„Besser als Sex“: Hat es sich bei dem erfolgreichen Sex-Podcast bald ausgebumst?

Der Podcast von Leila Lowfire und Ines Anioli gehört zu den erfolgreichsten Deutschlands. Nun ist die eine schwanger, während die andere nicht mehr über Sex sprechen möchte.

Show Sexvergnuegen in Berlin

YouTuberin Ines Anioli und Model Leila Lowfire (v.l.) bei einem Auftritt mit ihrer Show Sexvergnuegen in Berlin. Foto: picture alliance/Eventpress


Besser als Sex ist das Podcastprojekt der beiden Wahlberlinerinnen Ines Anioli und Leila Lowfire. Seit 2016 wird hier regelmäßig über Intimes gesprochen. Dabei gehören Themen wie Geschlechtskrankheiten sowie das Suchen und Finden der perfekten Stellung ebenso zum Standardrepertoire wie die Frage danach, wie der perfekte Penis auszusehen hat. Doch die beiden widmen sich auch weniger gewöhnlichen, durchaus lehrreichen und amüsanten Themen, wie zum Beispiel: Sollte man Sex vor dem Haustier haben, ja oder nein? Kann jede Frau squirten? Und verbessert sich der Sex, wenn man sich den G-Punkt aufspritzen lässt? Mitverantwortlich für den Erfolg des Podcasts sind Ines‘ derbe Sprüche und die zahlreichen Sexgeschichten von Leila, die sogar eine ausverkaufte Podcasttour 2018 ermöglichten.

Doch schon dort kriselte es zum Ende hin, wie Bento berichtete: Nach einer der letzten Shows in Hamburg, während der Leila von Sex mit einem Neonazi erzählte und Ines eine ähnliche Geschichte aus dem Publikum als „langweilig“ abtat, verlassen mehrere Fans die Veranstaltung und beschweren sich auf Instagram. Acht Monate danach steht es um den Podcast nicht wirklich besser. Die beiden Podcasterinnen wirken zunehmend lustlos, was sich auf die Qualität und Länge der Folgen auswirkt. Zudem scheint die Dynamik zwischen den zwei Freundinnen aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Während Leila Lowfire im Januar zwölf Tage lang im Dschungel campierte und nun ihr erstes Kind erwartet, hat Ines Anioli sich ihre ganz eigene Fanbase aufgebaut. Mit ihrem Label small tits club wirbt die gebürtige Duisburgerin für mehr Body Positivity. Nebenbei ist sie außerdem mit einem eigenen Comedyprogramm auf Tour.

Qualitätsverlust beim Sexpodcast

Dass die Erwartungen der Hörer*innenschaft nicht mehr erfüllt werden, lässt sich nicht nur anhand der Platzierung auf Chartlisten sehen, wo Besser als Sex früher unter den Top 10 zu finden war. Auch die Kommentare im iTunes-Store, einem der Anbieter, bei denen der Podcast angeboten wird, dokumentieren den Qualitätseinbruch.

Ist den beiden Podcasterinnen etwa die Lust am Sex – oder den Gesprächen darüber – vergangen? Die Antwort ist: ja! Bei einem Liveauftritt auf dem Podcastfestival Auf die Ohren Mitte Juli war es deutlich zu spüren: Während Leila versuchte, mit einer Geschichte, die mit Sex in der Schwangerschaft anfing und in einer Art Werbepräsentation für einen Staubsauger endete, das Gespräch am Laufen zu halten, wirkte Ines eher desinteressiert. Ein paar derbe Sprüche gab es zwar, doch insgesamt schien die Influencerin sexuellen Themen gegenüber weniger offen zu sein.

Zwischen toxischer Beziehung und Familienplanung

Was bis vor Kurzem eher ein Gefühl war, dem die Hörer*innen in Kommentaren Ausdruck verliehen, bestätigt sich in der Folge vom 25. Juli. Ganz offen und ehrlich sprechen Ines und Leila darüber, wie sie sich in den vergangenen Jahren verändert haben. Dass die eine nun vorrangig mit der Familienplanung beschäftigt ist, ist die weniger große Überraschung. Doch was Ines Anioli preisgibt, lässt an der Zukunft des Podcasts zweifeln: Seit ihrer letzten Beziehung, über deren Toxizität sie bereits in einer früheren Folge sprach, sei ihr Sexleben quasi non-existent. Darüber zu reden, falle ihr schwer, selbst wenn es sich um Geschichten ihrer Hörer*innen handele: „[…] da reden andere Leute über ihr Sexualleben und ich les das und denk so: Ich kann das nicht, es ist so belastend für mich.“

Ausgebumst scheint es sich trotzdem nicht zu haben, denn ans Aufhören denken die beiden nicht. Selbst ihre Babyshower-Tour im September soll stattfinden. Ob dann im Wesentlichen über Geburtsvorbereitung und Windeln diskutiert oder gar ein Staubsaugervertreter den Merchandisestand betreuen wird, bleibt abzuwarten.