Bis zu 300.000 Euro Strafe: Frankreich verbietet Begriffe wie Tofuwürstchen

Frankreich ist einer der europäischen Spitzenreiter in Sachen Fleischkonsum. Jetzt haben Fleischersatzprodukte einen noch schwereren Stand – denn sie brauchen in Zukunft neue Namen. 

Frankreich verbietet Fleisch-Begriffe für vegetarische Produkte

Veggieburger dürfen in Frankreich nicht mehr so heißen. Quelle: Unsplash | CC0

Wer in Paris flaniert und dabei Lust auf einen leckeren Veggieburger bekommt, wird künftig lange vergeblich suchen. Denn am vergangenen Donnerstag haben französische Abgeordnete ein neues Gesetz beschlossen, das fleischige Namen für vegetarische und vegane Produkte verbietet. Darunter fallen nicht nur Veggiesteaks, Tofuwürstchen oder Gerichte mit Bacongeschmack, sondern auch Produkte, deren Namen auf andere tierische Produkte zurückgehen wie Milch, Käse oder Sahne. Hersteller*innen, die die neuen Regelungen nicht befolgen und sich keine alternativen Bezeichnungen ausdenken, drohen bis zu 300.00 Euro Strafe.

Der verantwortliche Abgeordnete ist selbst Rinderzüchter

Der Vorstoß zur Gesetzesänderung kam – laut dem französischen Wirtschaftsmagazin L’Usine nouvelle „unerwartet“ – von Jean Baptiste Moreau, einem Abgeordneten der Macron-Partei LREM. Moreau ist selbst Rinderzüchter aus der Creuse, einer Region im Zentrum Frankreichs, und Vorsitzender einer Landwirtschaftskooperative. Er twitterte ein Bild der Annahme seines Änderungsantrags zur, in seinen Worten, „besseren Information der Verbraucher*innen über ihre Ernährung“ und schrieb dazu: „Es ist wichtig, gegen falsche Angaben vorzugehen: Unsere Produkte müssen richtig gekennzeichnet sein: die Begriffe #Käse oder #Steak sind Produkten tierischen Ursprungs vorbehalten!“

Seine Argumente sind genau dieselben, die der ehemalige Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) Ende 2016 verwendete, als er neue Bezeichnungen für Veggieprodukte in Deutschland forderte: Die Namen würden die Konsument*innen täuschen. „Die Bezeichnungen, die mit Produkten tierischen Ursprungs verknüpft sind, können nicht verwendet werden, um Lebensmittel zu vermarkten, bei denen ein signifikanter Teil der Zutaten pflanzlichen Ursprungs sind“, heißt es in Moreaus Antrag. Und weiter: „Ein Gericht, das auf Basis von Fleisch und pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Soja zubereitet ist (…), kann so vermarktet sein, dass es beim Verbraucher den Eindruck erweckt, er würde ausschließlich Fleisch konsumieren. Ebenso greifen bestimmte vegetarische oder vegane Produkte auf völlig paradoxe Weise auf das fleischliche Vokabular zurück, um besser vermarktet zu werden: Bacon-Geschmack, vegane Merguez, Würstchenersatz … Ein Prinzip, das eine Äquivalenz zwischen einem Würstchen aus reinem Schweinefleisch und einem vegetarischen Würstchenersatz herstellt, wird dem Verbraucher somit aufgezwungen.“

In Deutschland hatte ein solcher Vorschlag nur Spott ausgelöst

Christian Schmidt befand die Produktbezeichnungen von Fleischersatzprodukten seinerzeit ebenfalls für „komplett irreführend“ und unterstellte den Verbraucher*innen, sie würden sich durch die Namen verunsichern lassen. In Deutschland hatte diese Argumentation allerdings eine Welle von Spott ausgelöst. Und abgesehen von einem Shitstorm bei Twitter (#Wurstcase) und vielen zynischen Kommentaren blieb der Vorschlag folgenlos.

[Außerdem auf ze.tt: Die CSU fordert neue Namen für die Veggie-Wurst. Geht’s noch?]

In Frankreich dagegen wurde das Gesetz ohne große Proteste durchgewunken. Für die französichen Medien war die Sache bestenfalls eine Randnotiz wert. Obwohl laut Statistiken Frankreich und Deutschland beim Fleischkonsum fast gleichauf liegen, scheinen die Anliegen von Vegetarier*innen und Veganer*innen bei unseren Nachbarn eine eher untergeordete Rolle zu spielen. Dennoch gab es vereinzelt Kritik und Häme. Die Tierschutzorganisation L214 reagierte mit einem ironischen Tweet: „(…) Vergesst nicht, die Erdnuss-‚Butter‘, die Maronen-‚Creme‘ und die Sülze (franz.: fromage de tête, wörtlich übersetzt Kopf-Käse) umzubenennen.“ Dazu ein Bild von einer neu etikettierten Crème de marrons, die in Zukunft Truc aux marrons heißen könnte – Maronendings.

Eine Position von ablehnender Paranoia.“ – Wendy Higgins

Keine Ironie findet sich dagegen in der Reaktion von Wendy Higgins der Tierschutzorganisation Humane Society International. Wie der Independent berichtet, sagte sie zu der Gesetzesänderung: „Es ist eine Schande, dass Frankreich, anstatt vegetarisches und veganes Essen zu begrüßen, eine Position von ablehnender Paranoia angenommen hat. Aber letztendlich wird das den Vormarsch von verantwortlichem Essverhalten nicht stoppen, weil die geschmacklichen, ernährungstechnischen, umweltfreundlichen und ethischen Vorteile sich durchsetzen werden, egal, wie man die Produkte nennt.“ Moreau weist laut L’Usine nouvelle Vorwürfe zurück, nach denen er mit seinem Antrag die Fleischindustrie unterstützen würde: „Ich sehe nicht, dass diese Maßnahme den Erfolg veganer Produkte verhindert. Wenn sie kein Fleisch mehr essen, wo ist das Problem dabei, wenn sie keine Vokabeln mehr verwenden dürfen, die mit der carvinoren Ernährung zusammenhängen?“

Die Frage bleibt allerdings, wie die betroffenen Produkte in Frankreich künftig heißen sollen.