Darum ist es so wichtig, „Ich liebe dich“ zu sagen

„Ich liebe dich“ – das sind doch bloß drei kleine Worte. Oder? Warum wir uns damit manchmal schwer tun und es trotzdem wichtig ist, diesen Satz auszusprechen.

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"Ich dich auch!" Foto: Git Stephen Gitau / Pexels | CC0

Es gibt Menschen, denen geht das „Ich liebe dich“ ziemlich locker-flockig von den Lippen. Es gibt aber auch Menschen, die diesen Satz nur mit großer Überwindung und viel Mut hervorbringen können. Wenn überhaupt. Einigen bedeutet er alles; für andere widerum sind es lediglich Worte, die mit der gelebten Beziehungsrealität nicht viel zu tun haben.

Kompliziert kann es werden, wenn Menschen mit unterschiedlicher „Ich liebe dich“-Konfiguration eine Beziehung eingehen. Dann helfen Kompromisse und Kommunikation. Die Beziehungsexpertin Birgit Natale-Weber erklärt, warum das wichtig ist – und wie sich Paare diesbezüglich in der Mitte treffen können.

„Ich liebe dich“ – „Mhm.“

Vorab: So unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich sind logischerweise auch ihre Gefühlswelt und ihr Umgang damit. Das gilt es zu erkennen und zu respektieren.

„Ich liebe dich“ zu sagen und hören zu wollen kann laut Expertin unter anderem der Bindungsversicherung und -stabilisierung dienen. „Es ist für viele ein wichtiger Hinweis auf die noch immer bestehenden Gefühle dem oder der anderen gegenüber“, sagt Birgit Natale-Weber. So ähnlich wie ein kurzer Funkspruch: „Bist du noch da?“

Doch einige tun sich schwerer damit als andere, diese drei Worte tatsächlich zu verbalisieren. Das kann laut Natale-Weber verschiedene Ursachen haben. „Es ist ein emotionaler Satz. Und in der Regel verlernen wir als Erwachsene, über unsere Gefühle offen zu sprechen“, sagt die Expertin. „Die Gründe dafür haben damit zu tun, wie uns als Kind Liebe vermittelt wurde. Je nach Erfahrungen fällt es deshalb manchen Menschen leichter oder schwerer.“

Wer also in der Kindheit nicht gut gelernt hat, den eigenen Gefühlen zu vertrauen und sie gefahrlos und geschützt ausdrücken zu können, hat damit im Erwachsenenalter unter Umständen Probleme. Was nicht zwangsläufig heißt, dass die Gefühle nicht da sind.

Und dann gibt es auch noch diejenigen, die in ihrer Kindheit keine sichere Bindung erlebt haben; für sie kann es aus Gründen der Rückversicherung besonders wichtig sein, „Ich liebe dich“ zu hören und zu sagen. Und zwar oft. Sehr oft. Das kann ein Zeichen von Verlustangst sein.

Die Sprachen der Liebe

Wie wir „Ich liebe dich“ ausdrücken, ist dementsprechend sehr unterschiedlich; wir sprechen laut Natale-Weber quasi verschiedene Sprachen der Liebe. „Für manche Menschen ist zum Beispiel Hilfsbereitschaft wichtig – das heißt, sie möchten Zeit von ihrem Partner oder ihrer Partnerin geschenkt bekommen, in der er oder sie ihnen bei etwas behilflich ist“, sagt Birgit Natale-Weber. „Wenn diese Menschen wütend werden, weil der oder die andere nie saugt oder den Müll hinausbringt, dann ist ihre Sprache die der Hilfsbereitschaft.“

Sie fühlen sich demnach dann anerkannt und geliebt, wenn sie unterstützt werden. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Sie selbst drücken Liebe am ehesten in Hilfsbereitschaft, Unterstützung und Taten aus. Das Auto in die Waschanlage bringen, einkaufen, unangenehme Anrufe erledigen … Es kann für die Beziehung enorm hilfreich sein, das „Ich liebe dich“ darin aufmerksam zu erkennen und bewusst wertzuschätzen.

Leute, denen hingegen Lob und Anerkennung am Herzen liegen, hören den Satz laut Natale-Weber in der Tat gern ausgesprochen. Auch das ist wichtig zu verstehen, zu wissen und danach zu handeln. Denn wie die Expertin erklärt: „Wenn zwei Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen, verstehen sie sich nicht.“ Zumindest nicht auf Anhieb und ohne jede Übersetzungshilfe.

Sich in der Mitte treffen

Was also tun, wenn eine*r von beiden „Ich liebe dich“ regelmäßig hören will, um sich geliebt zu fühlen, der*die andere aber eher so Team Taten ist?

Erste Regel im „Ich liebe dich“-Club: Nur kein Druck und keine Erwartungshaltung, denn das ist meist kontraproduktiv. „Wir sollten herausfinden, welche Sprache der Liebe wir und welche der oder die andere spricht. Dazu benötigen wir Zeit und Aufmerksamkeit“‚ rät Birgit Natale-Weber stattdessen. „Eine Investition, die sich lohnt, denn sie ist der Schlüssel zu einer gesunden und glücklichen Beziehung.“

Der erste Schritt ist Beobachtung – unserer selbst und des*der Partner*in. Wie sieht es in uns aus, was brauchen oder tun wir, um uns geborgen und geliebt zu fühlen und wie drücken wir unsere Gefühle am ehesten aus? Und ist der*die Partner*in jemand, der*die gern Komplimente hört oder beim gemeinsamen Frühjahrsputz happy ist? Sind kleine Aufmerksamkeiten und Überraschungen entscheidend, Zweisamkeit?

„Natürlich freuen wir uns alle über Komplimente und Sätze wie ‚Ich liebe Dich‘, sagt die Beziehungsexpertin, „trotzdem haben wir alle eine Lieblingssprache, die für uns am wichtigsten ist.“

Liebe bedeutet für jede*n ein bisschen was anderes

Wenn ein Paar diese Unterschiede gefunden und ein Bewusstsein dafür entwickelt hat, sind beide langfristig zufriedener. „Keine Beziehung ist gleich und für jeden Menschen bedeutet Liebe etwas anderes“, fasst Birgit Natale-Weber zusammen. Das kann sich auch im Laufe der Jahre durchaus ändern, weshalb anhaltende Achtsamkeit eine maßgebliche Rolle spielt.

Ohne Kommunikation und Kompromisse geht es dabei selbstverständlich nicht – ob nun gelegentlich den Mund aufmachen und „Ich liebe dich“ sagen oder aktiv mit Taten Unterstützung und Hilfe zeigen. Sich aufeinander zubewegen, das zählt. Wie Birgit Natale-Weber meint: „Es müssen nicht immer Worte sein. Wenn Paare ihre Sprache der Liebe gefunden haben, dann finden sie auch die passende Kommunikationsebene.“

Wichtig ist aber vor allem auch, dass das „Ich liebe dich“ nicht zu einer abgenutzten Floskel wird, sondern seine Bedeutung behält und gesagt wird, wenn es wirklich von Herzen kommt. Oh, und es aus Angst vor Ablehnung oder anderen Dingen nicht zu sagen und für sich zu behalten, das gilt übrigens nicht. Wenn wir dem*der Partner*in nicht offen und frei Gefühle zeigen können – wem denn bitte dann?

Ach, hier noch ein kleiner Klassiker zum Thema:

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