Das halten queere Menschen vom Christopher Street Day in Berlin

Kurz vor dem Christopher Street Day in Berlin ist eine Doku erschienen, in der 40 queere Menschen über das Event sprechen. Es gibt viel Lob – aber auch kritische Stimmen. 

Nur ein paar der 40 Protagonist*innen der Doku "Loud Pride, Quit Riot?" zum CSD Berlin.

Nur ein paar der 40 Protagonist*innen der Doku "Loud Pride, Quit Riot?" zum CSD Berlin. Fotos: © Naomi Noa Donath und Henry Böttcher

Die Filmemacher*innen Naomi Noa Donath und Henry Böttcher haben eine Doku zum 40. Berliner Christopher Street Day in Berlin kostenlos auf Vimeo veröffentlicht. In Loud Pride, Quiet Riot? lassen sie 40 Interviewpartner*innen von ihrer Beziehung zu dem Event erzählen. Zu Wort kommen Menschen zwischen 18 und 78 Jahren. Sowohl Urgesteine wie Bernd Gaiser, der 1979 den ersten Berliner CSD mitbegründete, als auch junge Menschen wie Inter*aktivist Lynn D. oder die jüdische Aktivistin und Autorin Debora Antmann.

Laut Selbstbeschreibung tauchen im Film auf:

  • schwule Männer
  • lesbische Frauen
  • bisexuelle und pansexuelle Menschen
  • eine asexuelle Aktivistin
  • Trans*personen
  • nicht-binäre Personen
  • ein Inter*aktivist
  • eine Sexarbeiterin
  • queere Personen of Color
  • queere Schwarze Personen
  • queere Personen mit dis_abilities
  • und auch cis-heterosexuelle Freund*innen

Damit deutet sich bereits die Intention an, die Naomi Noa Donath und Henry Böttcher mit ihrer Doku verfolgen. „Ich erhoffe mir von dem Film, dass viele Leute aus den unterschiedlichsten queeren Communitys ihn sich ansehen, und dass dadurch ein besseres Verständnis für unterschiedliche Positionierungen entsteht“, sagt Naomi Noa Donath im Gespräch mit ze.tt.

Die Doku gibt auch kritischen Stimmen Raum

Ein Großteil der Interviewpartner*innen bezeichnet den CSD als wichtigen Raum, um Sichtbarkeit für die verschiedenen queeren Communitys zu schaffen. Viele sehen im Event das Potenzial, queeren Menschen den Mut zu vermitteln, zu sich selbst zu stehen. So auch der Stylist Frank Wilde: „Wenn ich lese, dass sich Jugendliche umbringen, weil sie sich falsch fühlen in der Gesellschaft, weiß ich: Es ist wahnsinnig wichtig, ein positives Bild zu vermitteln und zu sagen ,Du bist super, so wie du bist‘.“ Der CSD leiste das.

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Doch der Berliner CSD wird in der Doku nicht ausnahmslos gefeiert. So sagt beispielsweise Josephine Apraku vom Institut für diskriminierungsfreie Bildung, dass sie als schwarze Frau den CSD nicht als Raum für sich wahrnimmt. „Es sollte ein Raum sein, aus meiner Sicht, der einfach viel stärker unterschiedliche Menschen mitdenkt.“ Musiker Henri Jakobs kritisiert, dass der CSD zu sehr ein Massenbesäufnis sei. Er wünscht sich, dass die politische Message wieder in den Vordergrund rückt. „Aber ich glaube, das Bier ist stärker.“

Vom Mottofilm zur Doku

Die Dreharbeiten zu Loud Pride, Quiet Riot? fanden von Februar bis Ende Juni bei Naomi Noa Donath und Henry Böttcher zu Hause statt. Zunächst hatten die Filmemacher*innen geplant, einen kurzen Film zum CSD-Motto „My Body. My Identity. My Life.“ zu drehen, von dem die beiden Aktivist*innen begeistert waren. „Wir dachten: Das ist endlich ein Motto, das nicht nur schwul-lesbische Identität in den Fokus rückt, sondern auch Trans*personen„, sagt Donath.

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Während der ersten Interviews merkte das Duo aber, dass ihre Gesprächspartner*innen Lust auf mehr hatten. Sie wollten mehr über den CSD erzählen, mehr persönliche Geschichten mit ihnen teilen. So entstand ein 99-Minüter, in dem unterschiedliche Charaktere spannende Einblicke in unterschiedliche queere Communitys liefern. Naomi Noa Donath und Henry Böttcher wollen den Film nun auf Festivals zeigen.


Hier könnt ihr die Doku Loud Pride, Quiet Riot? sehen: