Das erste YouTube-Video ist 13 Jahre alt – Diese Clips haben uns nachhaltig beeindruckt

Willkommen in der Pubertät: Das erste Video, das jemals auf YouTube geladen wurde, feiert seinen 13. Geburtstag. Zu diesem Anlass erinnern wir uns an unsere prägendsten YouTube-Videos.

Screenshots: Youtube

Vor 13 Jahren lud Jawed Karim, der Mitbegründer von YouTube, das erste Video auf sein damals neues Videoportal. Darin steht Karim vor dem Elefantengehege eines Zoos und schreibt, ohne es zu wissen, Geschichte.

„Wir sind hier vor dem Elefantengehege. Das Coole an Elefanten ist, dass sie wirklich sehr, sehr lange … Rüssel haben. Das ist cool. Und das ist eigentlich alles, was es zu sagen gibt“, sagt Karim im Video.

Zack, bumm! 18 Sekunden, vier Sätze, ein schlechter Witz – und eine neue Ära der Mediennutzung ist eingeläutet. 13 Jahre später wurde das Video mehr als 48 Millionen mal angesehen und Fernsehen ist zu einer Tätigkeit für Nostalgiker*innen geworden. Im Jahr 2017 verzeichnete das Videoportal weltweit mehr als 1,5 Milliarden aktive Nutzer*innen monatlich.

Zum Ehrentag des ersten YouTube-Clips haben wir in der Redaktion gefragt, welches YouTube Video uns am meisten in Erinnerung geblieben ist. Hier sind die Antworten:

Liebe verstehen lernen

Gerlinde: „2014 bin ich auf dieses Video gestoßen. Ich war frisch verliebt. Wir schickten uns Songs, Zeichnungen und andere kleine Dinge hin und her, die uns inspirierten oder dem jeweils anderen zeigen sollten, was er*sie gerade fühlt. Das Video ist mir besonders in Erinnerung geblieben, weil es für mich auch die beste Beschreibung für diese frisch verliebte Kennenlernphase ist, in der alles ein wenig Kopf steht und man wie auf Droge ist. Ich gucke es seitdem immer wieder, wenn ich dieses Gefühl von Verliebtheit spüre, weil es mich an diese schöne Zeit erinnert, die aus den kleinen täglichen, verliebten Botschaften zwischendurch bestand.“

Wie geht Film?

Till: „Ich habe mich lange als Filmliebhaber bezeichnet, aber erst durch die YouTube Videos des Cutters Tony Zhou lernte ich, diese Kunst bis in die Tiefe zu schätzen. In seinen kurzen Videoessays geht er aus einer professionellen Perspektive darauf ein, warum wir den Film eigentlich so gut finden, der uns nicht mehr aus dem Kopf geht. Im ersten Video, das ich von ihm sah, beschreibt er eingängig und kurzweilig, wie wichtig der Schnitt für Filme ist. Seine Beispiele bleiben unweigerlich im Kopf. Leider wird von ihm nichts Neues mehr kommen. Glücklicherweise gibt es einige Kanäle, die mindestens genauso tolle Essays über Kunst produzieren, darunter Nerdwriter1, Lessons from the Screenplay, Entertaining the Elk und Gamemakers Toolkit.“

„Is this real life?“

Elif: „Ich frag mich noch immer, welche Betäubungsmittel diesem Kind gegeben wurden. Es muss vor mindestens sieben Jahren gewesen sein, als ich diesen betäubten Jungen zum ersten Mal die Realität infrage stellen sah. Ich lachte mich damals schon kaputt, zitiere ihn bis heute gerne: ‚Is this real life?‘ Dieser Satz und Where is my mind? von Pixies sind so eine Liga.“

Spätpubertärer Humor

Brigitte: „Ein klassischer Abend in den ersten zwei Semestern meines Studiums sah ungefähr so aus: Ich saß mit zwei Freundinnen in meiner WG herum. Irgendwann scharten wir uns um mein PC-Fossil, um zusammen Videos von Coldmirror anzugucken. Keine andere YouTuberin hat mich in den letzten zehn Jahren wohl so geprägt – weil diese Frau, unter anderem mit ihren berühmten Harry-Potter-Neusynchronisationen, genau meinen spätpubertären Humor traf. Und ich sie um ihre grenzenlose Fantasie beneidete. Bei diesem Clip – Harry Potter Zeitschriften PATZER Folge 1 – bekomme ich immer noch Bauchschmerzen vor Lachen. Und ich schwöre, ich kann jeden einzelnen Satz mitsprechen.“

Witzige Fakten

Ana: „Ich hab mal meine jüngere Schwester gefragt, was ein cooles Video für sie ist. Sie hat mir History of Japan geschickt. Im Prinzip ist es ein Erklärvideo über die Entstehung und Geschichte Japans. Animierte Wordart, funky Grafiken und Gesangseinlagen geben den trockenen Fakten aber eine spezielle Art Humor. Immer, wenn es heißt „man muss Informationen spannend aufbereiten!“ denke ich an dieses YouTube Video. Ich würde mir wünschen, dass mehr Themen so aufbereitet werden: gut recherchierte Fakten mit einem seltsamen Dreh. Und mit Gesangseinlagen.“

Das sexieste Video aller Zeiten

Eva: „Es dauert exakt 15 Sekunden. 15 Sekunden und die kleinen Härchen auf meinen Armen stellen sich alle auf. Meine Haut zieht sich zusammen. Gänsehaut. Ich kenne die Klänge auswendig. Jedes Mal, wenn ich sie höre, machen sie mich glücklich. Als hätte der Sound einen direkten Draht zu meinem Dopaminausschuss. Für mich ist Tom Veks Aroused der sexieste Song aller Zeiten. 1.568.237 Aufrufe zählt das Video bisher. So einige stammen von mir. Jedes Mal, wenn ich mich gut fühlen will, mache ich es an. Und jedes Mal funktioniert es. Ich weiß leider nicht mehr, wer mir dieses Video geschickt hat. Aber ich kann mich noch an den Kommentar dazu erinnern: ‚Das beste Video der Welt, außer du willst mit dem Rauchen aufhören.'“

Erinnern & entspannen

Mark: „Meine liebste Zeichentrickfigur auf YouTube ist Bee. Mitte zwanzig, verrückt nach Essen und chronisch pleite. Statt sich einen realen Job zu suchen, erledigt sie an der Seite ihres Schoßtieres PuppyCat Jobs als Monsterkillerin in bunten Fantasywelten. Klingt crazy, die Webserie ist aber hübsch animiert und gewann ab November 2014 auf dem YouTube Kanal Cartoon Hangover zig Fans. Auch mich. Bee and PuppyCat ist die einzige YouTube Serie, die ich gesuchtet habe und immer mal wieder laufen lasse. Zum Ausnüchtern, Runterkommen, Träumen.“

The best of the best

Philipp: „Dass Prince ein magisches Geniewesen ist, war mir als Fan schon längst klar. Wie bewusst ihm das auch selbst ist, sah ich zuerst in diesem Video. Ein paar Musiklegenden spielen gemeinsam den Song While My Guitar Gently Weeps, eh ganz nett und so. Doch dann kommt Prince in den Vordergrund und plötzlich fühlt es sich so an, als wären Tom Petty, Steve Winwood, Jeff Lynne und Co. bloß die Vorband gewesen – und das obwohl Prince kein einziges Wort mitsingt. Mit einem E-Gitarren-Solo stellt er die anderen Herren aber so sehr in den Schatten, dass sie selbst nur große Augen machen können. Zum Ende des Auftritts, während sich die anderen verbeugen und dem Applaus widmen, wirft Prince seine Gitarre nach vorne und verlässt ohne sich umzusehen die Bühne. Dieses Selbstbewusstsein, diese Arroganz, dieses Können ist mir in Erinnerung geblieben, auch wenn ich das Video als Prince-Fan wohl nicht ganz objektiv sehen konnte. Bis heute gucke ich gerne dieses Video und bis heute kriege ich Gänsehaut, wenn dieses Magiewesen das tut, was es am besten kann.“

Für eine bessere Welt

Tessa: „2017 habe ich ein Seminar an der Uni zu sozialen Bewegungen im Maghreb belegt. Hineingeraten bin ich eher zufällig, quasi ohne Vorwissen und mit geringen Erwartungen. Tatsächlich war es das spannendste Seminar, das ich je an der Uni belegt habe. Mit am meisten geprägt haben mich die Filme, die wir angeschaut haben. Einer davon ist die Dokumentation My Makhzen and Me von dem jungen Filmemacher Nadir Bouhmouch. Es handelt von den Protesten gegen den König und das Regime, die 2011 zur Zeit der Arabischen Revolutionen in Marokko stattfanden. Die Energie der jungen Studierenden, die versuchen, ihr Land zu etwas Besserem zu machen, ist wahnsinnig inspirierend und ansteckend. Die Doku, die in ganzer Länge auf YouTube zu sehen ist, macht Lust, selbst mit voller Energie für die bessere Welt zu kämpfen, von der man glaubt, dass sie erreicht werden kann.“

31 Lieder – 31 verschiedene Tanzstile

Marieke: „Ein fast kahlköpfiger Mann – Typ Vater Sonntagnachmittag vorm Grill – tanzt sich mit weit ausgestellter Bluejeans und blassrotem T-Shirt einmal durch die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Das hundertmillionenfach geklickte Video von Judson Laipply zeigt sechs Minuten lang nur einen Bildausschnitt: Ihn tanzend, simpel und unscharf – und deswegen so authentisch. Es gibt keinen Anlass für das Video, außer dem, Spaß zu haben und sich daran zu erinnern, wie man selbst zu all den 31 Liedern schon abgegangen ist. Genau das vermittelt der US-Comedian, indem er, so wie es peinliche Onkel auf jeder Familienfeier tun würden, zwischen Elvis Hüftschwung und *NSYNC wechselt. Und weil das Ganze gut aussieht und nicht in Polonaise endet, will man es sich immer und immer wieder anschauen.“