Baby, Schatz und Bärchi – Was Kosenamen über eure Beziehung aussagen

Baby oder Schatz – kreativer wird’s meistens nicht. Warum vergeben Paare überhaupt Spitznamen? Unsere Autorin hat eine Paartherapeutin gefragt.

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Schaaaaatz? Foto: LexScope / Unsplash | CC0

„Mein Baby gehört zu mir.“ Ich weiß noch ganz genau, wie ich Patrick Swayze diesen Satz zum allerersten Mal sagen hörte und damals innerlich dahin schmolz. Damals war ich 14 Jahre, auf dem Geburtstag einer Freundin und einen Spitznamen wie Baby zu bekommen, war einer der Gründe, wieso ich mir einen dieser Willst-du-mit-mir-gehen-Zettel wünschte. Kosenamen, so fand ich damals, seien niedlich und ein ganz besonderer Liebesbeweis. Die Tatsache, endlich ein Schatz, Liebling oder Baby für jemanden zu sein, markierte die Schwelle zum Erwachsensein.

Heute, 17 Jahre später, sehe ich das ein bisschen anders. Auch wenn ich inzwischen erwachsen bin und in meinen bisherigen Beziehungen so einige Spitznamen angesammelt habe, ein Baby war nie dabei. Zum Glück, wie ich finde, denn wenn es nach mir geht, gibt es von den ganzen Baby-‚ Schatz- und Liebling-Paaren schon mehr als genug. Wenn es um Beziehungen geht, möchte ich besonders für jemanden sein, eben so wie Mrs. oder Mr. Big. Wenn ich aber den gleichen Kosenamen trage wie meine drei Vorgängerinnen und zehn Freund*innen aus meinem Bekanntenkreis, wirkt das für mich irgendwie austauschbar. Wieso benutzen trotzdem so viele Paare Standard-Spitznamen, und was sagen all die verschiedenen „mein Schatz“, „Bärchi“, „Hasi“ und „Maus“ über die Beziehung aus?

Kosenamen wie Baby und Schatz sollen zeigen: „Wir gehören zusammen“

„Die meisten Paare geben sich gleich zu Beginn einer Partnerschaft Kosenamen, bis sich ein Name dann etabliert hat“, sagt Paartherapeutin Christine Geschke. Die Diplom-Psychologin berät in ihrer Hamburger Praxis Paare in Beziehungsfragen und hat dabei schon so manchen Schatz, Liebling und Bären kennen gelernt. Kosenamen, so erklärt Geschke, sind eine Art Statement nach außen und innen. Während wir oft noch rumrätseln, was das eigentlich ist, was wir da aktuell haben, ist die Sache, sobald man als „mein Schatz“ oder Liebling bezeichnet wird, relativ eindeutig. Geschke sagt: „Gerade in der heutigen Zeit, in der Beziehungen immer unverbindlicher werden, sind Kosenamen ein Zeichen von Verbundenheit und Vertrautheit.“

Laut einer Parship-Studie nennt in Deutschland jede*r dritte*r Befragte den*die Partner*in Schatz. Sonderlich kreativ scheinen viele Paare also nicht, wenn es darum geht, sich einen Kosenamen für den*die Partner*in einfallen zu lassen. Sollten sie?

„Gerade Standardnamen wie Baby und Schatz zeigen auch nach außen hin ganz unmissverständlich eine Zugehörigkeit“, sagt Frau Geschke. „Oft treten solche Namen auch in der Verbindung mit dem Personalpronomen ‚mein‘ auf und gleichen dann einem Bekenntnis.“ An solchen Kosenamen könne so schließlich jede*r erkennen, um was für eine Art von Verbindung es sich bei zwei Menschen handele.

Je spezieller der Name, desto unkonventioneller die Beziehung?

Was ist mit unkonventionellen Namen? Ich denke an meine beste Freundin, die ihren Inzwischen-Ehemann seit der ersten Begegnung Computerheini nennt, während er für sie immer noch gern den Spitznamen Bankliese verwendet. Oder an den Kollegen, der seine Freundin Schrumpfkopf nennt, oder die tausend Abwandlungen von Nina zu Ninchen, Nine, Nini, Ninette, die meine Ex-Freunde mir schon gegeben haben. Was ist, wenn wir nicht Baby, nicht Schatz, sondern jemand ganz anderes sind?

„Paare, die sich mit sehr verrückten Namen ansprechen, zeigen damit, dass sie selbst auch eher unkonventionell sind“, sagt Frau Geschke. Neben dem Wunsch, anders als die anderen zu sein, zeigten solche Namen aber auch eine besondere Vertrautheit. „Meistens entstehen solche sehr speziellen Namen erst später innerhalb einer Beziehung“, sagt Frau Geschke. Je persönlicher der Kosename ist und je mehr Charaktermerkmale er enthält, desto mehr muss man seine*n Partner*in schließlich bereits kennen. „Bei solchen Kosenamen sollte man nur darauf achten, dass sie nicht verletzend benutzt werden“, sagt Christine Geschke. Charaktereigenschaften mit einem Namen zu betonen, sei die eine Sache. Auf Schwächen herumzureiten die andere.

Gerade in der heutigen Zeit, in der Beziehungen immer unverbindlicher werden, sind Kosenamen ein Zeichen von Verbundenheit und Vertrautheit.

Christine Geschke, Paartherapeutin

So ganz unkompliziert ist aber auch der Gebrauch von Schatz, Liebling und Co. nicht. „Bei manchen gängigen Kosenamen kann ganz schnell ein Machtverhältnis ausgedrückt werden“, sagt Christine Geschke, „das ist natürlich Gift für eine Beziehung“. Wer zum Beispiel Baby von der*dem Partner*in genannt wird, sollte sich gut überlegen, welchen Spitznamen er*sie für sein Gegenüber verwendet. Denn der Spitznamen Baby könne noch so lieb und gut gemeint sein; wenn diesem Kosenamen ein „Tiger“ gegenübergestellt wird, assoziiere man damit automatisch nicht nur Niedliches, sondern eben auch ein Stück weit Hilfsbedürftigkeit.

Am liebsten gehöre ich mir

Auch Namen wie Mama oder Mutti beziehungsweise Papi und Vati seien nicht gerade förderlich für eine Beziehung, sagt Geschke. „Solche Kosenamen zeigen an, dass man sich nicht mehr als Liebespaar ansieht, sondern nur noch die Elternrolle vor Augen hat.“ Womit dann auch die eigentliche Funktion des Spitznamens verfehlt wäre, denn eigentlich sollen diese ja positive Assoziationen wecken und sich wie ein Kompliment anfühlen.

„Spitznamen sind so etwas wie eine verbale Liebkosung“, sagt Christine Geschke. Egal, ob wir nun ein Baby oder eine Bankliese sind, wird damit Emotionalität in einer Beziehung ausgedrückt. Womit sich Partner*innen nun aber wohlfühlen, muss jedes Paar für sich selbst entscheiden. Wer so richtig unkonventionell sein will, nennt sich sowieso ganz nüchtern beim eigenen Namen. Das machen nur rund 16 Prozent aller befragten Paare und wenn es nach Christine Reschke geht, ist auch daran nichts Verwerfliches: Wer den*die Partner*in beim richtigen Namen nenne, zeige damit Respekt und eine Abgrenzung der beiden Persönlichkeiten, so Geschke.

Hat doch auch was, finde ich. Denn so sexy der Satz „Mein Baby gehört zu mir“ für mich früher auch klang: Am liebsten gehöre ich mir selbst.