Darum kleben Menschen Bananen an Wände und versuchen, sie teuer zu verkaufen

Ist jede Banane, die mit Klebeband auf eine Wand geklebt wird, ein Kunstwerk, das 120.000 US-Dollar wert ist?

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Nach dem Bananen-Eklat auf einer Kunstmesse in Miami kleben Menschen auch andere Dinge an Wände. Foto: Cindy Ord/Getty Images / Illustration: Elif Kücük / ze.tt

Spätestens seit Banksys Coup im Oktober 2018, als sich sein Bild Girl with Balloon während einer Versteigerung im traditionsreichen Auktionshaus Sotheby’s vor den verdutzten Augen bietender Kunstsammler*innen selbst zerstörte, diskutiert die Kunstszene über Sinn und Unsinn der teils horrenden Summen, die für vermeintlich einfache Kunstwerke hingeblättert werden. Nun ist es die mit Klebeband an einer Wand befestigte Banane des Künstlers Maurizio Cattelan, die für hitzige Debatten sorgt.

Ist das Kunst, oder kann man das essen?

Maurizio Cattelan's
Fame-Banane. Foto: Cindy Ord/Getty Images

Am Eröffnungstag der Kunstmesse Art Basel in Miami war das Comedian genannte Kunstwerk des italienischen Künstlers Maurizio Cattelans gleich zweimal an Kunstsammler*innen verkauft worden – für je 120.000 US-Dollar. Eine mit Klebeband befestigte Banane, die für 120.000 US-Dollar verkauft wird, ist in der ohnehin wirren Kunstwelt allein freilich keine Meldung wert.

Zu größerer Bekanntheit erlangte das Kunstwerk erst, nachdem der Performancekünstler David Datuna ungehindert vom Sicherheitsdienst zu dem Obst griff und sie vor den Augen der perplexen Besucher*innen verspeiste. Er kommentierte seine Hungry Artist (hungriger Künstler) betitelte Performance mit den Worten: „Ich liebe Maurizio Cattelans Kunst, und ich liebe diese Installation wirklich. Sie ist köstlich.“ In einem Video auf Instagram wurde der Vorfall dokumentiert.

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Die für die Ausstellung verantwortliche Galerie Perrotin reagierte gelassen: „Er hat das Kunstwerk nicht zerstört“, sagte ein Sprecher gegenüber der Zeitung Miami Herald. Die Käufer*innen hätten lediglich ein Authentizität-Zertifikat und die Rechte an der Idee erworben. Die Banane an sich sei austauschbar.  Genauso geschah es dann auch: Der herbeigeeilte Galeriebesitzer Emmanuel Perrotin klebte laut Miami Herald anstelle des Originalobstes kurzerhand eine Ersatzbanane auf die Leinwand.

Doch auch diese sollte nicht lange kleben bleiben. Nachdem sich eine weitere Person an der Ersatzsüdfrucht vergriffen hatte, zogen die Verantwortlichen Konsequenzen und entfernten am Sonntag das Kunstwerk komplett aus ihren Räumlichkeiten. Es sei zu gewaltigen Menschenaufläufen gekommen und die Sicherheit der Besucher*innen habe nicht länger gewährleistet werden können, teilte die Galerie auf Instagram mit.

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Wer bietet mehr?

Sicher stellt sich nach den Vorfällen am Wochenende die Frage, ob denn nun Maurizio Cattelans eigentliche Banane das Kunstwerk ist oder ob es erst dem Eingreifen David Datunas zu verdanken ist, der mit seinem Appetit das Gesamtwerk vollendete. Sicher scheint: Es brauchte die erhitzte Art-Basel-Atmosphäre. Ohne den Glamour der High Society Miamis hätte von der Existenz der Banane wohl kaum jemand erfahren. Sie verhalf der Galerie Perrotin zu unverhoffter Bekanntheit, indem sie auf den Titelseiten zahlreicher internationaler Zeitungen zu sehen war.

Die Banane trendete am Freitag auf Twitter, wurde auf Instagram diskutiert, kommentiert und parodiert. Perrotin richtete dem Bananen-Werk daraufhin einen eigenen Instagram-Kanal ein, der Reaktionen auf das Kunstwerk sammelt.

Diese reichen von den zu erwartenden Memes, über Kritik, bis hin zu mehr oder weniger ernsthaften Verkaufsangeboten anderer, die nach der Berichterstattung damit begannen, ebenfalls Dinge an Leinwände zu kleben und sie für teures Geld zu verkaufen versuchten.

Ein User etwa bietet einen mit Klebeband befestigten Apfel zum halben Preis des originalen Bananen-Kunstwerks. Für das Obst müssten Interessent*innen lediglich 60.000 Dollar auf den Tisch legen. Ein anderer geht den umgekehrten Weg: Wenn eine einzelne Banane 120.000 US-Dollar wert sei, ist er sich sicher, dass er für ein ganzes mit Klebeband befestigtes Bund Bananen sicher eine Million US-Dollar bekommen könnte.

Als Kunstkonzept ist das alles nicht neu. Bereits im Jahr 1917 hatte der französische Konzeptkünstler Marcel Duchamp ein Urinal in einem Ausstellungskontext präsentiert und damit zu Kunst erklärt. Kunst ist schließlich das, was ein*e Künstler*in als Kunst definiert. Um mit dem eigenen Werk aber tatsächlich auch reich zu werden, bedarf es das Moment. Eine mit Tesa an der Wand befestigte Bifi reicht da vermutlich nicht aus. Aber versuchen kann man’s ja.