Darum sind Freundschaften im Job so wichtig

Wer innige Freundschaften im Job knüpft, verschwendet bloß Zeit mit Quatschen und riskiert Vertrauensmissbrauch? Nicht wirklich, das Gegenteil ist der Fall. 

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Freundschaften auf der Arbeit erhöhen die Produktivität. Foto: crien / CC0

Ich weiß nicht, was ich ohne sie gemacht hätte. Es ist zehn Jahre her, dass ich eine Zeit lang in einem bitterlich toxischen Umfeld gearbeitet habe: Mobbing, garstige E-Mails, Intrigen beim Chef … Wären Wiebke und Jana nicht gewesen – ich hätte es in dem Laden wohl keine fünf Minuten ausgehalten. Aber wir drei wurden ein eingeschworenes Team und haben uns auch lange nach diesem fürchterlichen Job noch regelmäßig getroffen.

Es muss allerdings gar keine derart extreme Situation sein, die Freundschaften im Job so wertvoll und wichtig macht. Wer beste Freund*innen am Arbeitsplatz hat, ist nachweislich produktiver, motivierter und zufriedener.

Befreundet im Job – man kennt sich

Dass Freundschaften im Job entstehen, liegt unter anderem am gegenseitigen Verständnis. Ihr haltet euch mit denselben Leuten im selben Biotop auf; kennt Details, Konflikte und Abläufe, die Freund*innen außerhalb der Arbeit oder auch Partner*innen nicht immer zu hundert Prozent nachvollziehen können.

„Nur jemand, der auch Journalist ist, kann verstehen, wie es jemandem vor einem weißen Bildschirm geht, wenn in zwei Stunden der Artikel fertig sein muss. Lehrer sind daher zum Beispiel gern mit Lehrern, Psychotherapeuten mit anderen Therapeuten befreundet“, erklärt der Freundschaftsexperte und Buchautor Dr. Wolfgang Krüger (Freundschaft: beginnen – verbessern – gestalten). Und er fügt hinzu: „Und Freundschaften im Job liegen auch deshalb nahe, weil wir fast ein Drittel unserer Tageszeit im Beruf verbringen.“

Doch nur, weil Angestellte miteinander befreundet sind, heißt das nicht, dass sie diese Zeit hauptsächlich mit quatschen und Blödsinn machen verbringen. Das Gegenteil trifft eher zu.

Mehr Engagement und Motivation

Durch Freundschaften im Job steigt nachweislich sogar die Produktivität. Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup untersucht unter anderem das Thema Befreundetsein am Arbeitsplatz und schreibt auf seiner Webseite: „Unsere Forschung hat wiederholt eine konkrete Verbindung zwischen einer guten Freundschaft im Job und der Mühe, die sich Angestellte geben, gezeigt.“

Gründe dafür laut Gallup: Angestellte fühlen sich ihrem Team dann mehr verbunden, sie engagieren sich stärker. Menschen wünschen sich, dass ihre Arbeit mehr ist als nur das Erledigen von Aufgaben. Und wer im Job keine tiefergehenden Beziehungen pflegt, kann sich leicht isoliert und nicht ausgefüllt fühlen. „Freunde auf der Arbeit zu haben, führt zu besserer Leistung“, heißt es laut Gallup. Zudem wirken sich Freundschaften im Job auch auf Arbeitssicherheit, Kund*innenzufriedenheit und Profit aus.

Und wenn die Freundschaft zerbricht?

Ganz und gar unproblematisch sind Freundschaften im Job trotzdem nicht. „Du musst auf der Arbeit nicht immer alles erzählen“, hat meine Omi zum Beispiel oft gesagt. Damit meinte sie, dass zu viel private Information preiszugeben eventuell auch mal nach hinten losgehen kann. Bisher habe ich das konkret erst einmal erlebt – und das war ein Versehen.

Konflikte zwischen Freund*innen am Arbeitsplatz werden laut Dr. Krüger vor allem durch Rivalität und Neid verursacht: „Also, wenn einer befördert wird und mehr Erfolg hat und der andere nicht gut damit umgehen kann.“

Heikel kann es werden, wenn eine Freundschaft endet und ihr euch nicht aus dem Weg gehen könnt – ganz ähnlich wie bei Liebe am Arbeitsplatz. „Es kommt sehr darauf an, warum die Freundschaft zerbricht“, so Dr. Krüger. „Entscheidend ist dann, sich so zu verhalten, dass der Beruf nicht beschädigt wird.“ Dazu benötigt es ein gewisses Maß an Respekt und Reife.

Trotzdem tun Freund*innen am Arbeitsplatz überwiegend rundum gut, und zwar deshalb:

Sie trösten dich, wenn andere gemein zu dir sind

Chef*in mal wieder besonders cholerisch? Spitzzüngige*r Kolleg*in noch bissiger als sonst? Keine Sorge: Freund*innen im Job sind immer auf deiner Seite und setzen sich loyal für dich ein.

Sie feiern Erfolge mit dir

Egal, ob erfolgreiche Präsentation, gelungenes Projekt, Wahl zum*zur Mitarbeiter*in des Monats, Beförderung oder Gehaltserhöhung: Sie machen stets neidlos den Sekt auf und feiern dich hemmungslos.

Sie halten dir den Rücken frei

Wenn die Hütte lichterloh brennt und dir schon ganz blümerant wird vor lauter Arbeit – auf deine Freund*innen am Arbeitsplatz kannst du dich verlassen. Sie springen ein und packen mit an, ganz selbstverständlich.

Sie verbringen Mittagspausen mit dir

Es gibt nichts Schöneres, als sich mal für ein halbes Stündchen gemeinsam aus allem rauszuziehen und in guter Gesellschaft zu chillen. Und je besser ihr euch kennt, desto weniger drehen sich die Gespräche um die Arbeit.

Sie kennen dich in- und auswendig

Manchmal reicht ihnen ein kurzer Blick auf dein Gesicht – und dann werfen sie dir im richtigen Moment wortlos einen rettenden Schokoriegel auf den Schreibtisch.

Sie sind ehrlich

Wenn du mal Mist gebaut hast, hauen Freund*innen im Job dich nicht in die Pfanne. Aber sie lassen dir auch nicht alles durchgehen, sondern sagen dir ihre Meinung. Hart, aber herzlich.

Sie sind auch nach der Arbeit für dich da

Ob Kantine, Club oder Couch: Wahre Freundschaft im Job endet selbstredend nicht mit dem Feierabend.

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Kultur der Inklusion

Freundschaften im Job sind also eindeutig und nachgewiesenermaßen eine prima Sache. Und Vorgesetzte und Unternehmen können und sollten sie deshalb laut Gallup fördern. Zum Beispiel durch offene Kommunikation und Möglichkeiten der Zusammenarbeit; durch gemeinsame Aktivitäten; dadurch, dass Vorgesetzte mit gutem Beispiel vorangehen. Und zwar langfristig. „Unternehmen sollten sich darauf konzentrieren, wie sie eine Kultur der Freundschaft und Inklusion schaffen können.“

Denn ohne Freundschaft im Job ist die Arbeit nicht nur weniger gut, sie macht auch nur halb so viel Freude. Und ja – das zählt.