Das Engagement von Toni Kroos zeigt, dass er mehr ist als ein guter Fußballer

Der Nationalspieler gründete eine Stiftung für schwer kranke Kinder und hat eine genaue Vorstellung davon, wie Deutschland in zehn Jahren aussehen soll.

Toni Kroos mit seinem Sohn Leon Foto: © Toni Kroos / Twitter

Was hat Fußballdeutschland gefeiert, als Toni Kroos das Ding gegen Schweden reingemacht hat. Es ist nicht zuletzt seinem großartigen Freistoßtor am vergangenen Samstag zu verdanken, dass die deutsche Mannschaft wieder mitten drin in der WM ist. Viele munkeln, er könnte damit das Feuer der Nationalelf neu entzündet haben.

Es gibt da aber noch einen Grund, den Mittelfeldspieler zu feiern: sein menschliches Engagement. Kroos gründete 2015 eine gemeinnützige Stiftung. Mit ihr setzte er sich zum Ziel, gesundheitlich stark beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen und deren Familien zu unterstützen. „Diesen Kindern möchte ich Wünsche erfüllen, Träume realisieren und auch Therapien oder Behandlungen übernehmen, die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden“, schreibt er auf der Webseite. „Oft muss es schnell gehen, denn die Kinder kommen ins Krankenhaus, die Eltern möchten in der Nähe sein und die Geschwisterkinder müssen versorgt werden.“

Inspiriert habe ihn ein Besuch in einem Kinderkrankenhaus mit seiner Mannschaft Real Madrid. „Da ich selbst Vater zweier zum Glück gesunder Kinder bin, kann ich mir vorstellen, wie schwer diese Zeit für die Eltern aber auch für die Geschwister ist“, schreibt er. Zur WM organisiert die Stiftung Public Viewings.

Der zweifache Vater teilt – wie auch seine Ehefrau – dann und wann Eindrücke aus seinem Familienleben auf seinen Social-Media-Kanälen mit mehreren Millionen Follower*innen. Dabei immer im Fokus: die gemeinsamen Kinder.

Sicher gehören solche emotionalen Momente und sein soziales Engagement zur Markenbildung eines Fußballers dieser Klasse dazu. Kroos ist beileibe nicht der einzige im WM-Kader, der in dieser Richtung aktiv ist: Neben ihm gründeten etwa auch Torwart und Kapitän Manuel Neuer, der Mittelfeldspieler Samy Khedira und Abwehrspieler Matthias Ginter eine Stiftung, die Kinder in Not unterstützen sollen. Andere spenden regelmäßig für ausgewählte Projekte oder fungieren als Botschafter für Organisationen, Abwehrspieler Jérôme Boateng erhielt unter anderem den Moses-Mendelsson-Preis für Toleranz.

Noch eine andere Sache liegt Kroos am Herzen: die Situation der Geflüchteten im Land

Kroos nutzt die gigantische Öffentlichkeit, die er als internationaler Fußball-Weltstar genießt, aber auch, um konkret politische Einstellungen und Werte zu transportieren. So äußerte er etwa auf Twitter Unterstützung für die Politik der Bundeskanzlerin – Kritik daran schmetterte er ab. Klaas Heufer-Umlauf fragte den Spieler im vergangenen September danach, wie er sich Deutschland in zehn Jahren vorstellt. Seine Antwort ungekürzt:

Ich hoffe, dass das Thema Flüchtlinge in geregelten Bahnen ist. Dass wir in der Lage waren, viele zu integrieren, die hier dann arbeiten und unsere Sprache sprechen. Ich glaube, dass viele Menschen diesem Thema genau so offen gegenüberstehen wie ich. Jeder normal fühlende, normal denkende Mensch muss das Bedürfnis haben, diesen Menschen, die ja nicht freiwillig ihr Land verlassen und bei uns Schutz suchen, zu helfen.“

Wie auch immer die deutsche Nationalmannschaft sich in dieser WM noch sportlich entwickeln wird, die Nationalspieler haben mit Toni Kroos zumindest jemanden an der Seite, der offen für seine Mitmenschen einsteht. Egal, wie viele Traumtore er noch schießt.