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Das könnt ihr tun, wenn ihr unterschiedlich viel Sex wollt

Sexuelles Verlangen ist so individuell wie die Menschen. Aber wie geht man damit um, wenn in einer Beziehung beide dauerhaft verschieden oft Lust haben?

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Bedürfnisse sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Foto: cottonbro / Pexels | CC0

Dieser Moment, wenn der*die eine sich lustvoll an den*die andere*n kuschelt – und statt eines wohligen Seufzers bloß den enttäuschenden Satz „Och, jetzt nicht, Schatz – bin müde.“ hört. Der ziept. Und ist in langen Beziehungen so unvermeidbar wie Streit.

Bedürfnisse sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich und auch Diskrepanzen in sexuellem Verlangen gehören zu Beziehungen; laut einer Umfrage haben bei über einem Drittel der Paare beide Partner*innen unterschiedlich viel – oder eben wenig – Lust auf Sex. Und das kann der Liebe auf Dauer schaden. Die Frage lautet daher: Wie gehen Paare konstruktiv damit um?

Tote Schlafzimmer

Um das Thema „Tote Schlafzimmer“ genauer zu beleuchten, hat die Webseite Bad Girls Bible, die sich als sexuelles Aufklärungsmedium versteht, 984 liierte US-Amerikaner*innen und Brit*innen im Alter von 23 bis 73 nach den Differenzen in sexuellem Verlangen in Beziehungen gefragt.

Ergebnis: In 36 Prozent der Fälle wünscht sich eine*r mehr Sex als der*die andere; neun von zehn Paaren waren nicht ganz zufrieden mit der Koitusfrequenz. Oft ist während der ersten zwei Jahre noch alles einigermaßen im Takt, aber dann verändert sich die Lust langsam. Laut der Untersuchung variiert das von Paar zu Paar und von Person zu Person. Die Diskrepanz in Sachen Sex wächst aber insgesamt im Beziehungsverlauf: Liegt sie in den ersten Jahren noch bei 13 Prozent, verdoppelt sie sich fast auf 25 Prozent nach dreißig Beziehungsjahren.

Wer wissen will, wie dem Problem der unterschiedlich ausgeprägten Lust auf Sex in einer Beziehung beizukommen ist, die*der sollte zunächst einen Blick auf die Ursachen werfen.

Gründe für unterschiedliche Lust auf Sex

Die sind vielfältig, wie die Sexexpertin Yella Cremer erklärt: „Es beginnt bei der Zufriedenheit mit dem eigenen Körper und geht über die bisherigen Erfahrungen und kindliche Prägungen, die gesellschaftliche Rollenzuschreibung bis hin zu Hormonschwankungen, Lebensphasen und beruflichem oder privatem Stress.“

Also eine ziemliche Bandbreite. Und irgendwie auch alles logisch: Wer sich beispielsweise gerade auf einen Jobwechsel fokussiert oder einen Trauerfall zu verarbeiten hat, dem*der steht nachvollziehbarerweise nicht unbedingt der Sinn nach leidenschaftlichem Sex.

Doch natürlich ist der Zustand der Beziehung selbst auch ein maßgeblicher Faktor für das sexuelle Verlangen. Dazu kann laut Yella Cremer unter anderem die Intimität zwischen beiden Partner*innen gehören. Also, wie emotional nah sind sie sich wirklich – oder leben sie eher nebeneinander her und bewältigen bloß ihren Alltag? Manchmal, insbesondere bei Paaren mit Kindern, fehlen schlicht Gelegenheit und Energie, sich sexuell aufeinander einzulassen.

Zum Beziehungszustand zählt allerdings auch ein Zuviel an Nähe: Wer ständig aufeinanderhockt, gemeinsam auf Klo geht und derart vertraut miteinander ist, dass kein Blatt mehr dazwischen passt, kann durch diese Nähe unter Umständen sexuelle Anziehung ersticken. „Viele Paare beschreiben, dass die Vertrautheit möglicherweise auch bequem macht: Der oder die andere ist sicher“, sagt Yella Cremer.

Darum ist unterschiedliches Verlangen ein Problem

Laut der Umfrage von Bad Girls Bible wandte sich die Mehrheit der Befragten kurzerhand dem Klassiker Selbstbefriedigung zu, wenn der*die Partner*in keine Lust hatte. Doch das kann nur eine vorübergehende Lösung sein; beim Sex in einer Beziehung geht es schließlich um viel mehr als den reinen Orgasmus.

Auf Dauer kann unterschiedlich starke Lust auf Sex zur Belastung für die Liebe werden. Wenn der*die Eine zum Beispiel anfängt, sich für das eigene Verlangen schlecht zu fühlen. Oder der*die Andere sich unter Druck gesetzt fühlt. Wenn beide sich Nähe wünschen, aber auf unterschiedliche Weise. Erfüllender Sex basiert immer auf beidseitigem Respekt und Engagement.

Wenn der Sex nicht funktioniert, denken laut Umfrage nach einem guten Jahr 20 Prozent der Teilnehmenden darüber nach, die Beziehung zu öffnen. Doch das passt längst nicht zu jedem Paar. „Das Öffnen einer Beziehung funktioniert nur, wenn beide einverstanden sind und sich sicher miteinander fühlen“, erklärt Yella Cremer. Würde nur eine*r die Beziehung öffnen wollen und der*die andere bloß ihm*ihr zuliebe mitmachen, dann ist es wahrscheinlich, dass es zu Streit und Verletzungen kommt. Anstrengend ist es außerdem auch. „Eine offene Beziehung braucht mehr Kommunikation und die Bereitschaft, sich auseinanderzusetzen“, so die Expertin. „Wer das nicht will, sollte lieber die Finger davon lassen.“

Nicht selten führt die sexuelle Flaute zur Trennung, auf die eine oder andere Weise. „Es kommt darauf an, wie mit dem unterschiedlichen Verlangen umgegangen wird“, sagt Yella Cremer. „Ist der Unterschied groß und das Paar sucht nicht aktiv nach Alternativen und Lösungen, dann ist es oft ein Trennungsgrund.“

Laut der Umfrage würde ein knappes Drittel der Befragten eine komplett sexlose Beziehung nach rund eineinhalb Jahren beenden. Und elf Prozent geben an, ihr Verlangen anderweitig zu stillen – sie gehen fremd. Wenn das rauskommt, ist der Schaden meist irreparabel. „Verschweigen oder Lügen ist kurzfristig scheinbar bequemer, doch langfristig kostet es Nähe und Vertrauen“, sagt auch die Expertin.

Reden, kuscheln, chillen

Selbstverständlich ist Sex nicht der einzige Weg, Intimität zu erzeugen. Und es gibt auch Sex in Beziehungen, bei dem verblüffend wenig Nähe entsteht. Wenn jedoch in einer Beziehung die Nähe fehlt, ist ein guter Ansatz, diese wieder herzustellen: kuscheln, Gespräche, Zeit zu zweit. Alles Dinge, die dabei helfen, die Verbindung zueinander zu erneuern.

Vor allem jedoch offen und konstruktiv miteinander kommunizieren, einander ernst nehmen und zuhören. Auch, wenn’s manchmal nicht leicht ist. Aber wenn eine*r von beiden sagt: „Wir sollten mal über unser Sexleben sprechen“ und der*die andere antwortet lapidar mit „Ach, das täuscht“, dann ist nichts gewonnen. Durch pures Ignorieren lassen sich Probleme nämlich traditionell eher schlecht lösen.

Gemeinsam könne ein Paar herausfinden, worin genau das Verlangen bestehe und einen gemeinsamen Nenner finden, sagt Yella Cremer: „Oft geht es gar nicht so sehr um die Frequenz, sondern um die Art von Sex.“

Im Verlauf einer längeren Beziehung gehe es in erster Linie darum, das sexuelle Verlangen zu pflegen und das Flämmchen am Lodern zu halten. Dazu gehöre laut Yella Cremer auch, Sex und Intimität bewusst Raum und Zeit einzuräumen und zu planen – auch, wenn das furchtbar unspontan klingen mag: „Sonst passiert es leicht, dass sie bei einem vollen Alltag hintenüber fallen.“ Es muss ja nicht immer am selben Tag sein, aber es kann helfen. Vorausgesetzt, beide halten sich daran. Doch auch hier sollte kein Druck entstehen. Nähe und alles, was sich daraus in beidseitigem Einvernehmen ergibt: ja – Sex auf Kommando: nein.

Ganz wichtig auch: „Zeigen, dass es Lust auf Nähe gibt und die momentane Absage kein Ausdruck von Nicht-lieben ist“, sagt die Expertin. Und dabei immer daran denken, dass unterschiedlich ausgeprägte Lust auf Sex ziemlich normal und an sich kein Weltuntergang ist. So lange beide ebenso rücksichts- wie liebevoll über ihre Bedürfnisse und ihr Verlangen sprechen und gemeinsam Lösungen suchen, die für beide okay sind, darf es auch ruhig mal ruhig bleiben.

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