Das sind die fünf besten Crime-Comics des ersten Halbjahres 2020

Gezeichnete Kriminalgeschichten entfalten eine ganz eigene Wirkung. Wir haben für euch die fünf besten des bisherigen Jahres zusammengestellt.

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Der Londoner Ermittler Peter Grant und sein Team. Illustration: © Panini Comics

Geschriebene Krimis füllen Regalmeter in nahezu jeder Buchhandlung. Comics, die Kombination aus Zeichnung und Schrift, sind seltener. Dabei können sie einen ganz eigenen Reiz entfalten. Text kann viel spärlicher und pointierter eingesetzt werden, weil Orte, Personen und Handlungen weniger oder gar nicht erklärt werden müssen – man sieht sie ja vor sich. ze.tt hat sich durch die wichtigsten deutschsprachigen Neuerscheinungen des ersten Halbjahres 2020 gelesen und stellt hier die fünf lesenswertesten vor.

Martin Panchaud, Die Farbe der Dinge 

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Illustration: © Edition Moderne

Worum geht es?

Als der 14-jährige Simon einer Wahrsagerin die Einkäufe nach Hause bringt, prophezeit sie ihm den Ausgang eines Pferderennens. Er stiehlt bei seinen Eltern Geld, setzt alles auf den Tipp der Frau und gewinnt damit Millionen. Damit beginnen die Schwierigkeiten jedoch erst.

Was ist das Besondere an dem Comic?

Der Zeichenstil. Diese Graphic Novel ist kein klassisches Comic, eher eine Mischung aus Infografiken und Zeichnungen aus der Vogelperspektive. Immer wieder wird die Handlung unterbrochen und Illustrationen erklären Phänomene oder Gegenstände, welche für die Handlung relevant werden – manchmal auch erst viele Seiten später. Außerdem sind die Figuren lediglich als bunte Punkte von oben zu sehen. Mitunter ändert sich deren Position seitenlang nicht. Das lenkt den Fokus auf die Dialoge  – und die sind so stark, dass sie die Handlung über mehr als 200 Seiten tragen.

Wie viele Punkte?

8 von 10.

Ben Aaronovitch, Andrew Cartmel, Lee Sullivan, Luis Guerrero, Die Flüsse von London, Teil 4

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Illustration: © Panini Comics

Worum geht es?

Peter Grant ist Polizist bei der Londoner Einheit für übernatürliche Fälle. Im aktuellen Band prüft ein Vorgesetzter vier abgeschlossene Fälle aus Peters Anfangszeit bei der Polizei – um so zu beurteilen, ob Peter seine Detektivmarke zu Recht trägt. Weil Peter Teilzeitzauberer ist, stehen auch seine magischen Fähigkeiten auf dem Prüfstand.

Was ist das Besondere an dem Comic?

Im Vergleich zu den bisherigen Bänden wirkt der Rückblick auf den Anfang seiner Karriere allerdings etwas bemüht und die Aufteilung in vier Fälle lässt weniger Spannung aufkommen als bei den vorherigen Bänden. Positiv sind die diversen Charaktere. Die Comic-Adaption der Urban-Fantasy-Romane des englischen Autors Ben Aaronovitch zeigt Schwarze, Muslima und PoC bei der Polizei – und auch den Rassismus, der ihnen aus der Bevölkerung entgegenschlägt. Teil 4 holt damit die reale Welt ins Comic und wirkt trotz des Mysterystils realistisch.

Wie viele Punkte?

6 von 10.

Luc Jacamon, Matz, Der Killer, Secret Agenda, 1. Gezielte Prävention

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Illustration: © Schreiber & Leser

Worum geht es?

Zehn Bände lang war der zynische und welterklärende Auftragsmörder, der in den Comics immer nur Killer heißt, weltweit unterwegs und hat Menschen für Geld getötet. Im Auftaktband einer neuen Serie hat der Killer die Seiten gewechselt: Der französische Geheimdienst hat den Killer im Ausland aufgespürt und gezwungen, für ihn zu arbeiten. In der Hafenstadt Le Havre erhält er zur Tarnung einen Bürojob. Die eigentliche Aufgabe ist jedoch weitaus gefährlicher: Er soll einen Rathausangestellten ausschalten, der nebenher heimlich illegale Geschäfte betreibt.

Was ist das Besondere an dem Comic?

Die Weltsicht des Killers. Der Comic hat zwei Erzählebenen: einmal die offensichtliche Handlung, die man in den Zeichnungen sieht. Darüber legt das Autorenduo häufig die zynischen und kalten Gedanken des Killers, die nichts mit der aktuellen Handlung zu tun haben. Was ist Recht, was Unrecht, was ist ein gutes Leben, wie viel sind menschliche Beziehungen wert? Dadurch erhält der Comic eine besondere Tiefe. Der Killer ist an sich auch ein typischer Antiheld. Er tötet Menschen und macht sich nichts daraus – dennoch baut man als Lesende*r ein Beziehung zu ihm auf. Der Killer, Secret Agenda, 1. Gezielte Prävention baut nicht ganz das Tempo und die Spannung der vorherigen zehn Bände auf. Ungeklärt bleibt im aktuellen Band auch, was aus seiner Familie geworden ist. Dennoch ein gelungener und sehr klar gezeichneter Auftakt der neuen Serie.

Wie viele Punkte?

7 von 10.

Rick Remender, Wes Craig, Jordan Boyd, Deadly Class 5

Worum geht es?

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Illustration: © Cross Cult

In Meister Lins Elite-Privatschule King’s Dominion schicken Verbrecher*innenfamilien ihre nächsten Generationen auf die Schule – um sie zu Killer*innen ausbilden zu lassen. In Band fünf sind wir im Jahr 1988 angekommen und eine neue Klasse startet. Darunter ist das Großmaul Quan und Helmut aus der DDR. Schnell absorbiert sie der Mix aus Drogen, Gewalt und Unterdrückung an der Schule – und ihr Leben steht auf dem Spiel.

Was ist das Besondere an dem Comic?

Die Kombination aus roher Gewalt und zarten Seelen erzeugt eine besondere Stimmung. Pluspunkt und Schwäche zugleich ist die Sprache des Comics. Die Übersetzung ist gut gelungen. Die Sprache ist oft realitätsnah und lustig, aber manchmal auch diskriminierend; etwa dann, wenn Beschimpfungen wie „Schwuchtel“ oder „fetter Popel“ auftauchen. Auch hätten die Autoren einen Ureinwohner Nordamerikas nicht unbedingt Indianer nennen müssen. Von der Schülerin Zanzara heißt es nur, sie käme aus Afrika – während bei allen anderen neuen Schüler*innen das genaue Herkunftsland genannt wird. Stark ist die charakterliche Zeichnung der Charaktere: Hinter den harten Kernen der angehenden Mörder*innen stecken empfindliche Menschen mit Problemen, die allen Jugendlichen begegnen: Einsamkeit, die Angst, Gefühle zu zeigen, Liebeskummer. Von den hier vorgestellten Comics ist Deadly Class 5 der lustigste.

Wie viele Punkte?

7 von 10.

Ryosuke Takeuchi, Hikaru Miyoshi, Moriarty the Patriot 7

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Illustration: © Carlsen

Worum geht es?

Im Londoner East-End leben vor allem von Armut betroffene Menschen. Mehrere Prostituierte werden aufgeschlitzt und getötet gefunden und bei der Presse geht ein Bekennerschreiben von Jack the Ripper ein. Die Bevölkerung sieht sich durch die Polizei nicht ausreichend geschützt und gründet eine Bürger*innenwehr. William James Moriarty und seine Brüder und Mitstreiter*innen untersuchen den Fall. Nachdem eine weitere Frau tot gefunden wird, stehen sich die Polizist*innen und die Bürger*innenwehr gegenüber. Können William und sein Team den Zusammenstoß aufhalten und aufklären, ob wirklich Jack the Ripper hinter den Morden steckt?

Was ist das Besondere an dem Comic?

Im Haus der Moriatys ist ein neues Mitglied eingezogen: James Bond. Er hat nichts mit dem gleichnamigen Filmen zu tun. Bond war früher Geheimagentin – und eine Frau. Die restlichen Bewohner der Hauses hadern zunächst mit diesem neuen Mann, der mal eine Frau war – um sie*ihn schließlich doch zu akzeptieren. Typisch für die Moriarty-Reihe sind außerdem die ausgeklügelten Pläne, mit denen William und Co. ihre Ziele verfolgen und die beim Lesen große Freude bereiten.

Wie viele Punkte?

7 von 10.