Diese Männer zeigen auf Twitter, dass es völlig okay ist, sich zu umarmen

Ein rechter US-Moderator verhöhnt ein Foto von Joe Biden und dessen Sohn Hunter. Twitter-Nutzer reagieren daraufhin mit eigenen Vater-Sohn-Aufnahmen.

Twitter-Biden-Männlichkeit
Ja, genau danach sieht es aus, John Cardillo. Screenshot: © Twitter / John Cardillo / Bearbeitung: © ze.tt

Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt den US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden und seinen Sohn Robert Hunter Biden. Sie halten sich fest umschlungen, Joe Biden hat eine Hand im Nacken seines Sohnes und küsst ihn auf die Wange. Es ist eine intime Geste zwischen Vater und Sohn, das Bild zeugt von Vertrautheit, Liebe und Zuneigung.

Vergangene Woche ging das Bild im Netz viral. John Cardillo, TV-Host des rechten Mediennetzwerkes Newsmax, hatte das Foto auf Twitter gepostet. „Schaut das für euch nach einer angemessenen Vater-Sohn-Interaktion aus?“, fragte er. Die von ihm nahegelegte Antwort: Nein, so sollte Zuneigung zwischen zwei Männern, Vater und Sohn, nicht aussehen.

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In wenigen Tagen kommentierten fast 70.000 Menschen den Post. Von manchen Nutzer*innen wurden Beileidsbekundungen ausgesprochen, dass das Verhältnis von Cardillo zu seinem Vater wohl nicht so gut war, wenn er sich über die körperliche Nähe zwischen Vater und Sohn echauffiere. Viele posteten auch Fotos von Donald Trump, auf denen er seine Tochter Ivanka Trump küsst oder im Arm hält. Ob diese Interaktion angemessener sei, lautet die Frage.

Ich würde alles dafür geben, meinen Vater wieder zu umarmen und zu küssen, auch als 34-jähriger Mann.

Wess Pasour

Auch die Journalistin und Feministin Liz Plank teilte das Bild, zusammen mit einem Aufruf: „Können Männer hierauf mit einem Bild antworten, auf denen ihr Vater sie umarmt?“ Sie bekam Dutzende Fotos von Männern, die kein Problem damit haben, ihre Väter oder Söhne herzlich zu umarmen. Viele erzählten von ihrem besonderen Verhältnis.

Zum Beispiel Bukan Anggi, der schrieb: „Wegen der internalisierten Homophobie habe ich mich immer komisch gefühlt, wenn ich meinen Papa umarmte. Jetzt wird mir klar, dass ich ihn öfter hätte umarmen sollen als nur bei diesem Fototermin.“ Oder Wess Pasour, der twitterte: „Ich würde alles dafür geben, meinen Vater wieder zu umarmen und zu küssen, auch als 34-jähriger Mann.“ Der Twitter-Nutzer Daz James schrieb: „Mein Vater war immer schon der Typ, der seine Söhne umarmt, sie zum Abschied oder zur Begrüßung auf die Wange küsst und ihnen sagt ‚Ich liebe dich‘. In unserer Familie gibt es keine toxische Maskulinität.“

Der Wettkampf um die Männlichkeit

Es ist nicht das erste Mal, dass rechte Journalist*innen und Kommentator*innen Joe Biden in Bezug auf dessen Männlichkeit attackieren. Bei einer Wahlkampfveranstaltung sagte Biden in Bezug auf Donald Trump: „Was hat es mit diesem Macho-Ding auf sich: ‚Ich werde keine Maske tragen‘?“ Daraufhin twitterte die Fox-News-Kommentatorin Tomi Lahren: „Du könntest genauso gut eine Handtasche mit der Maske tragen, Joe.“

Trump hat die Wahl in einen Männlichkeitswettbewerb verwandelt.

David Collinson und Jeaff Hearn, Professoren

Auch Trump selbst unterstellte Biden wiederholt, schwach zu sein. Er griff Bidens physische Konstitution an, behauptete, Biden nähme Mittel, um seine Leistungen bei Debatten zu steigern, und beschrieb seinen Konkurrenten als gebrechlich und langsam.

Der US-Wahlkampf sei nicht mehr nur ein Wettstreit zweier Parteien, so die Professoren David Collinson und Jeff Hearn. Es sei auch der Wettkampf zwischen zwei Bildern von Männlichkeit. „Obwohl beide Protagonisten weiße, alte, wohlhabende Männer sind, verkörpern sie zwei konkurrierende Männlichkeitsideale: das eine autoritär, das andere paternalistisch“, schreiben sie in ihrem Essay Trump v Biden: a duel of contrasting masculinities. „Dadurch, dass er sich als der ’starke, männliche Führer‘ definiert und Biden für seine sogenannte ’schwache‘ Männlichkeit erniedrigt, hat Trump die Wahl in einen Männlichkeitswettkampf verwandelt.“

Amerika braucht eine große warme Umarmung – und es braucht einen Präsidenten, der Mann genug ist, das zu tun.

Liz Plank

Das kommt nicht bei allen gut an, wie die Dutzenden Fotos von Männern zeigen, die ihre Söhne oder Väter gerne umarmen und darin keine vermeintliche Schwäche sehen. Die Journalistin Liz Plank kommentierte auf MSNBC: „Ich will in einer Welt leben, in der Jungen mehr und nicht weniger umarmt werden. Besonders in einem der dunkelsten Jahre in der Geschichte der Nation. Amerika braucht eine große warme Umarmung – und es braucht einen Präsidenten, der Mann genug ist, das zu tun.“

th