Bitte keine Nippel: Instagram löscht immer wieder diesen Post

Für eine Zeitschrift entwarf die Illustratorin Laura Breiling ein Gif, das weibliche Masturbation enttabuisieren soll. Instagram löschte den Beitrag auf ihrem Account mehrmals, auf dem des Magazins aber nicht.

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"Bei der Darstellung von Körpern versuche ich, eine große Diversität abzubilden", erklärt Laura Breiling. Illustration: © Laura Breiling

Nackheit auf Instagram ist ein Problem und das nicht erst seit Kurzem. Was nicht mit den Gemeinschaftsrichtlinien der Social-Media-Plattform übereinstimmt, wird radikal gelöscht. Besonders, wenn es sich um Nacktheit oder sexuelle Aktivitäten handelt. Selbst bei künstlerischen Inhalten greift die Zensur, wie im Fall der Berliner Illustratorin Laura Breiling. Für den Instagram-Account der Zeitschrift Glamour kreierte die Illustratorin ein Gif, das die weibliche Masturbation enttabuisieren soll. Auf ihrem eigenen Account, auf dem sie ihre Arbeit ebenfalls hochlud, wurde der Beitrag mit dem Hinweis auf Verletzung der Richtlinien bereits mehrmals gelöscht. Auf dem Profil des Magazins ist er dagegen weiterhin zu sehen.

Eine nackte Frau steht in einer Muschel im Meer, Blumen umwehen sie, von links und rechts ragen drei weitere Gestalten ins Bild: Viele dürften das Gemälde Die Geburt der Venus von Botticelli kennen. In der Interpretation von Laura Breiling wird aus der idealisierten weißen Liebesgöttin mit rotblonder Wallemähne eine Woman of Color mit Körperbehaarung. Auch bedeckt die Frau nicht mehr, wie im Original, ihre Geschlechtsmerkmale, sondern spielt an Vulva und Nippeln herum. Von links und rechts werden ihr Sextoys und Gleitmittel gereicht.

Mit ihren Arbeiten möchte Laura Breiling einen „Gegenpol gegen Schönheitsnormen oder Geschlechterstereotype“ schaffen, wie sie im Interview mit ze.tt erzählt. Von Feminismus, Geschlechterstereotypen und Machtstrukturen über Umweltschutz bis hin zu wissenschaftlichen Themen – die Inhalte, mit denen sich die Illustratorin auseinandersetzt, sind vielfältig: „Ich zeichne Ausschnitte aus einer Welt, die zu einem Teil bereits real und zu einem anderen Teil noch utopisch ist. Bei der Darstellung von Körpern versuche ich, eine große Diversität abzubilden, da das meiner Ansicht nach in künstlerischer Abbildung viel zu kurz kommt.“

Wie beliebig Instagram mit seiner Zensur umgeht, ist schon an anderen Beispielen sichtbar geworden. So unterscheiden die Betreiber*innen zwischen der Darstellung weiblicher* und männlicher* Nippel. Während Fotos mit sichtbaren Brustwarzen von Frauen* meistens binnen kürzester Zeit gelöscht werden, ist die Plattform voll mit Bildern männlicher* Nippel. „Instagram zensiert völlig willkürlich Künstler*innen und hält sich nicht an die eigenen Richtlinien. Bei dem gezeigten Gif, das innerhalb eines Tages fünfmal entfernt wurde, inklusive einer Drohung, meinen Account komplett zu löschen, handelt es sich sogar um einen relativ harmlosen Inhalt“, sagt Laura Breiling. Es gebe Accounts auf der Plattform, die Sexualität auf viel explizitere Weise darstellten, deren Bilder aber bestehen blieben.

„Politische oder feministische Inhalte werden immer wieder entfernt. Ein paar Trump-Illustrationen von mir wurden gelöscht und Einspruch zu erheben, hat daran nichts geändert. Instagram hat eine gesellschaftliche Verantwortung, die sie mit Füßen treten“, erklärt Breiling. Und weiter: „Die Internetkultur ist zu großen Teilen sexistisch, misogyn und rassistisch und Instagram trägt einen großen Teil dazu bei, dass sich daran nichts ändern. Eine Plattform, die von vielen Millionen Menschen täglich benutzt wird, hat einen enormen Einfluss darauf, wie die Gesellschaft wahrgenommen wird. Was tolerieren wir eher, Rassismus oder Schamhaare? Instagram hat darauf eine klare Antwort.“

In Laura Breilings Fall ist neben der Zensur an sich merkwürdig, dass diese nur auf ihrem Profil vorgenommen wurde – nicht aber bei dem offiziellen Unternehmensprofil der Glamour. „Daran erkennt man, dass mit zweierlei Maß gemessen wird – Künstler*innen werden zensiert, verifizierte Accounts oder größere Konzerne nicht.“ Laut Laura Breiling hat das Magazin nun auch Beschwerde bei Instagram eingereicht – Maßnahmen seitens der Plattform erhofft sich die Illustratorin dadurch jedoch keine. In ihrem eigenen Feed hat sie nun eine retuschierte Version des Fotos, sowie die Nachrichten des sozialen Mediums veröffentlicht.

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Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile hat Instagram das Gif auf Laura Breilings Account wieder hochgeladen.