Briefbomben an Politiker*innen und Medien: Wie Trump die Mordanschläge für seinen Wahlkampf nutzt

Nachdem Briefbomben an Obama, Clinton und CNN verschickt wurden, äußert sich US-Präsident Trump. Seine Rhetorik wird kritisiert.

Nachdem gestern Briefbomben an Obama, Clinton und Co. verschickt wurden, äußert sich US-Präsident Trump nun öffentlich. Seine Rhetorik wird kritisiert.

US-Präsident Trump ist nicht unbedingt für seinen freundlichen Ton bekannt. Foto: Ron Sachs - Pool/Getty Images

Gestern wurden von einer noch unbekannten Person Briefbomben an verschiedene Trump-Kritiker*innen verschickt: Ex-Präsident Barack Obama, Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, Ex-CIA-Direktor John Brennan, die Abgeordnete der demokratischen Partei Maxine Waters, der Ex-Justizminister Eric Holder, der Milliardär George Soros und der Nachrichtensender CNN erhielten per Post Päckchen mit Briefbomben, welche allesamt vorher abgefangen werden konnten. Das FBI, Antiterroreinheiten und das Justizministerium ermitteln zur Zeit in diesem Fall.

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Der amtierende US-Präsident Trump nutzt laut Medienberichten eine Wahlkampfbühne in Mosinee im US-Bundesstaat Wisconsin, um sich in der Angelegenheit an die Öffentlichkeit zu wenden: „Jeder Akt politischer Gewalt ist ein Angriff auf die Demokratie selbst.“ In Richtung politischer Gegner*innen sagt Trump: „Diejenigen, die sich in der politischen Arena befinden, müssen damit aufhören, politische Gegner als moralisch fehlerbehaftet zu behandeln“, fordert der US-Präsident. „Wir sollten Menschen im öffentlichen Raum nicht anpöbeln oder öffentliches Eigentum zerstören“, führt er seine Forderung noch aus.

Trump zieht auch die Medien in Verantwortung

Dass Donald Trump selbst ein Paradebeispiel für Pöbeln gegen politische Gegner*innen ist und mit seinen Tweets und Behauptungen immer wieder jenseits des guten Geschmacks gegen andere Personen zielt, scheint er bei seinem Statement offenbar vergessen zu haben. Die amerikanische Tageszeitung The New York Times führt eine Liste mit Beleidigungen und Diffamierungen des Präsidenten gegen andere Personen und Institutionen. Die Liste, die weiterhin aktualisiert wird, umfasst derzeit 487 Personen und Institutionen, die Trump bisher auf Twitter in den Dreck zog. So bezeichnete er Hillary Clinton etwa als „betrügerisch“ und als einen „großen Fehler“. Ex-Präsident Barack Obama nannte er ebenfalls einen Betrüger und ein „Desaster“.

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Während Trump in seiner Ansprache die an Politiker*innen verschickten Briefbomben anspricht, erwähnt er die Bombe, die an den Nachrichtensender CNN in New York City ging nicht direkt. Stattdessen schießt Trump hier gegen die Medien allgemein: „Die Medien haben auch eine Verantwortung. Sie müssen einen zivileren Ton anschlagen und mit falschen Beschuldigungen und falschen Geschichten aufhören“, fordert er und spielt somit unter anderem auf Fake News an.

Trumps Rhetorik in der Kritik

Einige Politiker*innen sind offenbar der Meinung, dass seine Rhetorik und Wortwahl alles andere als angebracht sei. Der Empfänger einer der Briefbomben und Ex-CIA-Direktor John Brennan erklärt: „Seine Rhetorik hat diese Gefühle und Empfindungen befeuert, die sich jetzt in diesen potenziellen Gewalttaten niederschlagen. Ich hoffe, es macht Trump klar, dass es kontraproduktiv ist, wie er sich bislang verhalten hat.“

Andrew Cuomo, der Gouverneur von New York, gibt zu verstehen: „Wir sind so hasserfüllt geworden, so wütend, dass unsere Politik an dem Punkt ist, wo die Leute sich gegenseitig verletzen wollen.“ Und auch Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, die zur Zeit auf Wahlkampf-Tour ist, äußert sich zu den Vorfällen: „Es ist eine Zeit tiefer Spaltung. Und wir müssen nun alles daran setzen, unser Land wieder zusammen zu bringen.“