Bei den Oscars muss der „Beste Film“ künftig Diversitätskriterien erfüllen

Die Filmbranche ist männerdominiert. Die Academy-Awards verschärfen deshalb ab 2024 ihre Regeln für Anwärter*innen und wollen so Diversität und Inklusion im Film fördern.

92nd Annual Academy Awards - Backstage
Die südkoreanische Produzentin Kwak Sin-ae hält einen der Oscars in der Hand, die Parasite gewonnen hat. Der Film schrieb Geschichte, weil er als erste nicht-US-amerikanische Produktion in der Kategorie Bester Film gewann. Foto: © Matt Petit / Handout / A.M.P.A.S. / Getty Images

US-Film- und Serien-Produktionen sind hauptsächlich in Männerhand – durch alle Ebenen hinweg. Das zeigen Studien regelmäßig. So sind es überwiegend Männer, die in Hollywood Skripte schreiben, Regie führen und über Budgets bestimmen (Diversitätsreport der UCLA). Es sind überwiegend Männer, die Skripte fürs Fernsehen schreiben (Untersuchung des Think Tanks For Inclusion and Equity). Und am Ende sind es allen voran Männer, die Filme und Serien in der Presse bewerten (Thumbs-Down-Report). Zwar finden allmählich Veränderungen in der Branche statt. Doch Frauen, BIPoC, queere und behinderte Menschen sind in der Film- und Serienwelt nach wie vor unterrepräsentiert.

Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die jährlich die Oscars vergibt, hat sich deshalb vorgenommen, mehr Diversität und Inklusion im Film zu fördern. Dafür verändert die Academy ab 2024 die Regeln für die Kategorie Bester Film. Dann müssen Beiträge mindestens zwei von vier Diversitätskriterien erfüllen, um beim Filmpreis berücksichtigt zu werden. Welche Kriterien sie erfüllen, können Filmproduzent*innen selbst entscheiden.

Zwei von vier Kriterien müssen erfüllt sein

Die Filmproduzent*innen können entweder bei der Rollenvergabe auf Diversität und Inklusion achten, beim Inhalt des Films, bei der Besetzung des Produktions- und Marketingteams oder sie können Angehörige von Minderheiten mit Jobs und Praktika bei der Produktion fördern. „Wir glauben, dass diese Inklusionsstandards ein Katalysator für dauerhaften, wichtigen Wandel in unserer Industrie sein werden“, heißt es in einer Presseerklärung von Academy-Präsident David Rubin und Geschäftsführerin Dawn Hudson.

Ab 2022 sollen Anwärter*innen auf den Oscar bereits ihre Diversitätskriterien mit angeben, zum Test der neuen Abläufe. Aber erst ab der 96. Verleihung des Preises im Jahr 2024 sollen die Anforderungen entscheidend sein.

Die Oscar-Academy unterzieht sich einer Generalüberholung

Die verschärften Regeln für den Hauptpreis der Oscars sind Teil einer groß angelegten Erneuerung der Academy. Sie ist 2016 gestartet, im Februar hatte die Academy mit der Initiative Academy Aperture 2025 eine Verlängerung angekündigt. Unter anderem wolle man die eigene Arbeitskultur überarbeiten und mehrere Förderprogramme für den Nachwuchs in der Filmbranche diverser ausrichten.

Ende August hat die Academy zudem eine neue Serie von Gesprächen angekündigt: Bei den Academy Dialogues wolle man unter anderem den Themen Race und Gender im Film eine Plattform geben. Am 10. September startet die Reihe mit dem Thema The Erasure of Latinos in Hollywood (auf Deutsch: Die Ausradierung von Latinx in Hollywood), sie wird live auf YouTube gestreamt.

Trotz aller Diversitätsbemühungen standen auch die Oscars 2020 in der Kritik. Bei der 92. Verleihung im Februar gab es keine weibliche Nominierte in der Kategorie Regie. Dabei waren zuvor die Filme Little Women von Greta Gerwig und The Farewell von Lulu Wang als mögliche Kandidat*innen für den Preis gehandelt worden. Unter dem Hashtag #OscarsSoMale erhielt die Academy für ihre Auswahl an Nominierten vielfach Kritik.

mh