Berlinale: Diese Filme feiern selbstbestimmte Frauen

Die Nase voll von Geschlechterklischees im Kino? Bei der diesjährigen Berlinale überzeugen vier Filme durch Female Empowerment.

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Diese Frauen bestimmen selbst, wo's lang geht. Foto: Flatland Productions, dffb, New Zealand Film Commission, Amazon Studios


Zur 69. Berlinale in Berlin stellen wir euch Kurzfilme und Dokumentationen vor, die gesellschaftliche Strukturen hinterfragen, Minderheiten Sichtbarkeit geben und zum Nachdenken anregen. Die Übersicht aller Beiträge findet ihr hier.


Flatland – Filmdrama, 2019

Südafrika. Nachdem Natalies (Nicole Fortuin) Hochzeitsnacht mit einer Vergewaltigung und einem Pistolenschuss endet, begibt sich die junge Frau an der Seite ihrer schwangeren Freundin Poppie (Izel Bezuidenhout) auf eine Flucht quer durchs Lands. Das Ziel: raus aus der Tristesse, ab in das hoffnungsvolle Johannesburg. Als sich die Polizistin Beauty Cuba (Faith Baloyi) an die Fersen der beiden heftet, beginnt ein absurde Irrfahrt.

Im neuen Film von Jenna Bass verpassen drei Frauen dem Patriarchat einen gut getimeten Tritt in die Leistengegend. So viel Thrill die Handlung erzeugt, so dramatisch ist die Gesellschaftskritik, die sich dahinter verbirgt, und so wichtig ist die emanzipatorische Message, die hängen bleibt. Obwohl Flatland  ein trauriges Männerbild zeichnet, handelt es sich mitnichten um einen #menaretrash-Film. Im temporeichen Filmkosmos von Flatland leiden alle Geschlechter gleichermaßen unter veralteten Rollenbildern. Stilistisch irgendwo zwischen Roadmovie und Krimi angesiedelt, sorgt Flatland durch seine zackigen Schnitte und getünchten Farben für ungeahnte Frische. Gleichzeitig fühlt sich der Plot an wie ein zweistündiges Herzschlagfinale.

Hanna – Actionserie, 2019

Ein kleines Mädchen, das irgendwo in der kühlen Wildnis bei ihrem Vater aufwächst und zu einer menschlichen Waffe ausgebildet wird. Das kommt euch bekannt vor? Richtig! Wer ist Hanna? gab es schon mal: Vor acht Jahren überzeugte Schauspielerin Saoirse Ronan im Actionfilm von Joe Wright und verlieh der Protagonistin damals diese gewisse Unterkühltheit, die Kinder in dem Alter noch nicht haben sollten. 2019 erscheint unter dem Titel Hanna die britische Adaption zum Kino-Hit von 2011. Bei der Neufassung von Regisseurin Sarah Adina Smith handelt es sich um ein Serienformat, welches künftig auch auf der Streaming-Plattform von Amazon zu sehen sein wird. Hanna prügelt, schießt und tötet sich durch Agent*innenscharen, als sie sich auf die Spuren ihrer Vergangenheit begibt. Neben einer etwas entarteten Coming-of-Age-Geschichte, zeigt die Serie eine heranwachsende Frau, die sich auch ohne die Hilfe ihres Vaters zu behaupten weiß. Esme Miles verleiht der Hauptrolle dafür das nötige Charisma.

Das melancholische Mädchen – Komödie, 2019

Ein Mädchen (Marie Rathscheck) ist auf der Suche nach einem Schlafplatz. Dabei schlendert sie durch die Großstadt und begegnet zunächst allerlei jungen Schwangeren, für die das Kinderkriegen einer Erlösung gleichkommt. Das Mädchen landet anschließend bei einem philosophierenden Mittzwanziger  in der Badewanne und sinniert über das Sein. Es folgen weitere frohe und depressive Intermezzi bei Yoga, Kunst und Alkohol. Das melancholische Mädchen wandelt zwischen zahlreichen Lebensentwürfen junger Menschen, ohne letztlich den Kopf zu verlieren. In einem Zeitalter, in dem es zu viel von allem gibt, spiegelt der Film aber auch die Probleme einer Wohlstandsgesellschaft. Hut ab für Susanne Heinrichs Spielfilmdebüt!

Vai – Filmdrama, 2019

Die junge Vai lebt auf den südpazifischen Inseln. Dort ist sie tagtäglich mit den Spannungen zwischen Umbruch und Tradition konfrontiert: Umweltprobleme, Ressourcenknappheit sowie das giftige Tête-à-Tête mit dem Nachbarstaat Neuseeland erschweren einen optimistischen Blick in die Zukunft. Doch von Frauengeneration zu Frauengeneration wäscht eine Hand die andere. So ist das entstandene Filmporträt aus Neuseeland nicht nur aufgrund der Landschaftspanoramen von zeitloser Schönheit und kurzweiliger Dauer. Die Lehre: Trotz aller lebensverneinenden Umstände macht den dort lebenden Frauen im Umgang mit Verantwortung und Gemeinschaftsgefühl niemand so schnell etwas vor. Der Episodenfilm wurde von neun pazifischen Filmemacherinnen auf sieben verschiedenen Inseln gedreht. „Vai“ bedeutet in der Sprache der Māori „Wasser“.