„Braves Hundie?!“ – Hunde ahmen sinnloses Verhalten nach

Eine neue Studie zeigt, dass Hunde sinnloses Verhalten von Menschen übernehmen und imitieren. Bisher waren solche Überimitationen nur von Menschen bekannt.

Eine neue Studie zeigt, dass Hunde sinnloses Verhalten des Menschen übernehmen und imitieren. Bisher war die Überimitation nur vom Menschen bekannt.

Hasso, faß! Foto: Mitchell Orr / Unsplash | CC0

Dass Hunde vom Menschen lernen, ist nichts Neues: Sie können zu Jagd- oder Blindenhunden ausgebildet werden, sie werden zur Stubenreinheit erzogen oder lernen apportieren und Stöckchen holen – häufig passiert das gegen eine Belohnung wie Leckerlis oder Knochen. Nun haben Forscher*innen der Veterinärmedizinischen Universität Wien in einem Fachjournal eine neue Studie veröffentlicht, in der sie herausfanden, dass die vierbeinigen Freund*innen auch menschliches Verhalten nachmachen, welches an sich sinnlos ist und zu nichts führt.

Diese Form des Nachahmens wird als Überimitation bezeichnet und ist eine Form des sozialen Lernens, welches bisher nur beim Menschen bekannt war. Bei der Überimitation ahmt eine Person eine Aktion oder Handlung nach, obwohl sie davon ausgeht, dass diese Aktion überflüssig ist. Es handelt sich also um eine Art Nachahmungsautomatismus, den man unter anderem häufig bei Kindern beobachten kann, die das Verhalten erwachsener Personen imitieren. Warum man überimitiert, ist noch nicht ausreichend geklärt. Eine Vermutung: Kinder halten die sinnlosen Handlung doch für notwendig, um bestimmte Ziele zu erreichen.

Die Hunde ahmten die sinnlose Handlung nach

Nun wurde im Clever Dog Lab Vienna des Messerli-Instituts untersucht, ob auch Hunde diese Verhaltensweise zeigen. Die Wahl fiel dabei deshalb auf die besten Freund*innen des Menschen, da von ihnen bekannt ist, dass sie von Menschen lernen. Der Leiter der Abteilung für Vergleichende Kognitionsforschung am Messerli-Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna, Ludwig Huber, erklärt: „Da diese eigentümliche Form der Nachahmung beim Menschen stark durch soziale Faktoren wie Zugehörigkeit oder Konformität motiviert ist, stellten wir die Hypothese auf, dass domestizierte und kultivierte Hunde häufiger als Affen solche Handlungen kopieren, insbesondere wenn dies von ihren Betreuern gezeigt wird.“

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Deshalb setzen die Wissenschaftler*innen ein Experiment mit 72 Hunden, davon 34 Rüden und 38 Hündinnen, verschiedener Hunderassen und einem Durchschnittsalter von 5,3 Jahren auf. Aufgrund mangelnder Motivation schieden jedoch zwölf der Tiere aus. Die übrigen 60 wurden in vier gleich große Gruppen eingeteilt. Im Experiment öffneten die Besitzer*innen  eine Türklappe, hinter der sich Leckerlis befanden. Bevor sie die Klappe öffneten, tippten eine Gruppe von Proband*innen vorher auf ein Blatt Papier, auf dem Punkte abgebildet waren. Das Ergebnis: Auch etwa die Hälfte der Tiere berührte daraufhin das Blatt Papier, bevor sie sich dem Leckerli zuwandte – und das, obwohl es dafür keinen triftigen Grund gab.

Ludwig Huber beschreibt das Ergebnis: „Ähnlich wie bei Kindern scheint das Lernen von Hunden und das Kopieren ihrer Bezugspersonen ein tiefgreifender sozialer Prozess zu sein. Das Kopieren von offensichtlich kausal irrelevanten Handlungen kann daher nicht mehr als eine einzig menschliche Handlung angesehen werden, sondern eine, die der Mensch mit seinen vierbeinigen Begleitern teilt.“ Die bellenden Vierbeiner sind dem Menschen also noch ähnlicher als bisher vermutet.

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