Warhol, Lynch, Proust: Das essen berühmte Künstler*innen am liebsten

Schwarzer Kaffee und Zigarette? Die Fotografin Michelle Gerard zeigt in ihrem Fotoprojekt The Artists Diet, wie sich berühmte Künstler*innen ernährten und ernähren.

Du magst es gerne deftig und freust dich beim Aufstehen schon auf Spiegeleier mit gebratenem Speck? Dann teilst du die Ernährungsvorliebe der US-amerikanischen Schriftstellerin Patricia Highsmith. Oder bist du eher so der süße Typ und schon der Gedanke an einen cremig-sahnige Schoko-Milchshake mit Sahne und knallroter Kirsche on top zaubern dir ein breites Lächeln ins Gesicht und Sabberfäden an den Mund? Dann solltest du dich mal mit dem Filmemacher und Twin Peaks-Schöpfer David Lynch zum Mittagessen verabreden. Wenn du es jedoch spartanisch magst und dir Dosenfleisch mit Apfelspalten ausreicht, wäre der US-amerikanische Schriftsteller F. Scott Fitzgerald dein perfektes Lunch-Date gewesen.

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All diese und viele weitere Ernährungsvorlieben und kulinarische Seltsamkeiten berühmter Künstler*innen zeigt die US-amerikanische Fotografin Michelle Gerard in ihrem Fotoprojekt The Artist Diet. Auf den Bildern ist immer eine Mahlzeit zu sehen, die typisch für den*die jeweilige*n Künstler*in ist: mal opulent, mal eher karg. Bisher umfasst das Projekt zwölf Personen, unter anderem den Künstler Andy Warhol (Spoiler: Er aß nicht nur Campbell’s Tomatensuppe!), die Malerin Georgia O’Keeffe und den Schriftsteller Marcel Proust. Michelle hat jedoch noch zwölf weitere Künstler*innen auf ihrer Liste, deren Ernährungsgewohnheiten sie gerne zeigen möchte.

Sieben Tassen Kaffee mit viel Zucker

An der Kunst habe sie schon immer mehr die Geschichte und der Arbeitsprozesse hinter dem Kunstwerk interessiert als die Kunst selbst, erklärt die Fotografin: „Ich persönlich fühle mich mit einem Kunstwerk stärker verbunden, wenn ich mehr über den Schaffensprozess und die Person hinter dem Kunstwerk weiß. Wenn man die Szenen aus meinen Fotos aufbaut, dann versetzt man sich auch ein bisschen in diese Situation.“ Die Idee zu dem Projekt kam ihr, als sie einen Text über David Lynch und sein seltsames Essensritual las: „Der aß immer genau um 14:30 Uhr bei Bob’s Big Boy, denn nur zu der Zeit hatte ein Milchshake genau die richtige Konsistenz. Ich las, wie er fünf, sechs, sieben Tassen Kaffee mit viel, viel Zucker trank. Er bezeichnete sich selbst als Zucker-begeistert und die Kombination aus Zucker und Koffein befeuerten seine Kreativität, während er Ideen auf die Servietten kritzelte. Er sah seinen Erfolg auch in diesem Ritual begründet.“

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Das brachte Michelle dazu, sich auch über die Ernährungsgewohnheiten anderer Künstler*innen zu informieren. Sie fing an Biografien und Bücher zu lesen: „Ich fand heraus, wann und in welcher Umgebung sie arbeiteten, welche Rituale und Angewohnheiten wichtig für sie waren und wie sich das auf ihre Arbeit auswirkte.“ Neben den typischen Mahlzeiten zeigen ihre Fotos auch noch weitere Details wie etwa Schreibmaschinen oder Skizzenblöcke, die Einblicke in das Leben der Künstler*innen geben.

Es geht dabei darum, andere Menschen und mich selbst zu verstehen.“ – Michelle Gerard

Michelle interessiert sich schon seit Kindesalter für die Fotografie, ihren ersten Dunkelkammer-Kurs machte sie mit gerade mal 16 Jahren: „Ich habe das schon immer sehr genossen“, erklärt sie. Bei ihrer Arbeit lässt sie sich vor allem von Menschen und ihren Persönlichkeiten inspirieren: „Jedes persönliche Projekt, das ich bisher realisiert habe, handelt von Menschen und davon, was es bedeutet ein Mensch zu sein. Es geht dabei darum, andere Menschen und mich selbst zu verstehen“, beschreibt sie ihre Intention.


Weitere Arbeiten von Michelle Gerard findet ihr auf ihrer Webseite und auf Facebook.