Darum geht’s beim Sexting wirklich

Egal, ob Beziehung, Affäre oder Flirt: Sexting gehört für viele Menschen inzwischen dazu. Doch dahinter steckt mehr als blanke Geilheit und pure Lust.

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Wer sextet hat dafür womöglich auch andere Gründe als pure Lust. Foto: Ree / Pexels | CC0

Na, heute schon aufgeregt Pfirsich-Emoji, Nacktbildchen und anzügliche Nachrichten verschickt? Spätestens seit Smartphones, Wifi und Flatrates in unseren Alltag Einzug gehalten haben, hat sich Sexting als verbreitete Spielart etabliert. Wer genau wie viel sextet, dazu gibt es bislang wenig aktuelle Daten. Klar ist jedoch: Sexting gehört inzwischen zum Liebesleben wie Smartphones in unsere Hände.

Oberflächlich betrachtet geht’s beim Sexting um … naja, Sex. Aber wer ein bisschen genauer hinguckt, findet tiefere, detailliertere Motivationen fürs Verschicken versauter Botschaften. Laut einer aktuellen Studie zum Beispiel betreiben zwei Drittel der Teilnehmenden Sexting nämlich aus anderen Gründen.

Sex-Nachrichten als Beziehungsklebstoff

Kassidy Cox und Joseph Currin von der Texas Tech University haben sich das Thema Sexting im Rahmen einer Studie genauer angeschaut und 160 Teilnehmende im Alter von 18 bis 69 nach ihrer Sexting-Motivation befragt. Dabei haben sie sich auf Paare und einvernehmlich verschickte Sex-Nachrichten konzentriert.

Ergebnis: Die große Mehrheit, also zwei Drittel, tut’s aus drei Hauptgründen. Ein Teil der Befragten nutzt demnach Sexting als Teil des Vorspiels, um später richtig zur Sache zu kommen. Ein weiterer Teil verschickt Sex-Nachrichten, um von dem*der Partner*in Rückversicherung auf Beziehungsebene zu erhalten. Und ein dritter Teil macht’s lediglich, um dem*der anderen einen Gefallen zu tun.

„Das könnte nahelegen, dass manche Menschen Sexting betreiben, obwohl sie es lieber nicht täten – um dadurch entweder Bestätigung ihrer Beziehung zu erhalten, Ängste zu beruhigen oder später etwas Konkretes, nicht-Sexuelles als Gegenleistung zu bekommen“, sagt Kassidy Cox laut Uni-Webseite.

Es geht beim Sexting also gar nicht primär um Sex-Nachrichten an sich, sondern vorwiegend um die Beziehungsebene; darum, virtuell Nähe und eine Verbindung herzustellen, zu spüren und zu erhalten – gegebenenfalls, aber nicht zwingend, mit der Option auf spätere Umsetzung. Sexting fungiert quasi als Klebstoff und Währung in Beziehungen.

Diese Motivationen fürs Sexting sind laut der Studie übrigens durch alle Altersklassen, Geschlechter und sexuellen Orientierungen ähnlich.

Sexting kann empowern

Allerdings hat eine vorherige Untersuchung zum Thema Sexting ergeben, dass vor allem heterosexuelle Frauen beispielsweise Nacktbilder verschicken, damit ihr Partner nicht das Interesse verliert oder sich woanders umsieht. Auf Grund der gesellschaftlich verankerten Rollenbilder wäre demnach der Druck auf Frauen größer, entsprechende Fotos von sich zu verschicken, erklärt hier die Soziologie-Doktorandin Morgan Johnstonbaugh von der University of Arizona.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite würden Frauen durchs Verschicken entsprechender Fotos auch ein Stück weit sexuelle Ermächtigung empfinden, „weil man dadurch einen Raum kreiert, in dem man sich in seiner Sexualität und in der Erforschung des eigenen Körpers sicher fühlt“, so Johnstonbaugh.

Beides ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch, meint Johnstonbaugh: „Die Tatsache, dass sich Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit dabei sowohl ermächtigt als auch entmächtigt fühlen – dass sie sich für beides entscheiden, wenn sie über dieselbe Handlung nachdenken – zeigt, dass Frauen bei so einer Interaktion mehr zu gewinnen, aber auch mehr zu verlieren haben.“

Nur in gegenseitigem Einvernehmen

Das Allerwichtigste beim Sexting sind vor allem Einvernehmlichkeit und Vertrauen. Niemand sollte sich unter Druck gesetzt fühlen, jemand anderem Nacktbilder oder erotische Nachrichten zu schicken.

Und noch weniger sollte man jemand anderen unter Druck setzen, auch nicht passiv mit Sätzen wie „Wenn du mich wirklich gern hast …“ oder „Ich schick dir eins, du schickst mir auch eins …“ Da flattert die rote Flagge höchst alarmierend.

Wer sich jedoch miteinander wohl fühlt und Lust darauf hat, kann beim Sexting richtig Spaß miteinander haben und die eigene Sexualität auch auf virtueller Ebene ausleben.

Versteht sich logischerweise von selbst, dass beim Sexting gewisse Sicherheitsregeln eingehalten werden sollten – zum Beispiel idealerweise keine Nacktbildchen mit Gesicht verschicken. Letztlich gibt es nämlich keine Garantie, dass Fotos nicht doch irgendwie an Dritte gelangen. Weitere Sicherheitshinweise gibt es hier oder hier. Ansonsten ist erlaubt, was beiden gefällt und die Fantasie anregt.

Übrigens: Einfach so aus blauem Himmel Nacktbilder oder ähnliches an andere Menschen zu verschicken, ist definitiv kein Sexting, wie Joseph Currin erklärt: „Wer ungefragt Sex-Nachrichten verschickt – zum Beispiel Bilder von Genitalien –, sextet nicht, sondern belästigt die Empfänger.“