Black History Month: Diese Schwarzen Frauen solltet ihr kennen

Es ließe sich problemlos ein ganzes Jahr mit Schwarzen Persönlichkeiten füllen, die Geschichte geschrieben haben. Diese Liste ist ein Anfang.

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It's Black History Month. Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Unsere Geschichtsschreibung ist weiß. Weil Geschichtsbücher vor allem von weißen Menschen geschrieben wurden, sind es auch vor allem weiße Menschen, von deren Erfindungen und Errungenschaften darin erzählt wird. Hinzukommt: Diese Menschen sind meistens Männer. Was Frauen leisteten, wurde über Jahrhunderte ignoriert oder sogar von Männern für sich reklamiert.

Der Black History Month setzt diesen patriarchalen und rassistischen Strukturen etwas entgegen. Immer im Februar wird in den USA und Kanada an Afroamerikaner*innen erinnert, die Geschichte geschrieben haben. Warum im Februar? Weil in diesem Monat die Geburtstage von Frederick Douglass und von Abraham Lincoln liegen – einem der wichtigsten Vertreter der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei und des US-Präsidenten, unter dem diese dann tatsächlich abgeschafft wurde.

Unsere kleine Auswahl konzentriert sich auf Schwarze Frauen, weil ihre Geschichten ganz besonders vernachlässigt wurden und werden. Sie ist inspiriert von der Aktivistin und Buchautorin von Exit Racism, Tupoka Ogette, die in diesem Monat in ihrem Podcast und auf Social Media solche Frauen vorstellt. „Black Herstory Month„, nennt Ogette das.

Uns ist bewusst, dass diese Liste selbstverständlich unvollständig ist. Weil es viel zu viele Schwarze Frauen gibt, die es verdient hätten, hier erwähnt zu werden. Diese Liste ist damit nur ein Anfang. Wir haben versucht, verschiedene Bereiche wie Politik, Literatur, Unterhaltung und Wissenschaft abzudecken. Die Liste ist außerdem sehr US-amerikanisch geprägt, so wie der Black History Month selbst, der vor allem in den USA begangen wird.

Harriet Tubman

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Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Harriet Tubman war eine Fluchthelferin der Organisation Underground Railroad. 1849 gelang es ihr zunächst selbst, sich aus der Sklaverei zu befreien und zu fliehen. Unter dem Codenamen Moses kehrte sie später mehrmals in die US-amerikanischen Südstaaten zurück, um während der Sezessionskriege (1861–1865) anderen versklavten Menschen zur Flucht in die Nordstaaten und nach Kanada zu verhelfen. Sie ermöglichte so über 100 Menschen ein Leben in Freiheit.

Kimberlé Crenshaw

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Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Kimberlé Crenshaw gilt als die Begründerin des intersektionalen Feminismus. Intersektionalität beschreibt, wie sich verschiedene strukturelle Diskriminierungsformen, zum Beispiel aufgrund des Geschlechts, der sozialen Klasse, körperlicher Merkmale oder etwa der Zuschreibung einer ethnischen Herkunft, überlappen können. In ihrer Überschneidung führen diese Kategorien zu einer sehr spezifischen Art der Marginalisierung: Schwarze Frauen werden etwa nicht nur als Frauen auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert, sondern auch, weil sie nicht weiß sind.

Katherine Johnson

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Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Katherine Johnson war Mathematikerin und arbeitete für die NASA. Ende der 1960er-Jahre berechnete sie die Umlaufbahn für die Raumfahrtsmission Apollo 11 und leistete damit einen entscheidenen Beitrag zur ersten erfolgreichen Mondlandung. Johnson war die erste Frau überhaupt, die in die Abteilung für Flugforschung bei der NASA aufstieg. Für ihr Lebenswerk erhielt sie 2015 die Freiheitsmedaille des Präsidenten, die höchste zivile Auszeichnung der USA. Ihre Geschichte und die ihrer Kolleg*innen und Freund*innen Dorothy Vaughan und Mary Jackson wird in dem Film Hidden Figures (2016) erzählt.

Marsha P. Johnson

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Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Pay it no mind„, soll Marsha P. Johnson immer auf die Frage geantwortet haben, wofür das P. in ihrem Namen steht. Die US-amerikanische trans Aktivistin, Drag und Sexarbeiterin konterte auf diese Weise die übergriffige Neugier anderer, ob sie nun männlich oder weiblich sei. Johnson war am 28. Juni 1969 in der queeren Bar The Stonewall Inn in New York City, als die Polizei dort eine Razzia durchführte – die darauffolgenden Proteste waren der Beginn der modernen LGBTQIA-Bürgerrechtsbewegung in den USA. Gemeinsam mit Sylvia Rivera gründete Johnson unter anderem eine Organisation, die obdachlose trans Personen und Drags unterstützte. 1992 wurde sie leblos aus dem Hudson River geborgen. Ihr Tod ist bis heute ungeklärt.

Audre Lorde

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Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Black, lesbian, feminist, mother, warrior, poet“ – so beschrieb sich Audre Lorde selbst. Sie wurde 1934 in New York City geboren, ihre Eltern stammten von den Grenadinen, einer Inselkette zwischen dem Karibischen Meer und dem Atlantik. Sie arbeitete zunächst als Bibliothekarin, veröffentlichte Gedichte und engagierte sich in queeren Bewegungen. Zwischen 1984 und 1992 arbeitete und lehrte sie immer wieder in Berlin und traf hier auf afrodeutsche Schriftstellerinnen wie May Ayim und Katharina Oguntoye. Ihre Zusammenarbeit und das daraus entstandene Buch Farbe bekennen von 1992 gilt als einer der wichtigsten Anstöße für die afrodeutsche Frauenbewegung in Deutschland. Audre Lorde verstarb 1992.

Dr. Shirley Ann Jackson

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Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Dr. Shirley Ann Jackson, 1946 in Washington D. C. geboren, ist Physikerin. Sie war die erste Schwarze Frau, die am renommierten Massachusetts Institute of Technology ihren Abschluss machte. Jackson hat durch ihre Forschung viele Technologien mitentwickelt, die unseren Alltag prägen. Ihre Studien machten beispielsweise die Entwicklung von Glasfaserkabeln, Faxgeräten und der Anruferkennung möglich.

Toni Morrison

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Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Toni Morrison war Schriftstellerin – und das fasst es wohl nur ansatzweise zusammen. Sie wurde 1931 in Ohio geboren, studierte Anglistik und arbeitete zunächst als Lektorin. Ihr Debüt veröffentlichte sie erst mit 39: The Bluest Eye. Darin wünscht sich ein Schwarzes Mädchen nichts sehnlicher, als blaue Augen zu haben. Morrison sagt, es sei das Buch gewesen, dass sie selbst immer habe lesen wollen. Sie schrieb es als alleinerziehende Mutter in der Früh vor ihrem Lohnarbeitsjob. Im August 2019 ist Toni Morrison verstorben. Sie war die erste afroamerikanische Autorin, die 1993 den Literaturnobelpreis erhielt. Ihre Bücher seien voll visionärer Wucht und poetischer Kraft, so die Begründung der Jury.

Joséphine Baker

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Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Joséphine Baker wurde als Tänzerin im Paris der 1920er-Jahre bekannt. Oft trug sie bei ihren Auftritten nicht mehr als ein paar Federn oder einen Gürtel aus Bananen. Mit ihren Performances begehrte Baker auf: 1906 in Armut in den Slums von St. Louis geboren, erfuhr sie schon in frühen Jahren sexualisierte Gewalt und den Rassismus der US-amerikanischen Gesellschaft. Diskriminierungen prägten bis zuletzt selbst die Reaktionen des ihr zujubelnden Publikums, das Baker wie ein Tier begaffte. Die widerum spielte bewusst mit Stereotypen: „Die Fantasie der Weißen hat es wirklich in sich, wenn’s um Schwarze geht“, zitiert sie ihre Biografin Phyllis Rose. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete die Künstlerin dann für die Résistance und den französischen Geheimdienst. Beim Marsch auf Washington 1963, einem Höhepunkt der US-Bürgerrechtsbewegung, war sie neben Martin Luther King eine der Hauptredner*innen. Sie starb 1975.

Mary Church Terrell

Mary Church Terrell
Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Mary Church Terrells Mutter war versklavt und ihr Vater war der Sohn einer versklavten Frau und ihres weißen Besitzers. 1863 geboren, machte Terrell als eine der ersten Schwarzen Frauen in den USA einen Universitätsabschluss. Ihr Leben lang engagierte sie sich für Bildung und Gleichberechtigung der afroamerikanischen Bevölkerung der USA und für die Rechte von Frauen – insbesondere das Frauenwahlrecht, das 1919 beschlossen wurde. Noch mit 89 Jahren fand man Terrell in der ersten Reihe auf Demos gegen die Rassentrennung in den USA. Sie starb 1954.

Aminata Touré

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Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Aminata Touré beendet diese vorläufige Liste und setzt sie gleichzeitig fort. Mit 27 ist die Grünen-Politikerin aus Schleswig-Holstein die jüngste Vize-Präsidenten eines Landtages überhaupt. Im Gespräch mit Zeit Campus sagte Touré nach ihrer Wahl im vergangenen August: „Das ist ein großes Signal für alle Menschen mit Migrationshintergrund, so können auch sie sich repräsentiert fühlen.“ Neulich habe sie einen Brief bekommen, darin schrieb eine Frau: „Danke, dass mein Kind damit aufwachsen wird, dass es selbstverständlich ist, eine Schwarze Politikerin im Landtag zu haben.“


Ihr kennt weitere Schwarze Frauen, die auf diese Liste gehören? Dann schreibt uns gern eine Mail oder in die Kommentare.

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