Das sind die größten Peinlichkeiten, die euch im Job passiert sind

Wir sind alle nur Menschen. Und manchmal ganz schöne Trottel. Doch was tun, wenn ausgerechnet im Job Peinlichkeiten passieren? Regel Nummer eins: locker bleiben.

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Wenn dir was Peinliches im Job passiert: Bleib locker! Foto: Christina Morillo / Pexels | CC0

Große Weihnachtsfeier 2004. Nach dem Genuss mehrerer Liter Weißweinschorle entschieden Kollege W. und ich: Zeit, den drögen Zombies auf der Tanzfläche mal zu zeigen, wo der Disco-Frosch die Locken hat. Zu den mit drölfzig Promille recht eingängig klingenden Rhythmen von Udo Jürgens wirbelten wir immer schneller im Kreis. Bis uns die Zentrifugalkräfte erwischten, wir in entgegengesetzte Richtungen flogen – und vor den Augen der Führungsriege auf unseren Hintern landeten, ich nur knapp neben dem Rotkohl. Tja.

Aber es sind längst nicht nur Weihnachts– und sonstige Betriebsfeiern, auf denen im beruflichen Umfeld Peinlichkeiten passieren. Auch im Joballtag kommt es häufiger zu Missgeschicken, Versehen und dem ein oder anderen Fauxpas, als man so annehmen würde.

In einer kleinen Umfrage haben Leser*innen anonym verraten, was ihre größten Peinlichkeiten im Job waren. Und das ist dabei herausgekommen:

Unterwäsche-Ungeschick

„Ich bin als Azubine ins Büro gekommen, in dem der Chef gerade in Unterhose stand und sich anziehen wollte (der kam mit dem Fahrrad in die Bank), war mir extrem unangenehm …“

„Start-up in einem Konzern. 16 Leute in einem Raum, alle am arbeiten. Einer der Chefs kommt durch die Tür, in der Hand einen einzelnen BH-Träger, den er im Treppenhaus gefunden hat. Fast alle kriegen es sofort mit. Er: belustigt, drauf und dran ihn wegzuwerfen. Ich erkenne, dass das Ding mir gehört und also zuvor von mir unbemerkt aus seinen Ösen (oder wie die Dinger heißen) und unter der Kleidung rausgerutscht ist.“

„Auf dem Weg ins Büro begegnete mir im Flur die Sekretärin vom Chef. Wir grüßten uns, ich bog rechts ab. Dabei rutschte mir unbemerkt aus der Jeans eine im Hosenbein heruntergerutschte, vergessene Unterhose auf den Boden. ‚Was ist denn das? Sie haben da wohl was verloren‘, hörte ich sie sagen, während sie das Objekt inspizierte. Heimlich holte ich dann die Hose, als ich sicher war, dass sie weg war.“

Drucker-Drama

„Private E-Mails von meinem Chef im Meeting verteilt. Er hatte sie auf ‚meinem‘ Drucker ausgedruckt, ich parallel meine Meetingunterlagen. Ich habe den Stapel genommen ohne zu prüfen, ob noch andere Ausdrucke darin liegen, 15-mal kopiert, getackert und verteilt. Er ist rot angelaufen und hat mir danach eine kleine Predigt gehalten. Zum Glück waren die E-Mails relativ neutral.“

„Ich habe mal aus Versehen den falschen Drucker ausgewählt und eine Stellenanzeige beim Chef ausgedruckt. Es hat nur 15 Minuten gedauert, bis er mich dafür auf dem Schirm hatte. Ich bin ganz klein mit Hut in seinem Büro angetreten und habe mich in Grund und Boden geschämt. Auflösung: Er zahlte mir 2.000 Euro Bonus und lachte darüber. Ich bin immer noch dort.“

Verwechslungsgefahr

„Winter. Eisglatte Straßen. Hab meinem Mann gesagt, er soll mich im Büro anrufen, wenn er in seinem angekommen ist. Einige Zeit später klingelt mein Telefon, kurzer Blick aufs Display, Hörer abgenommen ‚Hey Süßer, schön, dass du gut angekommen bist.‘ Schweigen, schnaufen, räuspern. ‚Hallo, hier ist Frau-vom-Chef … Wer ist da?‘ Die letzten Ziffern der privaten Nummer vom Chef waren die selben wie die Durchwahl vom Mann. Auf die ersten hab ich nicht geachtet.“

Rock’n’Roll

„Als ich Anfang 30 war, hatte ich gerade einen neuen Job mit Führungsverantwortung angefangen – und mich auch von meinem Partner getrennt. Nach einer durchzechten Nacht unter der Woche bin ich in einem wichtigen Meeting mit nur zwei anderen Leuten einfach eingeschlafen. Das war ganz schön peinlich.“

„Ich habe bei einem Onlinemagazin eine Klickstrecke mit Albencovern machen müssen und habe für das Album Rocks von Aerosmith aus Versehen das bearbeitete Cover Cocks eingebaut, auf dem viele kleine Penisse abgebildet waren. Mir ist es leider erst nach dem Wochenende aufgefallen – bis auf einen Leser aber auch sonst niemandem. Spricht für die Aufmerksamkeitsspanne der Leser.“

„Nach einer etwas zu langen Nacht direkt in den Papierkorb gekotzt. Der Bürokollege war zum Glück nicht da.“

Mut zu Peinlichkeiten = mehr Kreativität

Damit dürfte klar sein: So was passiert allen. Doch alles anzünden, Gesichts-OP und in Castrop-Rauxel oder Trinidad und Tobago neu anfangen ist NICHT die Lösung. Stattdessen gilt: Ruhe bewahren, atmen – und versuchen, die positiven Seiten zu sehen. Denn ‚Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert‘ gilt so ähnlich auch für Peinlichkeiten im Job. Zum einen machen Missgeschicke durchaus menschlich und sympathisch und können soziale Bindungen stärken. Zum anderen können Peinlichkeiten im Beruf ganz grob gefasst sogar zu mehr Kreativität und so zu besserer Performance führen.

Die meisten Menschen versuchen nämlich, Peinlichkeiten tunlichst zu vermeiden. Das dahinter liegende verhaltenspsychologische Prinzip nennt sich, vereinfach gesagt, Selbstdarstellung. Damit ist nicht die durchgefilterte Selfie-Flut auf Instagram gemeint – sondern wie wir wollen, dass andere uns wahrnehmen: kompetent, cool, stets auf Zack. Auch, wenn wir selbst wissen, dass das natürlich nicht immer stimmt.

Wenn im Job kreativer Ideenaustausch gefragt ist, kann diese Angst vor Blamage dazu führen, dass wir uns nicht trauen, eventuell noch unausgegorene Ideen vorzutragen – Kreativitätshemmung. Und wenn das allen Beteiligten mehr oder minder so geht, passiert in Sachen Innovation logischerweise nicht viel. Schade, oder?

Also, wer sich traut, im Job auch mal Schwäche, Verletzbarkeit und Peinlichkeit zu zeigen, und damit souverän und gelassen umgeht, tut dadurch nicht nur sich selbst einen Gefallen, sondern im weitesten Sinne auch dem Unternehmen. In diesem Sinne: her mit den Unterhosen!