Das musst du wissen, wenn du ein Tier aus dem Urlaub mit nach Hause nehmen willst

Fernab des Alltags vergucken wir uns gern mal in einen Urlaubsflirt – und der muss nicht zwingend ein Zweibeiner sein.

Es bricht einem das Herz: Und doch kann es die falsche Entscheidung sein, einen Straßenhund mit nach Hause zu nehmen.

Es bricht einem das Herz und doch kann es die falsche Entscheidung sein, einen Straßenhund mit nach Hause zu nehmen. Foto: Evan Clark / Unsplash | CC0

Manchmal reicht schon ein Schwanzwedeln oder ein Schnurren und schon ist es um uns geschehen – wir haben uns in einen vierbeinigen Urlaubsflirt verliebt. Doch ist es wirklich eine gute Idee, den anhänglichen Straßenhund oder die süße Streunerkatze mit nach Hause zu nehmen? Was ist zu beachten und gibt es Alternativen? Dieser Artikel versucht einen Überblick über die wichtigsten Fragen zu geben.

Schockverliebt, was nun?

Bevor du deine*n Traumhund oder -katze mit nach Hause nimmt, solltest du erst einmal die Lage checken. Auch, wenn es so wirkt, als hätte das Tier kein Zuhause – in vielen Regionen ist es üblich, dass Hunde tagsüber durch die Gegend streunen und abends nach Hause gehen. Du solltest also das Tier länger beobachten, bevor du aktiv wirst.

Wirkt es tatsächlich herrenlos, hungrig oder gar krank, solltest du dich an einen örtlichen Tierschutzverein wenden. Seriöse Vereine haben meist Auffangstationen oder Pflegestellen, wo dein Schützling vorerst unterkommen kann. Dort solltest du dir ein genaues Bild von ihm machen, bevor du entscheidest, wie es weitergeht.

Passt ein Tier in dein Leben?

„Prüfe, was sich ewig bindet“ – das klingt zwar unromantisch, ist aber wichtig. Zwar leben Katzen und Hunde nicht ewig, aber meist um die zehn bis 15 Jahre. Willst du für eine so lange Zeit die Verantwortung übernehmen? Mit allen Konsequenzen?

Tiere kosten Zeit, Geld und Nerven. Wenn wir sie aus ihrer gewohnten Umgebung herausreißen, reagieren sie oft unberechenbar. Natürlich ist nicht jedes ausländische Tier traumatisiert. Trotzdem haben wir keine Ahnung, was ihnen bisher widerfahren ist. Du solltest also darauf vorbereitet sein, dass dir dein Tier viel Zeit und Geduld abverlangen kann, besonders in der Eingewöhnungszeit.

Womöglich müsst ihr viel miteinander üben. Die meisten Straßenhunde haben einen großen Freiheitsdrang, sind nicht stubenrein und räumen auf der Suche nach Fressbarem gern den Mülleimer aus. Es kann auch sein, dass sich Verhaltensweisen nicht abtrainieren lassen. Was passiert, wenn du den Hund nicht alleine lassen kannst? Was, wenn der Schmusekater deine Wohnung von oben bis unten markiert? Bist du darauf vorbereitet?

Bedenke auch, dass ausländische Fellnasen krank sein können, denn die wenigsten sind geimpft. Eine Infizierung, zum Beispiel mit Mittelmeerkrankheiten wie Leishmaniose, stellt sich trotz Tests oft erst später heraus. Kannst du eine Behandlung finanzieren? Ohnehin solltest du die Kosten im Blick haben: Der Deutsche Tierschutzbund (DTB) geht bei einem Hund von Gesamtlebenskosten von 12.000 bis 17.000 Euro aus, bei Katzen von rund 11.500 Euro.

Wenn du noch keine Erfahrung hast, informiere dich vorher gründlich darüber, was auf dich zukommt und frage dich, ob das zu deinem Leben passt. Denn für das Tier ist es ein Albtraum, dauernd den*die Besitzer*in zu wechseln.

Welche Einfuhrbestimmungen musst du einhalten?

Wenn du bereit bist, Verantwortung für deine tierische Urlaubsliebe zu übernehmen, müsst ihr einige bürokratische Hürden meistern. Denn du kannst mit ihr*ihm nicht einfach nach Hause fliegen. Wer einen Hund oder eine Katze privat aus dem Ausland mit nach Deutschland nehmen will, muss sich laut den Auslandstierschutz-Expert*innen des DTB unter anderem um folgende Dinge kümmern (Stand Juli 2019):

  • Gemäß EU-Verordnung brauchst du für das Tier einen gültigen EU-Heimtierausweis. Den stellen dir Veterinär*innen vor Ort aus. Das Tier benötigt auch einen Mikrochip, dessen Transpondernummer im Ausweis eingetragen wird. Auch solltest du das Tier auf ortsübliche Krankheiten testen lassen.
  • Das Tier muss gegen Tollwut geimpft sein. Die Impfung muss bei Grenzübertritt mindestens 21 Tage zurückliegen. Welpen dürfen erst ab der 12. Lebenswoche gegen Tollwut geimpft werden ‒ ein Jungtier kann also erst im Alter von 15 Wochen ausreisen.
  • Bei sogenannten gelisteten Drittländern wird statt des Ausweises eine Kennzeichnung mittels Tätowierung oder Mikrochip sowie eine tierärztliche Gesundheitsbescheinigung mit Nachweis dieser Kennzeichnung und der Tollwutimpfung verlangt. Zudem muss eine verantwortliche Begleitperson mitreisen, die schriftlich bestätigt, dass das Tier nicht zum Zweck des Verkaufs oder Besitzer*innenwechsels reist. Bei der Durchreise durch nicht-gelistete Drittländer musst du zusätzlich eine Selbsterklärung vorlegen, dass kein Kontakt mit tollwutverdächtigen Tieren stattgefunden hat.
  • Bei nicht gelisteten Drittländern wie zum Beispiel der Türkei, Ägypten oder Thailand kommt ein Bluttest auf Tollwutantikörper hinzu. Dieser muss mindestens 30 Tage nach der Impfung und mindestens drei Monate vor der Einreise erfolgen. Welpen sind somit erst mit sieben Lebensmonaten reisefähig. Das heißt, dass du für diese Wartezeit eine Unterbringung organisieren musst.
  • Sogenannte gefährliche Hunde wie zum Beispiel Pitbull- oder American-Staffordshire-Terrier oder entsprechende Mixe darfst du nicht mitbringen. Jedes Bundesland hat außerdem eigene Bestimmungen für den Import, die unter anderem noch weitere Rassen verbieten.
  • Ein Tier aus einem Drittland muss bis auf wenige Ausnahmen über bestimmte Einreiseorte nach Deutschland kommen.

Die Reise ins neue Zuhause ist nicht unkompliziert, zumal du dich auch noch um den Transport, beispielsweise den Flug, kümmern musst. Organisationen wie PETA empfehlen, einen Tierschutzverein vor Ort zu kontaktieren, der dir bei den Formalitäten hilft. Sonst gibt es möglicherweise Probleme mit dem Zoll, was für das Tier fatale Folgen haben kann.

Woran erkennst du eine seriöse Tierschutzorganisation?

Herauszufinden, ob ein im Urlaubsland befindlicher Tierschutzverein sorgsam arbeitet, ist nicht immer leicht. Neben deinem Bauchgefühl gibt es folgende Anhaltspunkte:

  • Idealerweise ist es ein in Deutschland ansässiger Verein, der seine Gemeinnützigkeit nachweisen kann. Das heißt nicht, dass ausländische Vereine per se unseriös sind oder umgekehrt. Der Deutsche Tierschutzbund führt eine Liste über ihm angeschlossene Vereine.
  • Der Verein liefert transparente und überzeugende Informationen (Jahresberichte etc.) und verzichtet darauf, unverhältnismäßig auf die Tränendrüse zu drücken. Er hat Vermittlungskriterien, die zeigen, dass er nicht einfach Tiere verkaufen will, sondern ihm an einem guten und dauerhaften Zuhause gelegen ist. Deutsche Pflegestellen, die bei Schwierigkeiten helfen und potenzielle Tierhalter*innen kontrollieren, sind ein Indiz dafür.
  • Es geht den Tierschützer*innen nicht nur um die Vermittlung, sondern vor allem um die Verbesserung der Lage vor Ort. Darum leisten sie im Urlaubsland zum Beispiel Aufklärungsarbeit, kooperieren mit anderen Vereinen und Veterinär*innen oder führen Impf- oder Kastrationsaktionen durch.
  • Schriftliche Verträge sind selbstverständlich. Sie sollten unter anderem die Übergabe der Papiere, der Transport, ein Gesundheitscheck, die Schutzgebühr und die Rücknahme von vermittelten Tieren regeln.
  • Der Verein vermittelt Tiere aller Altersstufen und Rassen beziehungsweise Mischlinge und nicht nur Welpen. Letzteres könnte nämlich auf illegalen Welpenhandel hindeuten.
  • Im Netz finden sich überwiegend positive Erfahrungen. Unseriöse Tierschutzorgas fliegen meist irgendwann durch negative Berichte auf.

Welche Alternativen gibt es in Sachen Auslandstierschutz?

Die Realität ist: Durch einzelne Rettungsaktionen ändert sich für die Tiere vor Ort nichts. In vielen Urlaubsländern gibt es zahllose Hunde oder Katzen ohne Zuhause, ohne Futter oder Medikamente. Sie vermehren sich unkontrolliert und erfahren kaum menschliche Wärme. Überforderte Behörden pferchen sie in Lagern zusammen und töten sie, um die Überpopulation in den Griff zu kriegen.

Darum ist es wichtig, nicht nur an das Einzelschicksal zu denken, sondern mitzuhelfen, die Umstände vor Ort zu verbessern. Neben der Aufklärung der Bevölkerung sind Kastrationskampagnen derzeit die sinnvollste Lösung: Dabei werden die Tiere eingefangen, kastriert und in ihrem gewohnten Umfeld wieder freigelassen. So lassen sich langfristig ihre Zahl und damit ihr Leid reduzieren.

Das alles ist viel Arbeit für die Tierschützer*innen und teuer. Wer also einen Verein findet und dessen Arbeit unterstützen will – durch Geld- oder Sachspenden oder indem sie*er vor Ort selbst mit anpackt – leistet einen wichtigen Beitrag, damit wir künftig im Urlaub nicht mehr so oft in traurige Hunde- oder Katzenaugen schauen.

Außerdem auf ze.tt