Date statt Business Meeting: Was tun, wenn dein Geschäftspartner dich lieber als sein Essen mag

Vereinbart war ein Business Meeting – am Ende verkommt das Treffen mit einem Geschäftspartner allerdings zum stumpfen Anmachversuch. Das erleben Frauen immer wieder. Wie geht man damit um?

Date statt Business Meeting: Was tun, wenn dein Geschäftspartner dich lieber als sein Essen mag

Berufliche Treffen abends ab 18 Uhr, bei denen sich wie von Zauberhand das Weinglas immer wieder füllt und man vor lauter zwanghaftem Smalltalk gar nicht auf den Job zu sprechen kommt. Foto: Unsplash / CC0

„Wo steckst du? Ich hatte gehofft, du meldest dich noch.“ Die Nachricht bekam ich nachts gegen ein Uhr, gefolgt von einem Foto: ein trostloses, leeres Bett mit Blümchen-Bettwäsche. Nein, die WhatsApp-Mitteilung kam nicht von meiner besten Freundin, die ich auf ihrer Pyjama-Party versetzt hatte. Die Nachricht kam von einem potenziellen Auftraggeber, mit dem ich mich kurz zuvor auf einen Kaffee getroffen hatte.

Zwei Jahre ist es her, da schraubte ich die Stundenzahl in meinem Job runter, um nebenbei immer mehr freiberuflich zu arbeiten. Ich schrieb, schrieb, schrieb – mal mit Erfolg, mal ohne, dass meine Texte veröffentlicht wurden. Der Grund, weshalb ich jede Nachricht bei Xing ziemlich feierte. Besonders solche, in denen ich um ein Treffen gebeten wurde. Networking ist ja immer etwas Gutes und meistens lassen sich Dinge auch viel besser im wahren Leben als digital besprechen. Was ich dagegen weniger feiere, sind berufliche Treffen abends ab 18 Uhr, bei denen sich wie von Zauberhand das Weinglas immer wieder füllt und man vor lauter zwanghaftem Smalltalk gar nicht auf den Job zu sprechen kommt. Und wenn zwei Wochen später eine Nachricht folgt mit dem besagten Bettfoto, dann sollte einem endgültig klar sein, dass ein weiteres Kennenlernen ziemlich sinnlos ist. Solche Treffen sind wahnsinnig ärgerlich. Unglücklicherweise kommen sie immer wieder vor.

Und plötzlich ist das Meeting ein Date

Das weiß auch Catherine* aus Berlin, die sich vor sechs Jahren mit einer kleinen Agentur selbstständig machte. Vor fünf Jahren traf sich die 34-Jährige mit dem Herausgeber eines Stadtmagazins, der angeblich mögliche Anzeigen besprechen wollte: „Am Anfang habe ich mir nichts dabei gedacht, dass er unbedingt abends essen gehen wollte. Es hätte ja auch sein können, dass er mittags zu viel zu tun hat und ich habe mich zu dem Zeitpunkt über jede Anfrage gefreut.“

Stutzig wurde Catherine, als beim Treffen im Szenelokal so gut wie gar nicht über Berufliches gesprochen wurde, und ihr potenzieller Kunde ihr anschließend eine Facebook-Anfrage schickte. „Er fing an, meine Bilder nachts mit ‚Wow‘ und ‚unfassbar schön!‘ zu kommentieren“, berichtet die Agentin. Dass ihr Essenspartner an etwas anderem als ihrer beruflichen Kompetenz interessiert war, wurde Catherine eindeutig klar, als er sich ein paar Monate später per Facebook-Nachricht meldete: „Schade, dass du dich gar nicht mehr meldest. Ich kriege unser Date nicht mehr aus dem Kopf.“

Ein Date also, kein Meeting.

Eine noch deutlichere Anmache bekam Betriebswirtin und Personal Trainerin Janine Heinrichs beim Dinner mit ihrem ehemaligen Chef. Die beiden hatten sich während ihrer Zeit als Kolleg*innen zwischenmenschlich sehr gut verstanden und deshalb auch danach den Kontakt aufrechterhalten. Für Janine war das Verhältnis immer rein freundschaftlich gewesen, weshalb sie umso erstaunter war, als ihr Ex-Chef ohne Umwege auf den Punkt kam: „Er sagte gleich zur Eröffnung des Treffens, er fände mich ziemlich ‚chic‘ und wurde immer eindeutiger. Als ich dann meinte, er sei doch verheiratet – ich war kurz davor sogar auf seine Hochzeit eingeladen gewesen – erzählte er mir, die Ehe würde überhaupt nur so gut laufen, weil er sie regelmäßig betrüge.“ Janine brach das Treffen auf der Stelle ab. „Ich war menschlich wahnsinnig enttäuscht und ziemlich sauer.“ Auch auf sich selbst, weil sie nicht vorher erkannt hatte, worum es ihrem Ex-Chef da ging.

Tja, worum geht es denn?

In Fällen wie bei Catherine, Janine und meinem potenziellen Auftraggeber mit seinen Bettfotos geht es weniger um die Arbeit, Können und Anerkennung der Kompetenzen, als vielmehr um ein plumpes Tauschgeschäft: Auftrag beziehungsweise Geld gegen eine nette Zeit. Was auch immer letztere beinhaltet – ein Dinner, Drinks, Sex. Was mich an solchen Geschichten persönlich wurmt, ist, dass hier meine Zeit verschwendet wird und ich offensichtlich nicht so gesehen werde, wie es mir im Arbeitskontext lieb ist. In solchen Situationen werde ich von den Geschäftspartnern zu einer Art Beute degradiert.

Wenn Interesse an meiner Arbeit vorgespielt wird und man mich eigentlich nur unter Vorwand zum Essen einladen will, ist das nicht charmant, sondern fühlt sich für mich unangenehm an und ist sexistisch. Selbst wenn sie vielleicht gut gemeint sind, nagen solche Flirtversuche nicht zuletzt auch am Selbstbewusstsein, denn das Lob, die Anerkennung für meine Arbeit, über die ich mich ursprünglich noch gefreut habe, ist so am Ende nur geheuchelt.

Das kann man dagegen tun

Was man tun kann, um sich gegen unerwünschte Flirtversuche abzusichern, und wie man aus solchen Situationen wieder herauskommt, hat mir Business Coach Christina Kanese verraten. Die Hamburgerin hat sich auf weibliche Klientinnen spezialisiert. In ihren Coachings hilft sie Frauen zum Beispiel dabei, sich ihres eigenen Selbst- und Geldwerts im Unternehmen bewusst zu werden oder wie sie sich unabhängig von Männern machen können.

Ihr Ratschlag für Business Meetings: „Frauen sollten sich das Recht darauf nehmen, Ort, Zeit und vor allem auch Grund des Treffens ganz genau zu bestimmen“, sagt der Business Coach. „Dabei gilt: egal wie gut das Verhältnis, und wie locker die Branche ist – beruflich sollte man sich lieber mittags als abends treffen. Beim Treffen würde ich außerdem auf Alkohol verzichten und Einladungen zu jemandem nach Hause – dem*der Chef*in zum Beispiel – ganz ausschlagen. Das hat auch nichts mit Unhöflichkeit zu tun.“

Und wenn das Meeting schon zum Date wurde?

Ist man bereits in der Situation und das Geschäftsessen schwappt gerade zu einem Date um, rät sie: „Wenn das Treffen in eine Richtung geht, die einem nicht gefällt, kann man da jederzeit raus, zum Beispiel mit einem bestimmten ‚Ich glaube, Sie haben da etwas falsch verstanden. Ich bin hier auf einer rein beruflichen Ebene unterwegs.’“

Das sagt sich in der Theorie so einfach. In der Praxis geht es aber mir zumindest so, dass ich ausgerechnet in den Situationen, in denen ich für mich selbst und mein Können einstehen müsste, sprachlos bin. Kommen da noch eine Flasche Wein, ein unausgeglichenes Machtverhältnis und unangenehme Schwingungen hinzu, bin ich mir für meinen Teil sicher, dass ich nicht so einfach Klartext reden würde.

In diesem Fall hat Frau Kanese einen anderen Rat: „Wenn du Angst hast, deinen übergriffigen Geschäftspartner oder die übergriffige Geschäftspartnerin zu kränken, hilft es, sich erst mal Zeit zu verschaffen und eine Metaebene einzunehmen. Du kannst dich zum Beispiel kurz auf Toilette entschuldigen und dir dort überlegen, was du dir als außenstehende Person raten würdest.“

Sich gegen Sexismus – egal wie charmant er angeblich gemeint sein mag – zu wehren, ist immer okay. Punkt. Denn wer unter falschen Vorwänden zum ‚Meeting‘ einlädt, darf guten Gewissens aus wahren Gründen abserviert werden. Wohl bekomm’s.

*Name von der Redaktion geändert