Das sind die schlimmsten Erfahrungen, die ihr im Sportunterricht machen musstet

Beim Völkerball Bälle ins Gesicht bekommen, beim Schwimmen gemobbt worden, vom Barren gestürzt – ihr habt uns anonym erzählt, welche körperlichen und seelischen Narben der Unterricht bei euch hinterlassen hat.

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Die Turnhalle der Schule ist für viele ein Horrorort gewesen. Foto: halbfett / Photocase

Kanadische Forscher*innen haben eine Debatte über Völkerball entfacht. Auf einer Fachkonferenz in Vancouver erklärte das Team von Mitarbeiter*innen dreier Unis den Sport als „unterdrückend“. Völkerball grenze die Unsportlichen aus und vermittle die Botschaft, dass es in Ordnung sei, seinem Gegenüber Schmerzen zuzufügen.

„Wenn Schüler*innen in einer Lernatmosphäre beigebracht bekommen, dass es in Ordnung ist, einen Ball  – selbst wenn es ein weicher Ball ist – auf wen auch immer sie wollen zu schmeißen, dann ist die Bereitschaft dazu da“, sagte die Pädagogikprofessorin Joy Butler im Interview mit der Washington Post. „Es wird vermittelt, dass es okay ist, die Anderen zu verletzen oder zu entmenschlichen.“

In dem Wettbewerb ginge es um die Vernichtung des*r Gegner*in. Kinder hätten großen Spaß daran, andere Teams zu schlagen und fertigzumachen, erklärte Butler. In Kürze soll auf den Vortrag ein wissenschaftliches Paper folgen, in dem sie ihre Studie detaillierter vorstellen. Die Forscher*innen hatten Schüler*innen zu ihren Erfahrungen im Sportunterricht befragt. Dabei sei Völkerball besonders häufig als unangenehme Erfahrung von den Befragten genannt worden.

Auf Twitter haben Berichte über die Studie dafür gesorgt, dass Menschen ihre Negativ-Erfahrungen mit dem Schulsport geteilt haben. Andere empfanden die Kritik an Völkerball hingegen als völlig überzogen. Wieder andere Nutzer*innen wünschen sich, dass der gesamte Schulsport grundsätzlich überdacht werden sollte.

In jedem Fall ist Schulsport ein Thema, das jede*n beschäftigt – auch diejenigen, die die Schule seit Jahren nicht mehr besuchen. Viele Menschen scheinen vor allem schlechte Erfahrungen im Unterricht gemacht zu haben. Wir haben unsere Leser*innen gefragt, welche negativen Erlebnisse sie mit Schulsport verbinden. Hier kommt eine Sammlung der Statements:

Schmerzen, Blut und Kotze

„Seine Tage haben und noch keine Tampons benutzen können. Permanent Angst vor dem Fleck haben. Ich bin dann vor Stress umgekippt.“

„Schmerzhaft war zu jeder Zeit, immer als Letzte in ein Team gewählt zu werden, weil niemand ‚die Dicke‘ haben wollte. Aber auch die Sportlehrer waren nicht immer verständnisvoll. Bei einem Volleyballspiel hat mich der Ball ins Gesicht getroffen. Meine Brille war verbogen, ich hatte Schmerzen und wie sich herausstellte, hatte ich eine leichte Gehirnerschütterung. Alles was mein Lehrer dazu zu sagen hatte, war: ‚Was dich nicht umbringt, macht dich nur härter.'“

„Ein Mitschüler hat mir damals im Sportunterricht einen Basketball mit voller Wucht ins Gesicht geworfen. Hatte einen schönen Abdruck und eine blutige Nase. Fanden alle unglaublich witzig. Daneben gab es die üblichen Gemeinheiten wie das Auslassen bei der Teamwahl.“

„Coopertest. Ich hab für eine 3 gekämpft und am Ende neben die Bahn gekotzt.“

„Ich war mal Bodenturnerin und als ich mit 20 wieder zur Schule ging, um mein Abi nachzuholen, kam ich (da schon ein paar Jahre aus der Übung) auf die Idee eine Brücke zu machen. Es knackte in der Wirbelsäule und ich spürte ein paar Minuten die Beine nicht mehr. Konnte nur lachen und heulen … Es ging dann irgendwann wieder.“

Lehrer*innen mit sadistischen Tendenzen

„Wo fängt man an, wo hört man auf? Sportlehrer*innen sind häufig Sadist*innen. Ich am Stufenbarren. Traue mich nicht. Lehrerin: ‚Mach, oder ich erschieß dich!'“

„Wir sollten in der Grundschule am Kasten turnen. Ich wurde mit einer Klassenkameradin ausgewählt, um die Übung vorzumachen. Als wir fertig waren, sagte der Lehrer, die Klasse hätte nun einmal gesehen, wie man es macht, und an mir ja auch, wie man es keinesfalls machen sollte. Er sagte auch später mal zu mir, dass ich zu nichts nutze außer als schlechtes Beispiel.“

„Wurde eh schon gemobbt, weil ich dick war, dann ist mir im Sportunterricht beim Radschlag die Hose gerissen. Einmal von oben bis unten auf. Die Lehrerin war nicht hilfreich, indem sie mich genervt vor allen zum Umziehen geschickt hat.“

„Das körperlich schmerzhafteste: Arm angebrochen beim Stufenbarren, weil die ‚Hilfestellung‘ nicht funktionierte. Das psychisch schmerzhafteste: 10. Klasse Musicaltanz und die Lehrerin sagte: ‚Geh nach hinten, du störst das Gesamtbild.‘ Und durch die gesamte Schulzeit dieses blödsinnige Gruppenauswählen, bei dem man als letzter übrig blieb.“

Geh nach hinten, du störst das Gesamtbild.

Kommentar einer Sportlehrerin

„Das Schlimmste am Sportunterricht waren immer die sportlichen Schüler, die sich hier über andere erheben konnten – gedeckt, gefördert und gelobt von den genauso schlimmen Sportlehrern. ‚Nimm dir doch mal ein Beispiel an der Susanne, die kann den Aufschwung am Stufenbarren so toll.'“

„Ich habe mich eigentlich immer gerne bewegt, doch der Schulsport hat bei mir leider bewirkt, dass ich mich immer unsportlich und unfit gefühlt habe. Ich war nicht besonders gut in den gefragten Sportarten, und als eines Tages eine Lehrerin zu mir sagte, ‚Wir wissen beide, dass du keine Einserschülerin im Sport bist‘, hat das mein Selbstbewusstsein und Körpergefühl ziemlich angeknackst.“

„Der Sportunterricht war zur Zeit der Mittelstufe immer wieder ein Grund für mich zu schwänzen. Aufgrund meines Übergewichts und starkem Mobbing in meiner Klasse wollte und konnte ich nicht wirklich am Sportunterricht teilnehmen und mich verbessern. Zusätzlich zu unfairen Mitschüler*innen wurde mir seitens der Lehrer*innenschaft ebenfalls kaum Unterstützung zuteil. Ein markantes Beispiel hierfür ist der Kommentar meines Sportlehrers während eines Laufs: ‚Das geht schneller, du Moppel.'“

Trauma Mannschaften wählen

„Das Gefühl als letzte gewählt zu werden, der Name dabei leicht mitleidig ausgesprochen … Man muss sie halt nehmen … Das tut mir bis heute weh. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit, wenn du am Reck hängst, wissend, dass du keinen Unterschwung kannst und dabei sind 25 Augenpaare auf dich gerichtet … Sportunterricht war für mich immer 90 Minuten Demütigung und ist der Grund, warum ich bis heute sportliche Aktivitäten alleine mache.“

Sportunterricht war für mich immer 90 Minuten Demütigung.

„Immer als letztes ‚gewählt‘ zu werden und zu wissen, dass einen eigentlich niemand in der Mannschaft haben möchte.“

„Wenn Mannschaften aufgestellt wurden, um gegeneinander Fussball, Volleyball, Basketball oder so einen Mist zu spielen, wurden die vier besten Sportler vom Lehrer bestimmt, die dann ihre Leute wählen mussten. Ich blieb zusammen mit einem stark übergewichtigen Mitschüler übrig und der Streit ging los, wer uns dieses Mal in seine Mannschaft nehmen musste. Wenn dann nebenan Mädchen Sport hatten und dies mitbekamen, war es besonders peinlich.“

„Wenn es um Mannschaftssport ging, wurde ich immer als eine der Letzten ins Team gewählt – weil ich zu pummelig war.“

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