Das solltest du beachten, wenn du dich nach einem One-Night-Stand nicht schlecht fühlen möchtest

One-Night-Stands können schön sein, aber man kann sich danach auch ganz schön schlecht fühlen. Was kann man dagegen tun und wann sollte man vielleicht grundsätzlich besser die Finger von casual sex lassen?

Über einige Dinge sollte man sich Gedanken machen, bevor man die Klamotten auszieht. Bild: Stocksnap

One-Night-Stands sind großartig. Denn Sex ist schließlich grundsätzlich eine feine Sache. Es gibt Leute, die finden, eine der feinsten Sachen. Auch als One-Night-Stand einen Menschen reizvoll finden, Gegenseitigkeit spüren, sich umkreisen und merken, dass da was geht. Noch ein paar Stunden vielleicht, dann begegnet man sich nackt. Und gibt sich stöhnend all dem hin, was einem so mit Körpern einfällt. Man fühlt sich begehrt und befriedigt. Und zieht von dannen. Ein paar süße Gedanken im Nachgang und ansonsten: Lebe wohl!

One-Night-Stands können aber genauso gut das Gegenteil von großartig sein. Und damit ist gar nicht der Sex selber gemeint. Sondern alles Post-Koitale. Alles, was sich an waghalsigen Hoffnungen und an pochenden Sehnsüchten so denken lässt, nachdem man mit einem Menschen intim war. Die Gefühle, die erst unmerklich, aber dann doch spürbar hochkriechen können. Und immer dann stechen, wenn das Smartphone vibriert und er*sie es wieder nicht ist.

Sex mit Enttäuschung

Dann war der One-Night-Stand letztlich nicht großartig. Dann war er einfach nur Sex mit Enttäuschung. Und Enttäuschungen tun nun mal dann besonders weh, wenn man sich vorher, hier ganz sprichwörtlich, nackt gemacht hat. Sich geöffnet hat, vertraut, alles gezeigt. Und dann wird man nicht gewollt. One-Night-Stands sind scheiße.

Es gibt genug Menschen die glauben, das könne man ganz grundsätzlich über casual sex sagen. One-Night-Stands seien das Fast Food des Sex. Schnelle Bedürfnisbefriedigung, Nährwert gegen Null, schlechtes Gewissen programmiert. Beim Sex entstünden nun mal Gefühle und weil man die nicht steuern könne, solle man es besser lassen oder mit dem bitteren Nachgeschmack zurechtkommen.

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Aber ist das wirklich so? Denn die Fraktion derer, die One-Night-Stands großartig findet und damit kein Problem hat, ist schließlich auch beachtlich. Und zu glauben, dass bei denen einfach nur ein kollektiv falsches Bewusstsein vorherrscht, kann man zwar machen, aber dann drängt sich doch zumindest der Verdacht auf, dass man selber vielleicht eines hat.

Kein richtig oder falsch

Torsten Sannwald, Coach und Paartherapeut aus Hamburg, sieht das pragmatisch: „Wenn jemand keine Bindung will, ist nichts dagegen zu sagen. Es gibt kein richtig oder falsch. Es ist eine persönliche Entscheidung.” Und diese persönliche Entscheidung sollte bestenfalls auch die eigenen Fähigkeiten im Blick haben – die einen können nach einer Liebesnacht eben relativ ungerührt ihre sieben Sachen packen, die anderen würden am liebsten für immer dableiben: „Sex mit zwei Menschen hat ja immer etwas mit Beziehungen zu tun. Sex ist ein Moment, der auf körperlicher Eben das höchste Grad an Nähe darstellt. Manche können das trennen, andere nicht.”

Erhobene Zeigefinger sind also fehl am Platz, viel wichtiger ist die Frage, ob einem selbst diese Art des Sex gut tut. Oder eben nicht: „Wenn jemand davon träumt eine Beziehung zu haben und eine Person, die einem die Welt zu Füßen legt, findet man die sehr unwahrscheinlich, wenn man sich nur auf One-Night-Stands einlässt”, meint Torsten Sannwald. One-Night-Stands werden dann zum Problem, wenn die Gefühlswaage ausschlägt und ins Ungleichgewicht gerät.

Spielregeln für den One-Night-Stand

Wichtig sei also, so Sannwald, die Spielregeln des One-Night-Stands zu beachten. Und das heißt in der Hauptsache, dass das ganze nicht als Teil einer Beziehungsanbahnung gesehen werden sollte: „Dann kann man ,spielen’, ohne hinterher das Gefühl zu haben, man habe verloren.”

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Wer keine Erwartungen hat, der kann nicht enttäuscht werden. Kennt man ja aus anderen Bereichen des Lebens. Und dennoch: Erwartungen sind zum Teil so geschmeidig, dass wir sie gar nicht bemerken. Erst dann, wenn es weh tut. So gibt es Leute die sind schon fröhlich pfeifend und ohne den Hauch eines Koitus-Katers von einem One-Night-Stand gekommen und dachten, das sei nun jedes Mal so. Doch bei anderer Gelegenheit haben sie sich ein bisschen verliebt und beim übernächsten Mal sind sie mit großem Herzschmerz aufgewacht. Kann passieren.

Schmerzmittel

Wenn es also so weit kommt, dass es weh tut, was kann man da tun? „Ein Patentrezept gibt es nicht. Man sollte sich selbst beobachten. Jetzt ist es passiert, aber wie fühle ich mich nun dabei? Was denke ich?”, meint Torsten Sannwald. „Wenn mir Gefühle und Gedanken nicht gefallen: Ist das der richtige Weg, um meine Erwartungen zu erfüllen? Was will ich eigentlich?”

Denn wer nicht nur ab und zu, sondern dauerhaft mit einem schlechten Gefühl aus solchen Situationen kommt und sich immer wieder fragt, was wäre, wenn mehr daraus werden würde, der*die sollte sich solche Fragen mit Nachdruck stellen: „Das könnte nämlich ein Indikator dafür sein, dass man Bedürfnisse jenseits der rein körperlichen Befriedigung hat.”

Denn wer nach Innigkeit und Zuneigung sucht, der wird vom Sex allein nicht befriedigt werden. Denn One-Night-Stands versprechen eben nur eines: körperliche Befriedigung. Das kann großartig sein, aber eben auch nicht das, was man möchte. Und das sollte man sich dringend klarmachen, bevor man die Klamotten auszieht.