Aya Jaff erklärt, warum Börse für alle etwas ist

Aya Jaff ist eine der erfolgreichsten Programmierer*innen in Deutschland. Mit 15 fing sie an, sich mit Geldanlage und Börse auseinanderzusetzen und findet: Das sollte jede*r tun.

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Börse ist ihr Hobby (ja, wirklich): Aya Jaff. Foto: © Felix Birkenseer

Mathematik war in der Schule nie ihr Ding, sagt Aya Jaff. Überhaupt die ganzen MINT-Fächer, einfach nicht ihre Stärke. Lange hatte sie deshalb das Gefühl, die Finanzwelt sei nichts für sie. „Wie eine Jacke, die mir zu groß ist.“ Gut mit Zahlen umgehen zu können, so fand Aya heraus, ist aber nur ein Teil des Börsengeschäfts. Vor allem muss man Zusammenhänge zwischen Politik und Wirtschaft verstehen, vorausschauend denken können und die Welt als Ganzes betrachten. Genau das fand Aya faszinierend.

So lässt sich dann auch verstehen, dass es zum Beispiel bestimmte Unternehmen trifft, wenn US-Präsident Trump mal wieder einen seiner berüchtigten Tweets absetzt. Und dass es negative Auswirkungen auf die Aktie von Snapchat hat, wenn die Influencerin und jüngste Selfmade-Milliardärin Kylie Jenner schreibt, dass sie die App kaum noch auf ihrem Smartphone öffnet.

Börse klingt vermutlich für viele trotzdem erstmal einschüchternd, langweilig oder nach etwas für Reiche oder zumindest Menschen, die Anzug tragen. Diesem Bild will die 24-jährige Aya etwas entgegensetzen. Sie zählt heute zu den erfolgreichsten Programmierer*innen in Deutschland, hat mehrere Apps mitentwickelt und im Silicon Valley gearbeitet. Sie findet, dass das Thema Börse jede*n etwas angeht. Darüber hat sie das Buch Moneymakers geschrieben.

Ich habe einen totalen Hass auf diese Branche entwickelt, bin aber so immer weiter reingerutscht.

Geld – für viele ein Thema, über das sie nicht gern sprechen

Aya war 15 Jahre alt, als sie begann, sich näher mit den Themen Aktien und Börse zu beschäftigen. Börse sei für sie – ja wirklich – vor allem erstmal ein Hobby gewesen: „Ich hatte Hollywoodfilme gesehen wie Wolf of Wall Street, wo die Figuren immer völlig moralisch korrupt dargestellt wurden. Und es waren vor allem immer nur Männer. Ich habe einen totalen Hass auf diese Branche entwickelt, bin aber so immer weiter reingerutscht.“ Sie wollte verstehen, wie das Ganze funktioniert. Dabei ist ihr klargeworden: „Geld an sich ist nicht böse, sondern das, was du mit dem Geld tun kannst.“

Sie selbst zahlte ihren Führerschein von ihrer ersten Investition ab. Sie hatte Taschengeld in einen Dax-Fonds gesteckt. Darum, Geld zu verdienen, ging es ihr aber nie, sagt sie.

Geld ist super wichtig im Leben, ob mir das nun lieb ist oder nicht. Es macht vieles erstmal möglich.

Über Geld sprechen, das machen viele Menschen nur ungern. Das ist auch Ayas Erfahrung. Ihr scheint es so, als hätten viele eine sehr emotionale Beziehung dazu. „Geld ist aber super wichtig im Leben, ob mir das nun lieb ist oder nicht. Es macht vieles erstmal möglich. Vom Dach überm Kopf und was ich am Körper trage bis zu Dingen mit emotionalem Wert. Was für ein Leben kann ich meinen Großeltern ermöglichen? Muss ich sie im Alter in ein Heim schicken? Welche Medikamente, welche Gesundheitsvorsorge kann ich mir leisten? Das ist ganz existenzdefinierend.“

Mit ihrem Interesse an Börse ist Aya in ihrem Umfeld trotzdem auch auf Unverständnis gestoßen. „Einmal führte ich ein so emotional aufgeladenes Gespräch mit einer guten Freundin, dass wir anschließend Jahre nicht mehr miteinander sprachen. ‚Wieso willst du denn ein Teil dieser Gesellschaft werden?‘, fragte sie mich empört.“ Mit „dieser Gesellschaft“ spielte Ayas Freundin wohl auf das an, was Börse eben auch ist: ziemlich mächtig. So betonte beispielsweise der US-Demokrat Bernie Sanders in seinem Wahlkampf immer wieder, wie groß der Einfluss der Wall Street auf die US-Gesellschaft sei – und die daraus erwachsenden sozialen Ungerechtigkeiten.

Aya findet es gerade deshalb wichtig, dass sich mehr Menschen mit dem Thema auseinandersetzen. Selbstermächtigung durch Wissen, sozusagen. „Ich glaube, ein Teil der Diskussion sollte sein, zu üben, kritisch über Finanzangebote nachzudenken. Sich einzulesen schützt oftmals vor denen, die böse Absichten haben. Über Geld zu sprechen, muss zu etwas Normalem werden. Angefangen bei Gehaltsvergleichen bis hin zur Auswahl des ETF-Sparfonds. Das ist auch eine Lehre aus der Finanzkrise 2008.“

Börse kann Spaß machen, gerade, wenn du jung bist und deinen Charakter darüber widerspiegeln möchtest.

Gerade jüngere Menschen hinterfragen jedoch Kapitalismus zunehmend und grundlegend. Aya sieht sich als Teil dieser Generation und hält das kapitalistische System ebenfalls nicht für fehlerfrei, plädiert aber dafür, sich mit Kapitalismus zu beschäftigen, gerade wenn man ihn kritisieren will. Dazu gehöre für sie auch, zumindest einmal Aktien gekauft und verkauft zu haben und zu durchblicken, wie ein Fonds funktioniert.

Und: Aya glaubt daran, dass sich Kapitalismus mit Werten wie Nachhaltigkeit in Einklang bringen lässt: „Wenn du zum Beispiel bei Fridays for Future bist und vielleicht schon deine Ernährung auf vegetarisch umgestellt hast, ist es doch genauso eine Überlegung wert, was du mit deinem Geld machst. Ob du es auf einem Sparbuch lässt oder es in einen Fonds investierst, der auf saubere Energien setzt. Börse kann Spaß machen, gerade, wenn du jung bist und deinen Charakter darüber widerspiegeln möchtest.“

Ist die Krise gerade eine gute Zeit, um an der Börse einzusteigen?

Sich zu informieren und anzufangen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sei zu jedem Zeitpunkt gut, findet Aya, auch in der Corona-Krise. Wenn sie sich jedoch in ihrem Bekanntenkreis umschaue, wo gerade kaum jemand viel Geld übrig habe, würde sie davon abraten, jetzt in Aktien zu investieren. Erst sollte man sich eine gewisse Summe, mehrere Nettogehälter, zusammensparen, um auch mit der nötigen Sicherheit an die Sache herangehen zu können.

„Mein Tipp für Leute, die durch die Corona-Krise erstmals in Aktien investieren möchten, ist: Ruhe bewahren. Ich habe das Gefühl, das ist die größte Schwäche bei Menschen, die mich gerade fragen, ob sie investieren sollen. Gleiches gilt für die, die im Moment über den Aktienverkauf nachdenken: Die meisten verlieren Geld, weil sie die Panik packt. Sie haben vielleicht irgendwann mal eine gute Entscheidung getroffen, aber sind nicht bei ihr geblieben.“ Börse zu verstehen, sagt Aya, sei in jedem Fall ein Langzeitprojekt.


Das Buch Moneymakers von Aya Jaff ist im FinanzBuch Verlag erschienen.

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