Das sind die besten Magazincover des vergangenen Jahres

Auch 2019 lieferten herausragende Magazincover den Beweis dafür, dass Print noch lange nicht tot ist. Das sind die besten des vergangenen Jahres.

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Bunt, kreativ, aussagekräftig. Das sind die besten Magazincover des vergangenen Jahres. Cover v.l.n.r.: L’Obs; GQ Portugal

Am Kiosk findet man sie im Überfluss – Magazine, Zeitschriften, Zeitungen und anderes Druckwerk mit einer großen Bandbreite an verschiedenen Themen. In Deutschland alleine buhlen rund 2.800 Publikumszeitschriften am Kiosk um die Gunst der Konsument*innen. Nach Angaben von Statista mussten allerdings in den vergangenen Jahren von den drei wesentlichen Nachrichtenmagazinen in Deutschland (Spiegel, Focus, Stern) alle deutliche Auflagenverluste hinnehmen. Ganz wie im wahren Leben, spielt bei ihnen mittlerweile der erste Eindruck eine große Rolle. Und das Cover eines Magazins ist dafür oft ausschlaggebend.

„Oft sind es die Titelbilder großer Skandale oder Kriege, die uns im Gedächtnis bleiben“, bedauert Jaap Biemans. Bei der Wahl seiner persönlichen Cover des Jahres spielt das allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr sind es die kreativen Ansätze, die ihn faszinieren.

Biemans ist ein Mann vom Fach. Als Grafikdesigner war und ist der Niederländer selbst für viele Cover des Magazins der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant verantwortlich. Seinen Blog Coverjunkie betreibt er seit 2010 werbefrei und unabhängig und initiiert darauf seit 2011 die Abstimmung unter seinen Leser*innen zum Cover des Jahres. Diese hat sich in den vergangenen Jahren einen exzellenten Ruf erarbeitet und dient mittlerweile vielen Redaktionen weltweit als Gradmesser für gelungene Magazincover.

Für ihn setzt das Entwerfen eines gelungenen Covers eine intuitive Denkweise voraus. Eine Art und Weise, Themen  zu beobachten und zu hinterfragen. Die Wahl, Vorurteile zu vermeiden oder zu betonen. „Ein gutes Cover legt man nicht einfach wieder zurück, wenn man es einmal in der Hand hält“, sagt Biemans.

Aus unzähligen Covern wählte er seine persönliche Top 5 und ließ außerdem seine Leser*innen über das beste Magazincover 2019 entscheiden.

Jurywahl

1. A star is made –  New York Times Magazine (USA)

Design: Ben Grandgenett; Fotografien: Brenda Ann Kenneally; Design Director: Gail Bichler; Director of Photography: Kathy Ryan; Art Director: Matt Willey; Deputy Art Director: Ben Grandgenett; Designer: Rachel Willey , Claudia Rubin; Deputy Photo Editor: Jessica Dimson; Associate Photo Editors: Stacey Baker, Amy Kellner; Assistenz: Pia Peterson

Als das Cover des Jahres 2019 wählte Jaap Biemans die Titelstory der Maiausgabe des New York Times Magazine mit dem Titel A star is made. Frei nach Frank Sinatras „If I can make it there, I’ll make it anywhere“, werden hierin zwölf Künstler*innen im Alter von 13 bis 72 Jahren portraitiert, die mit einem großen Traum nach New York City kamen. Von der Gospelsängerin bis zum Schwertschlucker werden die einzelnen Geschichten der Menschen erzählt, wie es ihnen in der Metropole erging und ob sie es tatsächlich geschafft haben, ihre Träume zu verwirklichen. Für Biemans zeichnete sich das Cover vor allem durch die liebevollen Illustrationen aus, die es schaffen, die pulsierende Energie der Straßen New York Citys auf dem Papier zu übermitteln.

Artikel: A star is made – Twelve performers show what it takes to light up the stage in New York City

2. Madonna at Sixty – New York Times Magazine (USA)

Art: JR; Design Director: Gail Bichler; Director of Photography: Kathy Ryan; Art Director: Matt Willey; Deputy Art Director: Ben Grandgenett; Designer: Rachel Willey, Claudia Rubin; Deputy Photo Editor: Jessica Dimson; Associate Photo Editors: Stacey Baker, Amy Kellner; Assistenz: Pia Peterson

Auf Platz 2 schaffte es wieder das New York Times Magazine. Diesmal mit der Ausgabe des Folgemonats Juni. Hierin wird die beispiellose Karriere der Popsängerin Madonna porträtiert, die im Jahr zuvor ihren 60. Geburtstag feierte. Als Cover wählten die Verantwortlichen Illustrator*innen um Art Director JR ein Foto Madonnas des Fotografen Steven Meisel aus dem Jahr 1991, durch das hindurch die gegenwärtige Madonna blickt. Jaap Biemans bezeichnet diese Art der Kunst als visuelle Poesie. 

Artikel: Madonna at Sixty – The original queen of pop on aging, inspiration and why she refuses to cede control 

3. The climate issue – The Economist (Vereinigtes Königreich) 

Art Director: Stephen Patch

Die Septemberausgabe des Wirtschaftsmagazin The Economist schafft es auf Platz 3. Das Cover mit dem Titel The climate issue, in dem es um die Erderwärmung der vergangenen Jahrzehnte gehtbedient sich an der als Warming Stripes bekannten Visualisierung des Klimaforschers Ed Hawkins, der an der britischen University Reading tätig ist. Hawkins hatte darin die Temperaturwerte der zurückliegenden Jahrzehnte in farbige Striche umgewandelt. Jede der Farben repräsentiert dabei ein Temperatur-Intervall von einem Zehntel Grad – vom dunklen Blau für das kälteste Jahr der Aufzeichnungen bis zum dunklen Rot für das wärmste. Clever, anschaulich und genial einfach, begründet Biemans seine Wahl.

Artikel: The climate issue 

4. Coward – GQ Portugal (Portugal) 

Art Director: Stephen Petch

Auf dem Cover der Februarausgabe des portugiesischen Ablegers des Männer- und Lifestyle-Magazins GQ ist das Gesicht der Schauspielerin Inês Castel zu sehen. Mit der Überschrift „Wenn Sie Frauen missbrauchen, kaufen Sie bitte kein GQ“ und dem Wort „Feigling“ auf der Zunge geschrieben, wollte der Chefredakteur der portugiesischen GQ José Santana eine starke und kraftvolle Botschaft übermitteln. Auf seinem privaten Instagramaccount schrieb er hierzu: „Als eines der führenden Männermagazinen der Welt, liegt es in der Verantwortung GQs solche Statements zu setzen“. Jaap Biemans bewundert dieses soziale Engagement und krönt die starke Botschaft mit dem vierten Platz.

Kein Artikellink vorhanden 

5. Magazine #17 – Toiletpaper Magazine (Italien) 

Art Director: Maurizio Cattelan

Die im April erschienene Ausgabe des Kunstmagazins Toiletpaper schafft es auf Platz 5. Das von den italienischen Künstlern Pierpaolo Ferrari und Maurizio Cattelan herausgebrachte Magazin behandelt die weltweite Kunstszene und erscheint seit 2010 halbjährig. Mitherausgeber Cattelan war erst kürzlich in den Schlagzeilen, als er auf der Kunstmesse Art Basel in Miami echte Bananen an die Wand geklebt und für jeweils 120.000 Dollar an Kunstsammler*innen verkauft hatte. Ebenso wie diese Aktion, begründet Biemans die Wahl des Covers simpel mit den Worten: „It’s fun.“

Magazin: Toiletpaper Magazine #17

Lobenswerte Erwähnung: An epidemic of disbelief – The Atlantic (USA) 

Coverdesign: Sam & Laura Kaplan; Foto: Luise Stauss

Lobenswert ist nach Jaap Biemans auch das Cover der Augustausgabe des zehnmal jährlich erscheinenden Kultur, – und Politikmagazins The Atlantic. In der Titelstory An epidemic of disbelief – why the police fail to catch serial rapists behandelt die Journalistin Barbara Bradley Hagerty in einer umfassenden Recherche die mangelnden Ermittlungserfolge der Polizei in den USA im Bezug auf Vergewaltigungen. Das Cover zeigt eine Frau hinter einem verschwommenen Milchglasfenster, das von einem Absperrband der Polizei als Tatort gekennzeichnet ist.

Artikel: An epidemic of disbelief – why the police fail to catch serial rapists

Leser*innenwahl

1. Vorher/Nachher – Über das Rauchen und das Aufhören – ZEIT Magazin (Deutschland) 14.983 Stimmen, 18,64 Prozent

Creative Director: Mirko Borsche; Redaktion: Christoph Amend

Wie ist das, wenn man nach dreißig Jahren mit dem Rauchen aufhört? Mit dieser Frage beschäftigt sich die im Januar erschienene Ausgabe Nummer 3/ 2019 des ZEIT Magazins und gewann mit 18,64 Prozent der abgegebenen Stimmen die Wahl des besten Covers unter den Leser*innen von Coverjunkie. Dabei handelt es sich bei dem Cover genau genommen um zwei verschiedene. Auf Seite 1 und auf Seite 3 wird hier ein Vorher/Nachher-Bild von Humphrey Bogart mit und eines ohne Zigarette im Mund dargestellt.

Artikel: NikotinsuchtDer Anfang vom Ende

2. Frankly my dear, I don’t give a damn – GQ Portugal (Portugal) 14.983 Stimmen, 17,05 Prozent

Creative Director: José Santana

Eines der ikonischten Zeilen, die jemals über die Lippen eines Schauspielers kamen, ziert die Maiausgabe des portugiesischen Ablegers der GQ. “Frankly, my dear, I don’t give a damn” aus Gone with the Wind (Vom Winde verweht). Anders als im Filmepos von 1939, wird dieser Ausdruck auf dem Cover der GQ aber einer Frau in den Mund gelegt, genauer der  portugiesischen Schauspielerin Oceana Basílio, die in einem Interview zum Thema der Definition von Schönheit befragt wurde. Zusammenfassen lassen sich ihre darin getätigten Äußerungen mit. “Offen gesagt, pfeif’ ich drauf“ – das beeindruckte 17,05 Prozent der Leser*innen von Coverjunkie. Platz 2.

Artikel: Oceana Basílio – Frankly my dear I don’t give a damn

3. 25 histoires d’amour fou – L’Obs (Frankreich) 14.983 Stimmen, 13,55 Prozent

Creative Director: Serge Ricco

Hattet ihr schon mal eine außergewöhnliche Liebesbeziehung? Diese Frage stellten die Redakteur*innen des wöchentlich erscheinenden französischen Nachrichtenmagazins L’Obs ihren Leser*innen. In der Ende Dezember 2018/Anfang Januar 2019 erschienen Ausgabe wurden schließlich 25 der eingeschickten histoires d’amour fou (Die Geschichten der verrückten Liebe) abgedruckt und jeweils individuell von bekannten Zeichner*innen illustriert. Pierre Mornet durfte das Covermotiv liefern. Diese Liebe zum Detail wurde von 13,55 Prozent der Leser*innen von Coverjunkie mit dem dritten Platz gewürdigt.

Artikel: 25 histoires d’amour fou 

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