Das Okay-Handzeichen wird jetzt offiziell als Hasssymbol gelistet

Das Zeichen wird von extremen Rechten seit 2017 zunehmend als Symbol für white power verwendet.

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Seit 2017 verschiebt sich die Bedeutung dieses Handzeichens. Illustration: Elif Kücuk / ze.tt

Brenton Tarrant hat am 15. März 2019 einen rechtsextremen Terroranschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch verübt. 51 Menschen starben, 50 weitere wurden verletzt. Das jüngste Todesopfer war drei Jahre alt.

Einen Tag später erschien Tarrant vor Gericht. Ein Foto zeigt ihn mit einem Bauchgurt, an dem seine Hände gefesselt sind. Seine rechte Hand formt mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis, die restlichen Finger sind abgespreizt – eine Geste, die in Tauchersprache und vielen Ländern bedeutet, dass alles okay ist.

Doch seit 2017 wird das Zeichen auch in einem anderen Kontext verwendet: Die drei abgespreizten Finger bilden dabei den Buchstaben W, der Kreis aus Zeigefinger und Daumen ein P: WP, die Abkürzung für white power, einer menschenverachtenden Ideologie, der auch Brenton Tarrant anhängt.

Ein Zeichen des Hasses

Die Anti-Defamating League (ADL) hat das Okay-Handzeichen nun in seine Datenbank für Hasssymbole aufgenommen. Die Nichtregierungsorganisation wurde 1913 in den USA mit dem Ziel gegründet, die Diffamierung von Jüd*innen zu bekämpfen. Heute bekämpft die Organisation alle Formen von Hass gegen Menschen. 2000 veröffentlichte die ADL eine sogenannte Hassdatenbank, in der sie Symbole listet, die in Verbindung mit Rassismus oder Antisemitismus stehen.

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Illustration: Elif Kücuk / ze.tt

Das Okay-Handzeichen als Symbol für white power zu benutzen, begann ursprünglich als Scherz, wie die ADL berichtet. Ein Nutzer des Forums 4chan hätte im Februar 2017 geschrieben, „wir müssen Twitter und andere soziale Medien damit fluten, zu behaupten, das Okay-Handzeichen wäre ein Symbol für white supremacy.“ So wollte man Linke trollen und Reaktionen erzwingen. Grafiken wurden hochgeladen, die zeigen, wie das W und das P im Handzeichen wiederzufinden seien. Die Aktion nannten die Nutzer*innen Operation O-KKK, als Anspielung auf die Abkürzung für den Ku-Klux-Klan.

Von Scherz zu Ernst

„Im Frühjahr und Sommer 2017 verbreiteten sich die Reaktionen zu dem Okay-Symbol-Scherz so stark, dass einige Mitglieder der extremen Rechten absichtlich begannen, die Geste zu verwenden“, schreibt die ADL. 2018 schätzte die Organisation noch, dass das Handzeichen auch in Kreisen der extremen Rechten überwiegend ironisch und dafür verwendet würde, Linke und Liberale zu trollen. Doch ein Jahr später habe die Geste das Ironische verloren: Mitglieder der extremen Rechten würden das Zeichen ernsthaft als Ausdruck für white supremacy benutzen. Als ein Beispiel dafür nennt die Organisation den Terroristen Brenton Tarrant.

Die Anti-Defamating League weist zugleich darauf hin, dass das Okay-Handzeichen weiterhin überwiegend in seiner traditionellen Bedeutung verwendet wird und nicht jede*r, der*die das Handzeichen zeige, ein*e Anhänger*in der extremen Rechten sei. „Nur wenn das Handzeichen in Zusammenhang mit weiteren klaren Indikatoren für white supremacy verwendet wird, kann man diesen Schluss ziehen“, schreibt die Organisation.

Oren Segal, Direktor der ADL’s Center on Extremism fügt jedoch hinzu: „Momentan gibt es genug Anlässe, in denen das Handzeichen in einem hassvollen Zusammenhang verwendet wird, sodass es uns wichtig war, es zur Hassdatenbank hinzuzufügen.“