Das wurde aber auch Zeit: Die erste Kamerafrau der Geschichte für Oscar nominiert

90 Jahre hat es gedauert, bis es eine Frau auf die Oscar-Nominierungsliste für die beste Kamera geschafft hat. Viele sind sich einig: Das ist ein gutes Zeichen, aber es bleibt noch viel zu tun.

Rachel Morrison bei den Dreharbeiten zu "Mudbound"

Rachel Morrison bei den Dreharbeiten zu "Mudbound" © Steve Dietl / Netflix

Wie jedes Jahr werden Ende Januar die Nominierungen für die Academy Awards bekannt gegeben – und in diesem Jahr ist erstmals in der Geschichte der Oscars eine Kamerafrau in der Kategorie Cinematography nominiert: Die 39-jährige Rachel Morrison hat für ihre Kameraarbeit in Mudbound eine Chance auf die goldene Siegerfigur. Das Drama beschäftigt sich mit Rassismus in den USA nach dem zweiten Weltkrieg und ist auf Netflix verfügbar. In der Kategorie sind neben Morrison unter anderem noch Roger A. Deakins für die Fortsetzung des Science-Fiction-Klassikers Blade Runner und Hoyte van Hoytema für den historischen Kriegsfilm Dunkirk nominiert.

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Im Gespräch mit der Filmzeitschrift The Hollywood Reporter erklärt Morrison, dass sie von Anfang an große Lust auf das Projekt hatte. Zur Rolle der Frau im Filmbusiness sagt sie: „Ich hoffe, dass sich das verändert – und zwar schnell. Ich finde es krass, dass es da [nur] 51 Prozent Frauen und 4 Prozent Kamerafrauen und etwa 0,05 Prozent Beleuchterinnen und Vorarbeiterinnen gibt.“ Das ergebe in ihren Augen keinen Sinn, schließlich gehe es in dem Filmgeschäft darum, mit Gefühlen umzugehen.

Das ist etwas, in dem Frauen bekanntermaßen ziemlich gut drin sind: Es geht echt darum, Einfühlvermögen in Bildsprache umzusetzen.“

„Die große Kunst ist es dahin zu kommen, dass wir einfach als DoPs (Director of Photography) wahrgenommen werden – nicht [explizit] als weibliche DoPs“, erklärt sie. Schließlich denke man bei den englischen Wörtern doctor oder teacher ja auch nicht ans Geschlecht. Morrison wünscht sich, dass das auch bei DoP der Fall wird: „Es wäre toll, wenn wir dahin kommen, wo DoP beides einschließt.“ Denn auch im Hinblick auf die gesamte Nominierungsliste der diesjährigen Oscarverleihung wird deutlich, dass Frauen in vielen Kategorien noch deutlich unterrepräsentiert sind.

Es ist noch viel zu tun

Unter dem Hashtag #OscarsSoMale, der an #OscarsSoWhite angelehnt ist, äußern sich Nutzer*innen auf Twitter zu diesem Thema. Ein Nutzer fordert: „Die unbestreitbare Realität von #OscarsSoMale ist, dass auch nach Jahren, in denen darüber gesprochen wurde, Hollywood zu einem besseren Ort für Frauen zu machen, noch immer Arbeit zu tun ist. Also, Männer in Hollywood, hört auf euch selbst dafür zu tätscheln, dass ihr einen schwarzen Smoking tragt und packt euer Geld dahin, wo euer Mund ist und stellt sie ein“