ze.tt gr.een Was ist das?

Daran erkennst du, ob deine Beziehung lange halten wird

Es gibt Faktoren, an denen sich die Lang- oder Kurzlebigkeit einer Beziehung schon zu Anfang erkennen lässt. Doch ist Dauer das Einzige, wonach wir Partner*innenschaften bewerten sollten?

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Für immer? Egal. Foto: John Moeses Bauan / Unsplash | CC0

Nichts im Leben ist für immer – aber die Vorstellung ist schön. So schön, dass wir uns bei jeder neuen Beziehung wünschen, es möge doch bitte diesmal ewig halten. Nur gelingt das in den meisten Fällen nicht. Wissenschaftler*innen der Uni Jena haben jetzt herausgefunden, woran wir schon zu Beginn einer neuen Beziehung erkennen, ob sie von Dauer oder doch eher zeitlich begrenzt ist.

Das wirft durchaus Fragen auf. Zum Beispiel: Woran lässt sich die Haltbarkeitswahrscheinlichkeit ablesen? Und: Ist eine Beziehung nur dann wertvoll und gelungen, wenn sie bis zum Lebensende hält – oder gibt es da womöglich noch andere Kriterien?

Ja, Prognosen über die Dauer einer Beziehung sind möglich

Um die wahrscheinliche Beziehungsdauer zu analysieren, haben Psycholog*innen der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der kanadischen University of Alberta für ihre Studie knapp 2.000 Paare sieben Jahre lang immer mal wieder befragt; 16 Prozent haben sich innerhalb dieser Zeit getrennt. Basis ist die Langzeitstudie Pairfam (Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dyna­mics), die von 2008 bis 2022 läuft.

Das Ergebnis ist laut Dr. Christine Finn von der Uni Jena klar: „Prognosen über die Langlebigkeit einer Beziehung sind durchaus möglich.“ Es gebe demnach gewisse Vorhersagevariablen, die Informationen darüber geben, ob die Beziehung hält oder scheitert.

Und zwar existieren in der Psychologie zwei wissenschaftliche Ansätze, die einen Beziehungsverlauf beschreiben. Laut Nummer eins sind alle Paare zuerst gleich glücklich und entwickeln dann im Laufe der Beziehung Probleme und Konflikte, die zur Trennung führen. Nummer zwei geht davon aus, dass Paare auf unterschiedlichen Glücksniveaus starten und die Beziehung eher scheitert, wenn es sich um tendenziell unglückliche, unzufriedene Menschen handelt.

„Wir haben nun herausgefunden, dass eine Mischung aus beiden Modellen wohl zutrifft“, erklärt Dr. Finn laut Website der Uni. „Auch wir können ein unterschiedliches Ausgangsniveau bestätigen.“ Allerdings nehme das Glücksniveau bei denen, die sich trennen, deutlich rapider ab: „Das bedeutet: Wer unglücklich startet, wird noch unglücklicher.“

Ein entscheidender Aspekt für das (Un)Glücksniveau sei auch die Bedürfnis-Befriedigung. Wer innerhalb der Beziehung die eigenen Bedürfnisse – zum Beispiel nach Nähe und Distanz – als weitgehend erfüllt erlebt, ist logischerweise zufriedener. Und glücklicher. Deshalb sind Paare mit ähnlicher Bedürfnislage eher länger zusammen.

Darum führen wir Beziehungen

Wenn zwei Menschen von Anfang an unterschiedliche Werte haben, sich nicht gegenseitig aktiv zuhören und kaum gemeinsame Interessen bestehen, dann seien das Anzeichen, dass diese Beziehung nicht allzu lange halten könnte, sagt auch die Beziehungsexpertin Birgit Natale-Weber.

Doch all das zu Anfang einer neuen Liebe selbst zu erkennen und sachlich zu reflektieren, ist enorm schwierig. Schuld sind, wie so oft, die Hormone. „Die Schmetterlinge überflügeln zunächst rationales Denken“, erklärt Birgit Natale-Weber. „Beziehungsfähig werden wir erst, wenn wir zusammen sind und mehr voneinander wissen und übereinander herausfinden.“

Ohne Mut und Risiko geht also nichts in Sachen Liebe. Und das kann mitunter schwer sein – vor allem, wenn ein Herz nach mehreren gescheiterten Beziehungen gebrochen und arg gebeutelt ist.

Aber wenn es eh wahrscheinlich nicht für immer hält, warum sich dann überhaupt die Mühe machen? „Der Wunsch nach Bindung ist menschlich. Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht soziale Zugehörigkeit, beispielsweise durch Partnerschaft und Familie“, sagt Birgit Natale-Weber.

Und das bringt uns zur nächsten Frage: Was – über die Angst vor Einsamkeit und die reine Dauer hinaus – macht den tieferen Sinn einer Beziehung aus?

Das macht eine gute Beziehung aus

„Der Sinn einer Beziehung und die Qualität einer Beziehung sind zwei unterschiedliche Dinge“, sagt die Expertin. „Es gibt viele Paare, die zum Beispiel als Sinn ihrer Partnerschaft finanzielle Sicherheit oder einen Kinderwunsch angeben. Ihnen ist die Qualität ihrer Beziehung nicht so wichtig.“

Dann gibt es aber auch noch diejenigen, denen das nicht reicht oder nicht wichtig ist und die sich vor allem nach einer innigen Verbindung auf Augenhöhe sehnen.

Meistens allerdings ist es eine Kombination: Nicht allein sein wollen, einen tollen Menschen an der Seite haben und sich gemeinsam entwickeln, Familie gründen, ein gemeinsames Zuhause schaffen.

Die Qualität einer Beziehung – also, was wir daraus lernen und mitnehmen, wie wir uns dadurch entwickeln – hänge in erster Linie von der emotionalen Intelligenz und dem daraus resultierenden Umgang der Beteiligten miteinander ab.

Das ist laut Natale-Weber erkennbar an folgenden Fragen: Wie löst ein Paar Konflikte? Wie werden eigene Bedürfnisse angesprochen und gelebt? Wie verwirklicht es Ziele und Wünsche? Wie gut ist ein Paar darin, Gefühle wahrzunehmen und zu verstehen? Wie empathisch sind beide? Und wie kommunizieren sie miteinander?

„Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz sind aufmerksamer und empfänglicher für solche Dinge. Dadurch erkennen sie früher die versteckten Signale im Verhalten“, sagt die Beziehungsexpertin. Wenn beide auf einem ähnlichen Level seien, dann wirke sich das auf alles aus, vor allem auf die Kommunikation. Und damit letztlich auch auf die Beziehungsdauer.

Nicht zum Scheitern verurteilt

Doch selbst wenn beide eher grummelige Mufflons sind und jede Menge Unterschiede oder Konfliktpotenzial mitbringen und entwickeln, ist die Beziehung trotzdem nicht automatisch zum Scheitern verurteilt. Das sagt auch Dr. Christine Finn: „Paare können das Gemeinsame, wie das Ausleben von Nähe und Unabhängigkeit, auch bewusst steuern und daran arbeiten.“

Es gehe den Wissenschaftler*innen mit ihrer Untersuchung auch nicht darum, den Optimierungstrend weiter zu füttern und Beziehungen nur mit Aussicht auf Langlebigkeit zu bewerten: „Wenn sich Paare nach einiger Zeit trennen, kann das trotzdem eine wertvolle und wichtige Phase in ihrem Leben sein – die möglicherweise die folgenden Beziehungen positiv beeinflusst“, so Dr. Finn.

Es kommt also auch in der Liebe nicht unbedingt auf die Länge an, sondern auf die Qualität und darauf, was wir aus der Beziehung lernen. Sie muss gar nicht für immer halten, um einzigartig, schön und gut, richtig und wichtig zu sein.

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