auch 2018 arbeiten kaum Frauen in Ministerien, doch die Regierung sagt: Passt schon

Viele haben sich über das ausschließlich männlich besetzte Heimatministerium aufgeregt. In vielen anderen Ministerien verhält es sich ähnlich. Dennoch sieht sich die Bundesregierung auf einem guten Weg. 

Frauenanteil Bundesregierung: 29 Prozent der Jobs von Frauen besetzt

Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat: Das Foto wurde mittlerweile gelöscht. Screenshot Twitter

„Eine gleichstellungspolitische Bankrotterklärung“ nennt es die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Britta Haßelmann. „Die Bundesregierung steht bei der Gleichstellung von Frauen in den eigenen Reihen praktisch auf der Standspur“, sagte sie der dpa. Eigentlich hat die Bundesregierung ein klares Ziel: In dieser Legislaturperiode will sie den Fokus auf die Gleichstellung von Männern und Frauen in Führungspositionen legen.

Das heißt konkret, bis 2025 sollen im öffentlichen Dienst 50 Prozent der Top-Positionen mit Frauen besetzt sein. Ein Sprecher des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sagt zu ze.tt: „Das Bundesfamilienministerium hat dieses Ziel bereits erreicht, andere Ministerien haben dagegen noch Nachholbedarf.“

Eine schnelle Entwicklung sieht anders aus

Und der ist zum Teil ganz schön hoch: Die Grünen hatten dazu im Bundestag eine Anfrage gestellt. Wie folgende Grafik zeigt, ist der Frauenanteil in der Bundesregierung in den vergangenen vier Jahren kaum gestiegen.

Die Bundesregierung lässt trotz dieser Zahlen nach Angaben der dpa verlauten, man befinde sich „auf einem guten Weg“. Nicht nur die Grünen finden jedoch: Eine schnelle Entwicklung hin zu mehr Frauen an der Spitze sieht anders aus. Ulla Schauws, die frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, sagt dazu: „Die schönen Worte zur Gleichstellung im Koalitionsvertrag zerbröseln geradezu, schaut man sich die Zahlen in den Ministerien mal genau an“ und spricht von einem „peinlichen Armutszeugnis für diese Bundesregierung und eine schmerzlich vertane Chance für Geschlechtergerechtigkeit.“ Britta Haßelmann twitterte, wenn es im jetzigen Tempo weitergehe, sei das Ziel in Jahrzehnten noch nicht erreicht.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Wer bei der Besetzung von Führungspositionen nach wie vor alleine auf Männer setzt, schöpft nicht alle Potenziale aus und bleibt unter seinen Möglichkeiten. Abgesehen davon sind reine Männerclubs auch wirklich nicht mehr zeitgemäß.“ Und selbst aus den Reihen der CDU werden Stimmen laut, die mehr Frauen in Führungspositionen fordern. So äußerte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther laut der dpa: „Eine moderne Partei muss heute die Hälfte der Macht auf die Geschlechter verteilen“.

Welche Maßnahmen sind geplant?

Bleibt die Frage, warum die modernen Parteien das bis heute nicht geschafft haben – und wie sie das Ziel bis 2025 überhaupt erreichen wollen. Das Familienministerium verweist in seiner Stellungnahme darauf, dass im 2015 novellierten Bundesgleichstellungsgesetz verschiedene Maßnahmen vorgesehen seien, um den Frauenanteil im öffentlichen Dienst zu erhöhen: „Es wurde ein Gleichstellungsstellungsindex eingeführt, der die Entwicklung der Frauenanteile in Führungspositionen in der Bundesregierung misst und transparent macht.“

[Außerdem auf ze.tt: Ausschließlich Männer: Seehofer präsentiert sein Heimatministerium]

Zusätzliche Transparenz soll das interaktive Daten-Tool auf der Internetseite des Ministeriums schaffen. Es zeigt, wie viel Prozent der Stellen in den Bundesbehörden von Frauen besetzt sind. Der Sprecher teilte mit, dass sowohl die Bundesverwaltung als auch die Bundesministerien Zielvorgaben hätten, um ihren Frauenanteil zu steigern. Die Bundesregierung werde die Wirksamkeit aller Maßnahmen untersuchen und die Ergebnisse 2019 vorlegen. Was passiert, wenn die Quote am Ende nicht erreicht wird, sagte er allerdings nicht.