#BullyMe: Menschen berichten von ihren Mobbing-Erfahrungen

Menschen, die gemobbt wurden, erzählen auf Twitter, was das mit ihnen macht. Die Geschichten zeigen, wie tief die Verletzungen sitzen – auch Jahre später noch.

Menschen erzählen, was das Mobbing von früher noch heute mit ihnen macht. Foto: Timothy Eberly / Unsplash | CC0

Wer schon einmal im Leben gemobbt wurde, weiß: Das ist kein Spaß, kein blöder Streich, kein Kavaliersdelikt. Im Gegenteil. Mobbing ist eine Form der seelischen Misshandlung, sie verursacht psychische Schmerzen, kann dem Selbstwertgefühl nachhaltig schaden. Wer durch Mitschüler*innen oder später Kolleg*innen und Vorgesetzte gemobbt wurde, trägt mitunter noch Jahre später Narben davon auf der Seele.

Unter dem Hashtag #BullyMe erzählen Menschen auf Twitter gerade von solchen Erfahrungen. Sie berichten, wie sie lange Zeit später unter ihnen leiden. Sie äußern aber auch Kritik an jenen, die das Mobbing zugelassen haben, darunter Lehrer*innen und Vorgesetzte. Wir sammeln hier einige der Geschichten:

Wer betroffen ist, sollte schnell handeln und sich wehren

Auch heute noch wird fast jede*r sechste 15-Jährige (15,7 Prozent) in Deutschland regelmäßig Opfer von teils massivem Mobbing durch Mitschüler*innen. In der Arbeitswelt ist Mobbing ebenfalls ein Thema: Laut Verdi sind rund 1,8 Mil­li­onen Er­werbs­tätige Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz. Und in mindestens 50 Prozent sind Vorgesetzte verantwortlich oder beteiligt. Das mündet oft in schwerwiegende Depressionen.

[Außerdem auf ze.tt: Aktion gegen Mobbing: Schuldirektor lässt sich von seinem Schüler eine Glatze rasieren]

Wer Opfer ist oder wurde, sollte schnell aktiv werden und verschiedene Schritte einleiten, um sich erfolgreich zu wehren, darunter:

  • Mobbing erkennen: Mobbing ist juristisch als eine Reihe unterschiedlicher Handlungen mit feindseliger Absicht definiert, die mehr als sechs Monate anhält.
  • Verantwortungspersonen informieren: Lehrer*innen oder Vorgesetzte schriftlich von den Erfahrungen berichten – ihre Reaktionen zeigen das Ausmaß des Problems. Reagieren diese nicht, müssen sie sich bei einer Klage vor Gericht verantworten, warum sie nicht geholfen haben.
  • Schnell reagieren: Es gilt, bereits bei den ersten Vorfällen zu reagieren und sich Hilfe und rechtlichen Beistand zu suchen. In Deutschland müssen Diskriminierungsopfer drei Monate nach Bekanntwerden klagen, sonst ist die gesetzliche Frist überschritten.
  • Beweise und Zeugen sicherstellen: Verletzende Nachrichten sollten gespeichert, diskriminierendes Verhalten schriftlich dokumentiert werden, Zeugen gesucht werden. Die Beweislast liegt in Deutschland bei den Kläger*innen.
  • Versuchen, einen Ausgleich zu schaffen: Sich zu wehren, hat auch etwas mit Selbstermächtigung zu tun. Man kommt raus aus der Opferposition. Gerade in diesen Zeiten sollten aber auch Hobbies und soziale Kontakte nicht vernachlässigt werden. Sie reduzieren Stress und könnten ein Ausgleich sein.

Wer Zeuge von Mobbing gegen andere wird, sollte nicht schweigen, sondern einschreiten. Nur so kann den teils jahrelangen Schmerzen, die Mobbingopfer erleiden müssen, vorgebeugt werden.


Hilfe für Mobbingopfer

Du wurdest oder bist Opfer von Mobbing und möchtest dich jemandem anvertrauen? Unter der 0800 111 0 111 oder im Chat auf der Website der Telefonseelsorge kannst du darüber mit jemandem sprechen. Betroffene finden hier Hilfestellungen und Informationen: bei Schüler gegen Mobbing, der Sicher-Stark-Initiative, dem Forum Beratung4Kids und Mobbing – Schluss damit.