Das sind die 4 wichtigsten Gründe für Scheidungen

Fremdgehen? Unüberbrückbare Differenzen? Nicht unbedingt. Die meisten Gründe für Scheidungen haben mit unerfüllten emotionalen Bedürfnissen zu tun. Dagegen lässt sich was tun.

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Wenn Paare sich scheiden lassen, dann sind es häufig die gleichen Gründe. Foto: Everton Vila / Unsplash | CC0

Nebeneinander auf der Couch sitzen, Serien gucken, schweigen. Sich nur noch übers Rasenmähen, Müllrausbringen, die Kinder oder den Geburtstagstermin von Tante Trude unterhalten. Klar – wer ein gemeinsames Leben teilt, teilt (im Idealfall) auch die großen und kleinen Bürden, die Organisation, den ganzen Kleinkram, das Profane. Es kann nicht immer Rosenblüten regnen und vor Begehren knistern. Das ist okay.

Aber oft geht die Liebe im Alltag klammheimlich und stückchenweise verloren. Und was mit „Ja, ich will“ und einem aufrichtigen Versprechen voller Hoffnung begonnen hat, endet mit einem „Unsere Ehe ist unwiderruflich gescheitert“ vor dem Scheidungsgericht. Das liegt laut einer aktuellen Studie an vier Gründen, die alle miteinander verknüpft sind.

Von konkreten hin zu emotionalen Problemen

Vier Forscher*innen von der Universität Kopenhagen haben die Gründe für Scheidungen von 2.371 Dän*innen untersucht. Ergebnis: Wer sich auf Dauer nicht geliebt, gehört und respektiert fühlt, trennt sich früher oder später.

Zählten in den vergangenen zwanzig Jahren eher Suchtprobleme, finanzielle Schwierigkeiten, Untreue und psychische oder körperliche Gewalt zu den Hauptmotiven für eine Trennung, hat sich laut der Forscher*innen der Schwerpunkt mittlerweile eindeutig in Richtung Gefühle verschoben.

„Die Ergebnisse untermauern weltweite Trends in Richtung steigender Wichtigkeit von emotionalen und psychologischen Aspekten in Beziehungen“, heißt es in dem wissenschaftlichen Text.

Das sind die 4 wichtigsten Gründe für Scheidungen:

1. Mangelnde Intimität und Nähe

Das kann, muss aber nicht unbedingt mit Sex zu tun haben. Auch Kuscheln stellt Nähe her. Viele Paare verlieren sich allerdings im Laufe der Jahre zwischen Erledigungen und Anforderungen des Alltags, gewöhnen sich aneinander, oder verbringen so viel Zeit nebeneinander, dass sie sich nicht allzu viel zu sagen haben. Deshalb ist es wichtig, bewusst Raum und Zeit füreinander zu schaffen, ohne Ablenkungen wie beispielsweise Serien gucken – aber auch eine Balance zwischen dem Miteinander und eigenen Interessen zu finden. Denn nur, wer ab und zu auch mal was anderes erlebt, hat Spannendes zu erzählen, kann sich neu entdecken und einander nah fühlen.

2. Kommunikationsprobleme

„Ich habe dir schon tausendmal gesagt …“ – Kommunikation ist wichtig in Beziehungen. Wer sich von seinem*r significant other permanent nicht gehört fühlt, ist irgendwann zu Recht frustriert. Dagegen hilft aktives, vorurteilsfreies und aufrichtiges Zuhören. Der*die andere mag in manchen Punkten eine gänzlich andere Perspektive haben – das macht sie jedoch nicht weniger valide. Zu einer Zweierbeziehung gehören zwei mal 50 Prozent. Und beide Sichtweisen sollten gleichermaßen Teil der Beziehungsdynamik sein. Ja, offen miteinander reden hilft.

3. Nicht genug Vertrauen, Einfühlungsvermögen und Respekt

Er*sie hat eine schwere Zeit auf der Arbeit oder fühlt sich zu Hause überlastet? Streit mit Freund*innen oder Familie strapaziert das Nervenkostüm? Sich in den*die Partner*in hineinzuversetzen und zu verstehen, warum er*sie eine anstrengende Phase durchmacht, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ein „Ich verstehe nicht, warum du dich so anstellst“, „Anderen geht es auch schlecht“ oder „Ist doch alles okay“ sind wenig zielführend. Die Gefühlswelt des*der Partner*in zu respektieren – auch, wenn sie sich krass von der eigenen unterscheidet – ist enorm wichtig. Genauso gehört auch Vertrauen zu einer stabilen Ehe: Im Zweifel für den*die Angeklagte*n. Und wenn in früheren Beziehungen auch noch so fieser Mist passiert ist, gehört der nicht in die neue.

4. Auseinanderentwicklung

Besonders, wenn ein Paar früh im Leben zueinander findet oder zu Beginn einer Phase, die große Umwälzungen mit sich bringt, können sich die Beteiligten in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Das passiert teuflischerweise meist so langsam, dass es erst bemerkt wird, wenn es zu spät ist. Dann stehen plötzlich beide schluchzend inmitten vollgerotzter Taschentücher im Flur und fragen sich, was da genau wann passiert ist. Wer das vermeiden will, muss am Ball bleiben. In diesem Fall: an dem*der Partner*in. Was bewegt, begeistert, belastet ihn*sie? Man muss nicht jedes Interesse teilen, aber respektieren und wahrnehmen. Die Überschrift des wissenschaftlichen Textes lautet nicht umsonst „Ich habe Star Wars nie gesehen – und andere Gründe für Scheidungen in Dänemark“.

Beziehungen sind Arbeit

Was auch immer die Gründe für Scheidungen sind, letztlich läuft es darauf hinaus, den*die andere*n nicht als selbstverständlich zu betrachten – wie ein Möbelstück, das nun mal einfach da ist. Eine Beziehung ist nichts, was von selbst nebenher läuft und mühelos gelingt, bloß, weil ihr euch liebt. Eine Beziehung besteht aus Kompromissen, Verhandlungen, bewusstem Umgang – kurz: Arbeit. Aber die lohnt sich.

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