China verbannt „Animal Crossing“ nach virtuellen Hongkong-Protesten

Während der Ausgangsbeschränkungen führen Pro-Hongkong-Aktivist*innen den Protest in Animal Crossing fort. Nun ist das Spiel aus chinesischen Onlineshops verschwunden.

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Der bekannte Pro-Hongkong-Aktivist Joshua Wong führt – wie viele andere – während der Ausgangsbeschränkung den Protest in Animal Crossing fort. Screenshot: Nintendo / Twitter: Joshua Wong

Kein anderes Videospiel hat sich 2020 bislang so gut verkauft wie Nintendos Switch-Exklusivspiel Animal Crossing: New Horizons. Auch in China erfreut sich die knuffige Aufbausimulation äußerster Beliebtheit und wird dort nun zum Politikum. Nachdem Screenshots und Videos von Protestnachrichten der Pro-Hongkong-Bewegung in Animal Crossing Aufmerksamkeit erhalten hatten, wurde der Nintendo-Titel von Online-Marktplätzen entfernt, darunter die Ebay-ähnliche und größte Plattform Taobao.

In Animal Crossing übernimmt man die Kontrolle eines menschenähnlichen Avatars, der in ein von sprechenden Tieren bewohntes Dorf zieht. Das Spiel ermöglicht es Spieler*innen, dabei ihre Insel vollkommen frei zu gestalten. So lässt sich beispielweise die Inneneinrichtung des eigenen Hauses mithilfe zahlreicher Möbelstücke, Böden und Tapeten individuell gestalten. Auf diese Weise können Spieler*innen auch benutzerdefinierte Bilder im Spiel erstellen und dann überall platzieren.

Virtueller Protest

Diese Gestaltungsmöglichkeiten machten sich Aktivist*innen der Pro-Hongkong-Bewegung zunutze, um trotz Ausgangsbeschränkungen weiter gegen die chinesische Regierung zu demonstrieren.

In den sozialen Medien kursieren zahlreiche Screenshots und Videos, in denen Chinas Präsident Xi Jinping und Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam kritisiert werden. So twitterte etwa der Pro-Hongkong-Aktivist Joshua Wong einen Screenshot seiner Animal-Crossing-Insel, auf dem seine Spielfigur vor einem Plakat mit den Worten „Free Hongkong, revolution now“ zu erkennen ist.

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In anderen Videos sieht man Spieler*innen, wie sie mit einem Kescher auf ein Bild von Carrie Lam einschlagen und sich schwarz gekleidet zu virtuellen Begräbnissen von Politiker*innen versammeln.

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Offiziell zum Verkauf freigegeben ist Animal Crossing: New Horizons in China bis jetzt noch nicht. Wegen der strikten Regulierung des Videospielmarkts ist Nintendos Switch in China erst seit einem Jahr offiziell erhältlich und nur drei Titel der Super-Mario-Serie stehen zum freien Verkauf. Chinesische Gamer*innen mussten sich die Spiele daher über die Seiten Taobao und Pinduoduo besorgen – im Wesentlichen Chinas Ebay-Varianten – oder über den Nintendo-eShop herunterladen, durch das Wechseln der Länderregion.

Nicht der erste Fall von Zensur

Bislang gibt es keine offizielle Stellungnahme der chinesischen Regierung zum Verschwinden von Animal Crossing: New Horizons aus dem Angebot der Onlineshops. Doch Daniel Ahmad, ein Kenner der asiatischen Videospielbranche, ist sich sicher, dass die Entfernung in direktem Zusammenhang mit der Verbreitung der virtuellen Protestnachrichten steht. Chinas Rechtsprechung sieht vor, dass Videospiele unter anderem keine Inhalte enthalten dürfen, die die „nationale Einheit, Souveränität oder territoriale Integrität“ des Landes gefährden.

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Zuletzt fiel dem Zensurapparat etwa der Cartoon-Bär Winnie Puh zum Opfer. User*innen hatten sich über die Ähnlichkeit des Präsidenten mit der Figur lustig gemacht. Weitere Abbildungen des Bären wurden von den chinesischen Zensurbehörden verbannt – zuletzt im Jahr 2018, als der Disney-Film Christopher Robin, in dem auch die Figur Winnie Puuh zu sehen ist, nicht in chinesischen Kinos gezeigt wurde. 2019 sperrte der Entwickler Blizzard zudem den E-Sportler Chung „Blitzchung“ Ng Wai für ein Jahr aus dem Videospiel Hearthstone, nachdem er in einem Interview die Freiheit Hongkongs gefordert hatte.