Björn Höcke hat jetzt sein eigenes Holocaust-Mahnmal vor dem Haus

Überraschung für den AfD-Politiker: Das Kunstkollektiv Zentrum für politische Schönheit errichtete einen kleinen Nachbau des Berliner Mahnmals auf dem Nachbargrundstück.

Die 24 Betonstelen veredeln jetzt Höckes Blick aus dem Fenster. © Screenshot / YouTube / Zentrum für politische Schönheit

Der AfD-Politiker und derzeit beurlaubte Gymnasiallehrer Björn Höcke dürfte nicht schlecht gestaunt haben, als er heute morgen aus dem Fenster sah: Auf dem Nachbargrundstück stehen seit heute Nacht 24 unterschiedlich große Betonstelen, die an das Holocaust-Mahnmal in Berlin-Mitte erinnern.

Sie wurden von Höckes Domizil aus gut sichtbar errichtet, im kleinen Dorf Bornhagen an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen. Dahinter steckt das Berliner Kunstkollektiv Zentrum für politische Schönheit (ZPS), das in der Vergangenheit etwa mit der Aktion Flüchtlinge fressen Aufmerksamkeit erregte.

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Höcke, der die große Gedenkstätte in der Hauptstadt in einer grotesken Rede „Mahnmal der Schande“ nannte, solle so die Gelegenheit bekommen, einen zeitgemäßen Umgang mit der deutschen Geschichte zu finden.

Höckes exklusives Mahnmal soll mindestens zwei Jahre lang dort stehen

Das ZPS mietete sich laut eigenen Angaben bereits vor zehn Monaten im Grundstück neben dem des AfD-Mannes ein. Er sei von dort aus „observiert“ worden, sprich es wurde aufgezeichnet, wie und wann Höcke sich aus dem Haus bewegt.

Die Betonstelen wurden offenbar im Geheimen geplant, gegossen und nach Bornhagen gebracht. Enthüllt wurde das kleine Mahnmal am heutigen Mittwoch. Jetzt sammelt das ZPS Spenden, um die entstandenen und laufenden Kosten des kleinen Mahmals decken zu können, darunter für die Stelen, sowie auch für Miete, Anwälte und drei Live-Cams. Höckes eigenes Denkmal für die ermordeten Juden Europas soll nun mindestens bis Dezember 2019 stehen bleiben, es sei denn, die Spendengelder erlauben eine längere Stehzeit. 28.900 Euro werden für diese zwei Jahre benötigt, bisher wurden etwa 18.000 Euro davon eingenommen.

Ob Höcke versucht, juristisch gegen die Kunstaktion vorzugehen, ist bislang nicht bekannt. Zumindest aber kann man beobachten, ob er irgendwann aus seinem Haus herüberkommt, um sich persönlich zu beschweren. Das ZPS schaltete dafür vorsorglich ein Livevideo auf YouTube.


Update, 22.11.17, 15.10 Uhr:

YouTube hat den Account des ZPS mittlerweile ohne die Angabe von Gründen gelöscht, wie das Kollektiv auf Twitter berichtet. Dort waren zuvor ein Trailervideo und ein Live-Cam-Mitschnitt zu der Aktion zu sehen. Das ZPS wirft YouTube Zensur vor.

Das Videomaterial einer der Live-Cams ist hier zu sehen. Wie das ZPS auf Twitter schreibt, hindern derzeit offenbar AfD-Mitglieder Journalist*innen daran, das nachgebaute Mahnmal zu betreten. Björn Höcke hat für heute eine Pressekonferenz aus Erfurt angekündigt, wo er sich derzeit befindet.