Coronavirus: Diese jungen Menschen vergessen wir, wenn wir von Risikogruppen sprechen

Vor allem ältere Menschen sind durch das Coronavirus gefährdet? Ja, aber nicht nur.

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Sie alle zählen zur #Risikogruppe. Fotos: © privat

Gebt eure Kinder nicht zu den Großeltern, bietet euren älteren Nachbar*innen Hilfe bei Einkäufen an: Wenn über die Menschen berichtet wird, die das Coronavirus besonders hart trifft, stehen häufig Personen über 60 Jahre im Fokus. Dabei haben auch junge Menschen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, etwa bei bereits bestehenden Grunderkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem. Sie alle zählen zur sogenannten Risikogruppe.

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Die gleichnamige Aktion #Risikogruppe will diesen Menschen mehr Gehör verschaffen und gleichzeitig daran erinnern, wie wichtig es aktuell ist, die Maßnahmen zur Einschränkung der Virusausbreitung einzuhalten. Dafür haben sich unter anderem Aktivist Raul Krauthausen, Autorin Laura Gehlhaar, Journalist Jan Kampmann und Bloggerin Amelie Ebner zusammengefunden. Wir haben mit Amelie über den Aufruf gesprochen.

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ze.tt: Amelie, warum habt ihr diesen Aufruf gestartet?

Amelie Ebner: Wir wollen der #Risikogruppe ein Gesicht geben. Es wird immer von Risikogruppe gesprochen und für mich gefühlt immer davon, dass das Virus ja „nur“ Risikogruppen betrifft. Aber hinter jedem Risikopatienten steckt ein Mensch. Das sind Menschen über 60. Aber das sind auch junge Menschen. Menschen, denen man die Zugehörigkeit zur Risikogruppe vielleicht ansieht, aber auch solche, denen man es nicht ansieht. Und genau dafür wollen wir Aufmerksamkeit schaffen. Den Menschen zeigen, wer wir sind.

Was genau bedeutet es, zur Risikogruppe zu gehören?

Risikogruppe bedeutet „gefährdet“. Und gefährdet bedeutet hier Lebensgefahr. Wir alle haben unterschiedliche Vorerkrankungen, zumeist mit einer Gemeinsamkeit: Unsere Lungenfunktion ist eingeschränkt. Wir haben nicht die Kraft abzuhusten, womit wir alle gefährdet sind, sobald der Virus unsere Lungen betrifft.

Ich selbst wurde schon beatmet. Bereits eine Erkältung ist für mich schwer, weil ich den Schleim in der Lunge nur schwer loswerde. Eine Grippe und COVID-19 kann Lebensgefahr bedeuten.

Wer steckt hinter der Aktion?

Initiator ist Jan Kampmann. Ich hab eine WhatsApp erhalten, ob ich dabei sein möchte und natürlich „Ja“ gesagt. Er hat den Text verfasst, acht Leute zusammengesucht, die ihr Gesicht zeigen und ihre Geschichte erzählen wollen und hat alles ins Rollen gebracht.

Was wünschst du dir von der Gesellschaft?

Rücksichtnahme. Ja, eine gesunde Person wird das überstehen. Trotzdem sollte das nicht leichtfertig hingenommen werden. Jede*r Infizierte kann neue Menschen infizieren. Es geht nicht nur um eine*n selbst, sondern um alle. Um Risikogruppen, die das nicht so einfach überstehen. Uns zuliebe, den Eltern oder Großeltern, dem fremden Vorerkrankten zuliebe sollte alles getan werden, um zu verhindern, dass COVID-19 sich verbreitet. Beachtet die Maßnahmen. Denkt an die Mitmenschen.

Wie gehst du selbst mit der aktuellen Situation um?

Ich selbst bleibe so weit wie möglich zu Hause. Ich hab mein Praktikum vorerst abgesagt, Klausuren wurden von der Universität abgesagt. Und auch Freund*innen sage ich vorerst ab. Aber auch zu Hause pass ich auf. Meine Familie muss ja weiterhin arbeiten oder Einkäufe erledigen. Die sind aber sensibilisiert und haben – noch vor mir – Vorsichtsmaßnahmen getroffen und sind sehr rücksichtsvoll. Händewaschen, keine unnötigen Unternehmungen und so weiter.