Bahnstreik: So verbringen Menschen die Wartezeit

Viele Pendler*innen mussten sich am Montagmorgen gedulden: Ein bundesweiter Streik legte den Bahnverkehr lahm. Wir haben mit den Wartenden gesprochen und sie gefragt, wie sie die Zeit totschlagen.

Bahn-Streik: So verbringen Menschen die Wartezeit

Menschen suchen neben streikender Bahn am Alexanderplatz nach Alternativen. Foto: Getty Images/ Sean Gallup

In ganz Deutschland kam es am Montagmorgen zu Ausfällen und Verspätungen von Zügen und Bahnen. Mit dem Beginn des Berufsverkehrs hat die Deutsche Bahn ihren Fernverkehr am frühen Morgen bundesweit eingestellt, das teilte das Unternehmen mit und reagierte damit auf die angekündigten Warnstreiks der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Betroffen waren demnach alle ICE- und IC-Züge, die zunächst bis zum offiziell angekündigten Ende des Ausstands um neun Uhr am Montagmorgen nicht fahren sollen. Auch danach, so ein Bahn-Sprecher, wird es „noch den ganzen Tag dauern“, bis die Züge wieder pünktlich fahren. Auch der Regional- und S-Bahn-Verkehr ist und bleibt eingeschränkt.

Warum ist alles verspätet?

Züge und Bahnen sind verspätet oder fallen aus, weil die Bahnmitarbeiter*innen streiken. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verlangt mehr Geld für die Beschäftigten der Bahn. Am vergangenen Samstag hatten die Arbeitnehmervertreter*innen die Verhandlungen für rund 160.000 Beschäftigte abgebrochen. Der Konzern sei ihnen bei der Lohnerhöhung nicht weit genug entgegengekommen.

Wegen des Streiks stecken in ganz Deutschland Menschen in Zügen und auf Bahnhöfen fest. Wir haben sie gefragt, wie sie die Wartezeit totschlagen:

Jennifer Dunker, 25, auszubildende Köchin

„Das Warten ist endlich vorbei! Ich bin heute Morgen in Hagenow Land losgefahren Richtung Parchim. Ich habe 2,5 Stunden im Zug gewartet. Ab 6:30 Uhr saß ich im Zug und vertrieb mir die Zeit mit Musikhören und ging zwischendurch rauchen. Verständnis hab ich für den Streik schon irgendwie, aber dennoch sollte der Bahnverkehr nicht darunter leiden. Es müssen ja nicht alle streiken, sondern nur ein Teil.“

Simon, 32, Digitale Kommunikation

„Ich warte seit eineinhalb Stunden und sitze im Nachtzug von Wien nach Berlin. Trotzdem hab ich Verständnis. Streik hat immer so viele verschiedene Facetten. Da kann man in den seltensten Fällen ‚bin dafür‘ oder ‚bin dagegen‘ sagen. Ich hätte mir zwar einen schöneren Ort zum Warten als Frankfurt a. d. Oder gewünscht, aber man kann es sich nicht immer aussuchen. Die Wartezeit verbring ich damit Bilder am Laptop zu bearbeiten, was mir eh recht ist, dann hab ich Berlin mehr Zeit welche zu machen.“

Jana, 33, Einzelhandel

„Ich wäre heute Morgen um acht Uhr von Andernach nach Koblenz in die Arbeit gefahren, aber mein Zug ist wegen des Streiks ausgefallen. Ich war bereits um sieben Uhr da, hab nach Alternativen gesucht und bin zwei Stunden am Bahnhof herumgelaufen. Dabei musste ich immer wieder die Infos von der App mit den Durchsagen vergleichen, da sie sich unterschieden. Nachdem nichts fuhr, habe ich mich freistellen lassen und bin jetzt zu Hause.“

Patricia, 30, Gesundheits- und Krankenpflegerin

„Ich warte noch. Losfahren wollte ich in Offenbach nach Bad Soden Salmünster. Ich verbringe die meiste Zeit mit dem Handy und mit rauchen auf dem Bahnsteig. Da ich selbst Gesundheits- und Krankenpflegerin bin und auch genug Gründe zum Streiken hätte, finde ich es verständlich, wenn Berufsgruppen, die die Möglichkeit haben, ihr Streikrecht wahrnehmen. Aber gerade die DB/EVG streikt gefühlt am meisten und dafür finde ich den Laden absolut unorganisiert. Das könnte alles anders laufen, was die Informationen und des Ersatzverkehr betrifft. Da kümmert sich keiner, beziehungsweise man bekommt immer dieselben sinnlosen Angebote zur Hilfe gestellt, wie zum Beispiel in den Kommentaren unter meinem Post auf der Facebook-Seite. ,Rufen Sie doch an, aber leider ist alles überlastet‘, so was nervt und trägt nicht wirklich dazu bei, dass man das Gefühl bekommt die DB sei eine organisierte Institution. Man bezahlt einen Haufen Geld, verbringt ohnehin schon das ganze Jahr über zu viel Zeit damit auf seinen Zug zu warten und wenn ein Warnstreik kommt, funktioniert gar nichts mehr.“

Katja, 42, Versicherungsangestellte

„Ich wollte nach Hannover, wohne im Umland und fahr circa 15 Minuten mit der Bahn. Weil da heute bestimmt die Hölle los ist, hab ich mir spontan frei genommen. Ich bin nach Hause gegangen, so nutze ich die Zeit wenigstens, um andere Sachen noch zu erledigen. Grundsätzlich hab ich Verständnis für den Streik. Das letzte Mal war das aber besser angekündigt, da wusste ich gleich, dass meine Bahn nicht fährt. Heute war davon nichts zu lesen und der Ausfall spontan, das finde ich ärgerlich, denn dann hätte ich anders geplant.“