Blackfacing und Demo-Selfies: So problematisch bekunden manche Influencer*innen Solidarität

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. In den sozialen Medien solidarisieren sich derzeit viele mit der Black-Lives-Matter-Bewegung. Manche Posts fallen jedoch durch kulturelle Aneignung auf.

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Blackfacing ist nicht der richtige Weg, Solidarität zu bekunden. Screenshots: @ Instagram / taniasaleh / souhilaofficial / Bearbeitung: ze.tt

Schwarz eingefärbte Fotos oder Schilder mit Protestbotschaften: In den vergangenen Wochen haben sich viele Menschen in den sozialen Medien mit der Black-Lives-Matter-Bewegung solidarisiert. Manche der Solidaritätsbekundungen verfehlten dabei das Ziel – statt ein Statement gegen Rassismus zu setzen, reproduzierten sie diesen oder instrumentalisierten den Hashtag #BlackLivesMatter für Klicks und Likes.

Der Instagram-Account sainthoax sammelte beispielsweise Fotos von Influencer*innen, die in ihren Posts Blackfacing betreiben. Darunter befindet sich auch ein Foto von Souhila Ben Lachhab, einer Sängerin aus Algerien. Sie postete ein Foto von sich auf Instagram, auf dem sie die Hälfte ihres Gesichts schwarz anmalte. Darunter die Caption: „Nur weil wir außen schwarz sind, heißt das nicht, dass wir innen schwarz sind“.

Während einige ihrer 1,6 Millionen Follower*innen Souhila für den Post feierten, reagierten andere empört und wiesen die Influencerin auf das Problem hin.

Was bedeutet Blackfacing?

Blackfacing hat seinen Ursprung in den sogenannten Minstrel Shows – Bühnenshows aus dem 19. Jahrhundert, bei denen sich weiße Menschen als Schwarze inszenierten. In stilisierter Form wurden so Stereotype transportiert, um Weißen zu zeigen, wie Schwarze Menschen ihrer Meinung nach seien. Dargestellt als ewig lustige, singende, überaus naive Angestellte, die nichts lieber taten, als den weißen Menschen treu zu dienen. So wurde das Leben versklavter Menschen romantisiert.

Auch heute noch finden sich Beispiele von Blackfacing, die meist mit der Rechtfertigung durch Tradition einhergehen. Ob im Karnevalsverein oder beim Krippenspiel, es sei an der Zeit, einzusehen, „dass das, was für viele zum Brauch gehört und als Spaß verstanden wird, anderen zu nahe treten kann und kulturelle Aneignung und Rassismus ist“, schreibt die Journalistin Fabienne Sand in einem Kommentar auf ze.tt.

Die Kritik hat Souhila Ben Lachhab bislang nicht dazu bewegt, ihr Foto zu löschen. Andere Influencer*innen, die ebenfalls kritisiert wurden, sperrten indes ihre Accounts für die Öffentlichkeit.

Fotoshooting auf einer Antirassismus-Demo

Eine ebenfalls fragliche Art, Solidarität zu bekunden, beobachtete Tank Sinatra: Auf seinem Account influencersinthewild veröffentlichte er Videos von weißen Influencer*innen, die sich auf Instagram bei den Protesten inszenierten: Aufgestylt und mit Black-Lives-Matter-Pappschild. Die Autorin Thembi Wolf schreibt dazu auf Vice: „[Es ist] nicht okay, wenn die Demo zum Laufsteg wird und das – respektvollerweise – komplett schwarze Outfit genauso inszeniert wird wie das #OutfitOfTheDay.“ Es sei zwar in Ordnung, als Influencer*in seinen Beistand zu zeigen – damit Fame oder Geld abzugreifen, ginge aber nicht.

Wenn Unternehmen und Einzelpersonen vorgeben, sich für progressive Themen einzusetzen, das aber vor allem aus profitorientierten Gründen tun, nennt man das Woke-Washing. Ein prominentes Beispiel hierfür sind T-Shirts mit feministischen Schriftzügen, die in den vergangenen Jahren zum Trend wurden. Meist überteuert, aber unter unmenschlichen und damit unfeministischen Bedingungen hergestellt, nutzen Hersteller*innen die Artikel eher als lukrative Einnahmequelle, als dass sie etwas damit bewegen wollen. sz

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